«Endlich Frauen an der Macht»

Frauenmehrheit im Bundesrat und keine Ostschweizer Vertretung mehr im Gremium. So lautet das Fazit der Bundesratswahl. Passanten in der Stadt finden die Frauenmehrheit gut und hätten gerne eine Bundesrätin Keller-Sutter gehabt.

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Vera Brocker, 20, Grafikerin, Kirchberg

Die Wahl von Simonetta Sommaruga finde ich super. Die Frau ist nicht nur aus derselben Partei wie ihr Vorgänger, sondern auch eine echte Sympathieträgerin. Zudem gehört sie zu den Jüngeren im Bundesrat. Karin Keller-Sutter hat zwar auch eine starke Persönlichkeit, aber war wohl etwas zu sehr eine Hardlinerin, um in den Bundesrat gewählt zu werden.

Sandro Lanfranconi, 23, Strassenbauer, Speicherschwendi

Ich habe die Wahl gar nicht verfolgt, da sie mich nicht interessiert hat. Politik im allgemeinen sagt mir rein gar nichts. Doch die Frauenmehrheit stört mich nicht. Wir haben schliesslich die Gleichberechtigung der Geschlechter. Daher finde ich es gar nicht mal so übel, dass Simonetta Sommaruga jetzt Bundesrätin ist, da sie offensichtlich alle Qualifikationen für das Amt hat und frischen Wind bringen kann.

Arnold Weder, 56, Lehrer, St. Margrethen

Es ist schade, dass die Ostschweiz im Bundesrat nicht mehr vertreten ist. Dennoch: St. Gallen wird wohl nicht benachteiligt werden, da wir als Grenzkanton von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit sind. Die Geschlechterrolle war wohl kaum entscheidend für die Nichtwahl von Karin Keller-Sutter. Es hing viel mehr damit zusammen, dass sie im Parlament nicht so bekannt war, wie die anderen beiden.

Kevin Zulauf, 20, arbeitslos, Thal

Abstimmungen und Wahlen sind voll nicht meine Welt. Die Leute in Bern kennen ihr Volk auf der Strasse gar nicht und wollen das auch nicht. Sie kennen die Menschen, die in wichtigen Positionen sind und Einfluss ausüben können. Darum wäre Karin Keller-Sutter keine schlechte Wahl gewesen. Sie kennt ihre Stadt, inklusive der hässlichen Seiten und der weniger wichtigen Personen.

Martina Knöpfel, 29, Verkäuferin, St. Gallen

Ich habe die Wahl nur verfolgt, weil man ihr den ganzen Tag hindurch nicht entkommen konnte. Die Untervertretung der Ostschweiz finde ich allerdings nicht unbedingt gut. Die Schweiz hört ja auch nicht in Zürich auf. Die Ostschweiz sollte weder in der Politik noch sonstwo hinten anstehen müssen. Und als Repräsentantin wäre Karin Keller-Sutter nicht schlecht gewesen, obwohl mir ihr Geschlecht in diesem Fall egal ist.

Romy Ammann, 65, Rentnerin, Widnau

Ich hätte Karin Keller-Sutter wirklich gerne im Bundesrat gesehen. Sie wäre die Richtige gewesen. Sie kann sich gut durchsetzen und vertritt gesunde Standpunkte, nicht nur in der Ausländerpolitik. Doch Simonetta Sommaruga ist sicherlich auch eine qualifizierte, gute und junge Bundesrätin. Ich hoffe, dass es der Schweiz mit dem neuen Bundesrat besser gehen wird als bisher.

Michael Hofmeier, 30, Schreiner, Herisau

Ich wusste es doch: Ich habe am Mittwochmorgen gesagt, dass die SVP keine Chance haben wird, und so kam es dann auch. Auch die Tatsache, dass Karin Keller-Sutter nicht gewählt wurde, stört mich wenig, da ich nicht viel über sie weiss und auch kein Fussballfan bin. Die Frauenmehrheit freut mich aber enorm: Endlich können die Schweizerinnen zeigen, was sie drauf haben.

Theresia Kröni, 70, Floristin, St. Gallen

Die Wahl gestern brachte ein super Resultat. Endlich sind die Frauen an der Macht. Das ist ein echter Fortschritt für die Schweiz. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Frauen Bundesrätinnen dem Land sehr gut tun werden. Mir scheint, dass auch das Team, aus dem der Bundesrat jetzt besteht, sehr gut harmoniert. So kann er bestimmt viel Gutes bewirken.

Text: Dominik Bärlocher

Bilder: Janina Gehrig