Elf Kandidaten für sechs Sitze

Drei Frauen und acht Männer bewerben sich um die sechs Sitze im Kirchenverwaltungsrat. Dieser ist die «Regierung» der Katholischen Kirchgemeinde St. Gallen. Am Montagabend stellten sich die Kandidierenden der Wählerschaft vor.

Margrith Widmer
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Gesprächsleiter Niklaus Knecht (Mitte) mit vier der elf Kandidaten: Sonja Gemeinder, Martina Merz-Staerkle, Claudio Kasper und Felix Rütsche. (Bild: Benjamin Manser)

Gesprächsleiter Niklaus Knecht (Mitte) mit vier der elf Kandidaten: Sonja Gemeinder, Martina Merz-Staerkle, Claudio Kasper und Felix Rütsche. (Bild: Benjamin Manser)

Am 13. September wählen die rund 25 000 stimmberechtigten Mitglieder der Kirchgemeinde St. Gallen die katholischen Behörden: 30 Mitglieder des städtischen Kirchgemeindeparlaments, 223 Mitglieder des Katholischen Kollegiums (kantonales Katholikenparlament) sowie den Präsidenten und fünf weitere Mitglieder des Kirchenverwaltungsrats. Für diesen bewerben sich elf Personen. Noch nie hätten die Wahlberechtigten unter so vielen Kandidaten für den Kirchenverwaltungsrat auswählen können, hielt Moderator Niklaus Knecht, Leiter der katholischen Arbeitsstelle Partnerschaft–Ehe–Familie, anlässlich einer Gesprächsrunde mit den Kandidaten am Montagabend im Dom-Zentrum fest.

Drei Bisherige und acht Neue

Eingangs stellten sich die drei Bisherigen und die acht neu Kandidierenden dem Publikum vor. Von den Bisherigen kandidieren Präsident und Rechtsanwalt Armin Bossart (37), der zu 50 Prozent für die Kirchenverwaltung arbeitet, Betriebswirtschafter Norbert Ackermann (67) und Kindergärtnerin Caroline Sturzenegger (47) für eine weitere Amtsdauer von vier Jahren. Die neuen Kandidaten für den Kirchenverwaltungsrat sind Hermann Falch (61), Inhaber einer Schreinerei, Krankenschwester und Familienfrau Sonja Gemeinder (42), Claudio Kasper (34), selbständiger Geschäftsführer im Detailhandel, Pflegefachfrau Martina Merz-Staerkle (63), Finanzberater Felix Rütsche (44), Rechtsanwalt Walter Wagner (50), Donat Wick (54), der seit 2001 die Herberge zur Heimat leitet, sowie Alois Ebneter, Projektleiter und ehemaliger Gemeindepräsident von Alt St. Johann, der jedoch abwesend war und von Niklaus Knecht vorgestellt wurde.

Auf die Frage, wie sich die Kirche weiterentwickeln soll, sagte Caroline Sturzenegger, es sei nicht immer einfach, geeignetes Personal zu finden. Es brauche Zusammenarbeit unter den Pfarreien und «strukturelles Wachstum». Auch Sonja Gemeinder sprach sich für mehr Zusammenarbeit aus; die Pfarreien müssten aber «ihr Leben behalten».

«Tue Gutes und sprich darüber»

Auf die Frage, wie sich die Kirche nach aussen präsentieren müsse, antwortete Armin Bossart fest, für ihn sei das Luzerner Modell mit einem Kommunikationsbeauftragten ein Vorbild. «Ganz nach dem Motto: Tue Gutes und sprich darüber.»

Damit die Kirche als Einheit wahrnehmbar werde, müsse sich der Kirchenverwaltungsrat «intern finden und die Mehrheitsmeinung nach aussen vertreten», sagte Claudio Kasper. Donat Wick hielt fest: «Es wird kein Wohlfühllager sein. Man muss auch kämpfen.»

Niklaus Knecht betonte die Wichtigkeit von Sachkompetenz und Teamfähigkeit. Walter Wagner sagte, es komme auf Qualifikation und Erfahrung an; man müsse sich Zeit für Diskussionen nehmen. Der Vorteil: Im Kirchenverwaltungsrat müssten sich, anders als in «weltlichen» Exekutiven, nicht «ganz Linke und ganz Rechte zusammenraufen». Das Team müsse sich unterstützen und akzeptieren.

Viele bewerben sich wegen Lohn

Auf die Frage nach der Belastung durch die Aufgaben im Kirchenverwaltungsrat antwortete Felix Rütsche: «Wenn ich nicht wüsste, wie ich mich im Fall einer Wahl organisieren muss, würde ich nicht da sitzen.» Flexibilität sei wichtig, sagte Walter Wagner. Niklaus Knecht wies darauf hin, dass sich die Arbeit nicht bloss auf Sitzungen beschränke: «Es gibt auch manchmal Feuerwehrübungen.» Es brauche Disziplin, sagte Armin Bossart. Norbert Ackermann fügte hinzu: «Es bewerben sich so viele, weil das Amt gut bezahlt ist und die Erwerbseinbusse nicht allzu gross ausfällt.» Denn die Arbeit nehme mindestens einen bis zwei Tage in Anspruch.

Die Mitglieder des Kirchenverwaltungsrats werden mit 30 000 Franken pro Jahr entschädigt, erklärte Magnus Hächler von der Verwaltung der Katholischen Kirchgemeinde. Das entspreche 20 Prozent eines Kaderlohns von 150 000 Franken pro Jahr.

Enkeltaugliche Arbeit leisten

In der Schlussrunde sagte Felix Rütsche, der Kirchenverwaltungsrat müsse «enkeltaugliche» Arbeit leisten. Walter Wagner forderte, es müssten Infrastruktur und Personal bereitgestellt werden, damit Jugendliche länger in der Kirche bleiben. Caroline Sturzenegger will «einen guten Arbeitsort fürs Personal und Gläubige, die wissen, was die Kirche leistet». Hermann Falch wünscht sich Wohnungen, die nicht mehr leer stehen, Norbert Ackermann eine «gute Planung ohne Blindflug», und Armin Bossart will «klar und verbindlich in die Zukunft schauen».