Eleganz, Frohmut und Sonnenbrand

Der Umzug durch die Stadt mit rund 5000 Kindern, 600 Lehrerinnen und Lehrern und etwa ebenso vielen Musikanten, die Darbietungen der Schulklassen auf den Bühnen auf dem Rosenberg, die Bratwürste, der Sonnenschein, der leichte Wind: Das Kinderfest 2015 war ein ganz schönes.

Daniel Wirth
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In weissen Stickereien und rosa Schirmchen: Schülerinnen und Schüler auf dem Weg über den Bohl hinauf zur Festspielwiese auf dem Rosenberg. (Bild: Hanspeter Schiess)

In weissen Stickereien und rosa Schirmchen: Schülerinnen und Schüler auf dem Weg über den Bohl hinauf zur Festspielwiese auf dem Rosenberg. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die Böllerschüsse um 6 Uhr auf den Hügeln der Stadt hatten niemanden mehr überrascht. Es war klar: das Kinderfest findet statt. Endlich. Circa ein halbes Dutzend Mal wurde es verschoben. Nicht immer nur wegen des Wetters, der CSIO im Gründenmoos war dem Kinderfest in die Quere gekommen, nächste Woche wäre es eine US-Rockband in der AFG Arena gewesen, die einer Durchführung im Wege gestanden hätte. Doch das kümmert heute schon niemanden mehr. Die Wetterkommission machte alles richtig. Gestern war ein Prachtstag: Sonne, ein leichtes Lüftchen – es passte alles!

Viel Chic am Umzug

Um 9 Uhr setzte sich der Festumzug beim Spisertor in Bewegung. Die Tribünen auf den Trottoirs waren dicht besetzt, auch die Gartenbeizen entlang der Umzugsstrecke. Erfahrene Kinderfest-Besucher brachten eine Bockleiter mit, die eine gute Sicht auf den Umzug garantierten. Der Umzug war prächtig: 5000 Schulkinder und 600 Lehrerinnen und Lehrer hatten sich in feines Tuch geworfen, viel Chic und Eleganz prägten das Bild, wobei die Farbe Weiss am meisten getragen wurde. Tausende säumten die Strasse und winkten den Schulklassen und Musikformationen aus der Stadt und dem Umland zu. Die Zuschauer klatschten, während Kinderaugen mit dem Messing der Posaunen und Trompeten um die Wette strahlten. Je kleiner die Kinder, desto grösser die Freude, je pubertierender die Oberstufenschüler, umso erkennbarer der Unmut. Doch das tat der allgemeinen Festfreude keinen Abbruch. Es herrschte Frohmut.

Nichts dem Zufall überlassen

Alles ging Schlag auf Schlag. Das Organisationskomitee hatte nichts dem Zufall überlassen. Der Festplatz auf dem Rosenberg war schön hergerichtet. Die Schulklassen führten auf drei Bühnen ihre lange einstudierten Darbietungen vor: Die Kleinsten zeigten Ringeltänze zu Kinderliedern, während bei den Grösseren auch Rock'n'Roll oder Jazz die tänzerischen Vorführungen untermalten. Und auch hier: Tausende sassen vor den Bühnen und applaudierten den Schulklassen, Tausende sassen an den Festbänken, tranken Bier, Wein oder Blöterliwasser und assen – ja was wohl? – eine grillierte Bratwurst mit einem Bürli. Die 230-Gramm-Kinderfest-Bratwurst war am Mittag vorübergehend nicht mehr an sämtlichen Grillstationen auf dem Rosenberg erhältlich. Doch deswegen entstand kein Groll. Olma-Bratwürste hatte es genug.

50 000 Kalbsbratwürste

Insgesamt 50 000 Würste wurden in der Nacht auf Freitag für den Grossanlass produziert in den Metzgereien der Stadt. Die Nachfrage nach der Spezialität war gross. Die Grilleure wendeten schweissgebadet Wurst um Wurst. Auch die 400 Helferinnen und Helfer, die Tranksame ausgaben, hatten alle Hände voll zu tun. Auf der Kinderfestwiese war ein reges Treiben. Ganz kleine Kinder konnten sich auf dem Rosenberg auf Spielplätzen austoben, am Abend gab es für Teenager eine Disco. Doch das Kinderfest ist nicht nur ein Fest für Kinder. Eltern, Grosseltern, Senioren, Heimweh-St. Galler – alles war gestern auf dem Rosenberg: Tout Saint Gall ! Und bei manchen war am Abend etwas gut erkennbar: Sonnenbrand.

Positive Bilanz

Marlis Angehrn, Leiterin des Schulamts und Präsidentin des Kinderfest-OK, zog am Abend eine positive Festbilanz. Den Umzug säumten schätzungsweise 30 000 Personen, auf der Kinderfestwiese weilten insgesamt 50 000 Personen. «Das Kinderfest 2015 hatte eine ausgesprochen festliche Note», sagte Angehrn. Und Schuldirektor Markus Buschor war am Abend nur eines: «stolz auf die Stadt St. Gallen».