Ende einer stadträtlichen Odyssee

Am 18. März 2008 ordnete der Stadtrat Rorschach die Wiederaufforstung des an der Scholastikastrasse illegal gerodeten Baumbestands an. Zu ersetzen waren drei Waldkiefern, fünf Hainbuchen, fünf Feldahorne und fünf Eiben.

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Am 18. März 2008 ordnete der Stadtrat Rorschach die Wiederaufforstung des an der Scholastikastrasse illegal gerodeten Baumbestands an. Zu ersetzen waren drei Waldkiefern, fünf Hainbuchen, fünf Feldahorne und fünf Eiben. Dieser behördliche Befehl wurde jedoch von den fehlbaren Anwohnern nie erfüllt. Trotzdem sah der Stadtrat keinen Anlass, die für diesen Fall angedrohte Ersatzvornahme in die Tat umzusetzen. Vielmehr entzog er sich gut zwei Jahre lang mit immer neuer Begründung seiner Vollzugsverpflichtung.

Unter anderem führte er an, er plane eine Änderung der Schutzverordnung und erachte es deshalb als sinnvoll, die Vollstreckung des Wiederaufforstungsbefehls bis zum Abschluss der Revision aufzuschieben.

Dem Geschäftsbericht 2009 ist allerdings zu entnehmen, dass das Änderungsvorhaben noch tief in den Kinderschuhen steckt und sein Ausgang keineswegs feststeht.

Daher, der Stadtrat war allen Ernstes bereit, die selbst verhängte, längst überfällige Sanktion bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag auszusetzen.

Am 8. Oktober 2009 teilte er der Öffentlichkeit im St. Galler Tagblatt mit, der Hang sei natürlich ergrünt. Die Natur selber habe den Mangel behoben. Von der ursprünglich angeordneten Wiederaufforstung könne deshalb definitiv abgesehen werden. Anstelle eines erneuten Eingriffs zur Wiederaufforstung sei der Wildwuchs «gezielt» zu pflegen.

Darunter versteht der Stadtrat, wie er in anderem Zusammenhang erklärte, eine Pflege, die den Durchblick zum See gewährleistet.

Mit diesem Konzept hätte der Stadtrat die fehlbaren Anwohner also gleich doppelt belohnt: einerseits wären ihnen die Wiederaufforstungskosten erspart und andererseits die Seesicht erhalten geblieben.

Ändern, offenbar für den Stadtrat nicht gleichermassen attraktiven Anwohnern wäre jedoch zugemutet worden, ein Stück Natur, das ihnen lieb geworden ist und zu ihrer Lebensqualität gehört, stillschweigend aufzugeben. Das haben sie nicht akzeptiert. Stattdessen drängten sie auf den Vollzug der überfälligen Wiederaufforstungsverfügung.

Mit ihrer Einsprache gegen das Baugesuch der SBB haben sie nun Recht bekommen. Im Entscheid vom 20. April 2010 wurde zum zweitenmal und im gleichen Umfang wie in der Verfügung vom 18. März 2008 die Wiederaufforstung des Scholastikawäldchens angeordnet und der Vollzug bis spätestens 30. November verfügt. Was illegal gerodet wurde, soll nun also in seiner alten Erscheinungsform wiederhergestellt werden.

Dieser Erfolg unserer Mitbürger freut mich sehr. Ich gratuliere herzlich. Leider bleibt jedoch ein Nachgeschmack: Einerseits wenn wir bedenken, wie viel Zeit und Geld sich der Stadtrat den Versuch kosten liess, seinen eigenen Befehl ausser Kraft zu setzen. Andererseits ist durch die Odyssee der Stadtbehörde Vertrauensschaden entstanden. Es kann deshalb nicht wundern, dass wir die Wiederaufforstung mit wachsamen Augen verfolgen werden.

Max Bürkler SP-Präsident, Rorschach