Endlose Suche nach Vorfahren

Schon seit über 30 Jahren erforscht René Lehner seine Familiengeschichte. Im Zeitungsarchiv des Tagblatts findet er spannende Angaben über seinen ertrunkenen Urgrossvater, die oberirdisch fliessende Steinach und noch vieles mehr.

Ralf Rüthemann
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René Lehner forscht in alten Zeitungen und in den verschiedensten Archiven nach Informationen über seine Vorfahren. (Archivbild: Andrea Sterchi)

René Lehner forscht in alten Zeitungen und in den verschiedensten Archiven nach Informationen über seine Vorfahren. (Archivbild: Andrea Sterchi)

RORSCHACH. René Lehner aus Urdorf ZH hat das Archiv des Tagblatts in Rorschach schon einige Male durchforscht. Dabei suche er gezielt in den uralten Zeitungen nach Informationen über seine Vorfahren. «Die Forschung nach meinen Vorfahren ist mein grösstes Hobby. Ich habe schon viel herausgefunden. Trotzdem werde ich aber nie alles über die Vergangenheit meiner Familie erfahren», sagt er. Man dürfe nie zu viel erwarten.

Die Lehners waren Müller

Der Name Lehner ist in der Region Rorschach gut vertreten. Ursprünglich stammt er aber aus Appenzell. Von dort wanderten sie in die Region Rorschach aus und liessen sich im Unteregger Grauen, oberhalb von Iltenriet, nieder. «Meine Vorfahren haben Mühlen betrieben. Eine davon war die Aachmühle in Tübach. Später betrieben sie Mehlhandel. Ich vermute, dass dieser wichtiger als die Müllerei war.» Dies hat René Lehner dank seiner Recherchen herausgefunden. Zu Hause in Urdorf ergänzt er laufend den Stammbaum seiner Familie. Es blieben aber noch viele Lücken, für die er fast keine Anhaltspunkte habe, um sie herauszufinden. «Lehners leben auch in Rorschacherberg. Bisher gelang es mir noch nicht, eindeutig zu enträtseln, wie und ob diese verwandt mit denen aus Untereggen sind», sagt er. Herausgefunden hat er aber, dass einer seiner Vorfahren in Rorschacherberg Gemeindepräsident war. Es sei aber leider keine Seltenheit, dass er die Spur eines Nebenstrangs im Familienstammbaum verliere. Einem solchen zu folgen sei eine knifflige Arbeit.

Die Steinach floss oberirdisch

«Die Zeitungen von früher berichteten viel mehr über das Ausland als über das Geschehen vor Ort», sagt René Lehner. Deshalb sei es nicht immer einfach, das zu finden, was er suche. So stosse er aber manchmal auf andere spannende Zeitungsartikel. Einer davon sei besonders interessant: «Heute fliesst die Steinach unterirdisch, nördlich von St. Fiden durch. In einem alten Zeitungsartikel habe ich aber gelesen, dass der Bach vor dem 19. Jahrhundert noch offen durch die Gassen floss.» Solche Angaben finde er zufällig immer wieder. Dies mache das Forschen in den alten Zeitungen noch um einiges spannender. Bei René Lehners letztem Besuch im Tagblatt-Archiv suchte er nach einem Zeitungsartikel über den Tod seines Urgrossvaters. Im Stadtarchiv sei er auf ein Datum gestossen, an dem sein Urgrossvater im Bodensee ertrunken sein könnte. Sicher war er sich jedoch nicht. Diese Theorie konnte er dann dank eines Zeitungsberichtes, der einige Tage nach dem Tod seines Urgrossvaters erschienen war, bestätigen.

Nur Fakten, keine Vermutungen

Mit seinen Recherchen habe er keine weiteren Absichten, als einfach so viel wie möglich über die Vergangenheit seiner Familie herauszufinden, sagt Lehner. Dazu steigt er nicht nur ins Archiv des Tagblatts, sondern auch einmal ins Stadt- und Stiftsarchiv St. Gallen. Als 30-Jähriger habe er begonnen, seinen Vorfahren nachzuspüren. Seinen Vater habe er auch schon für die Familienforschung eingespannt. Ein Ende seiner Forschungstätigkeit sei noch lange nicht in Sicht. Einige Unklarheiten müsse er unbedingt noch klären. Die ganze Familiengeschichte sei ein riesengrosses Puzzle, das fast nicht zusammengesetzt werden könne. «Es gibt viel Raum für Spekulation. Ich könnte manche Geschichten miteinander in Verbindung bringen, ohne Genaueres darüber zu wissen. Das führt mich am Ende aber nur auf eine falsche Spur. Deshalb verlasse ich mich nur auf Fakten und Angaben, die ich definitiv belegen kann.» Bei seinen nächsten Forschungen wird René Lehner weiterhin versuchen herauszufinden, was es mit den Lehners aus Rorschacherberg auf sich hat. «Irgendwie muss ich sie doch mit meiner Familie in Verbindung bringen können. Das möchte ich unbedingt noch erforschen. Und wenn ich es nicht herausfinden sollte, dann war es mir immerhin nicht langweilig», sagt Lehner und lacht.