Einweihung mit Anekdoten

ST.GALLEN. Bei der Eröffnungsfeier der neuen Sportanlage Espenmoos wurden alte Zeiten wach. Beteiligte erinnerten sich an Olma-Spiele, die Meisterfeier und Schafe, die auf dem Espenmoos weideten.

Ralf Streule und Fredi Kurth
Merken
Drucken
Teilen
Tranquillo Barnetta, Marc Zellweger und Beat Rietmann im Sport-Talk.

Tranquillo Barnetta, Marc Zellweger und Beat Rietmann im Sport-Talk.

«Test-eins-zwei – wunderschön wieder zurück hier im Espenmoos.» Schon beim Mikrophoncheck vom legendären Stadionspeaker Richard Fischbacher wurde gestern abend klar: Der wehmütige Blick zurück stand am Espenmoos-Fest im Mittelpunkt. Zwar ging es um die Einweihung der Sportanlage samt neuen Garderoben und Kunstrasenplatz, von den alten Espenmoos-Zeiten konnte aber niemand lassen – weder Redner noch Besucher.

Helikopter bleibt unvergessen

Stadträtin Elisabeth Beéry erinnerte in ihrer Ansprache an die Meisterfeier, an Olma-Spiele, an ihren eigenen «Stamm-Stehplatz» im Stadion und an ein Spiel von 1989, als der Schiedsrichter nach Abpfiff mit dem Helikopter ausgeflogen werden musste, da die wütenden Fans vor dem Stadion warteten. Als Direktorin für Bau und Planung sprach Beéry aber auch von der neuen Anlage, welche die Stadt in den vergangenen zwei Jahren für 4,7 Millionen Franken umgebaut hat.

Dreckhaufen auf dem Spielfeld

Ein lachendes und ein weinendes Auge habe er, sagte Reto Antenen, der Präsident der Stadiongenossenschaft, welche sich aufgelöst und das Stadion der Stadt offiziell übergeben hat. Er freue sich an der «offenen» Anlage, schwelge aber auch wehmütig in alten Zeiten. Er erinnere sich, wie er als Bub in den 1950er-Jahren Grossvaters Schafe aufs Espenmoos zum Weiden gebracht habe.

Den damaligen Platzchef habe dies nicht gestört, obwohl er danach den Platz von «Dreckhaufen» habe befreien müssen.

Stadträtin Barbara Eberhard schliesslich konzentrierte sich in ihrer Rede auf den aktuellen Spielbetrieb und machte gleichzeitig Werbung für Frauenfussball. Neben den U21-Fussballern des FCSG, Junioren, Veteranen und Firmenfussballern trainiert und spielt im Espenmoos auch die Damenmannschaft des FCSG.

Gestern waren die Stadtparlamentarier indessen die prominentesten Kicker, verloren aber das Plauschspiel gegen eine Auswahl der benachbarten Maschinenfabrik Kellenberger mit 0:3.

Die sanierten und farbig gestrichenen Garderoben, welche die Besucher während der Feier besichtigen konnten, liessen die Gedanken ebenfalls in alte Zeiten abschweifen. Die acht Umkleideräume tragen die klingenden Namen von ehemaligen FCSG-Spielern.

Drei davon, Beat Rietmann, Tranquillo Barnetta und Marc Zellweger, blickten schliesslich zusammen mit Moderator Richard Fischbacher zurück in die Geschichte des Stadions.

Barnetta trug die Nummer 17

Barnetta erzählte, wie er zuerst auf der Haupttribüne sass und später als Teenager «auf der Südkurve» mitfieberte. Schöne Pointe: Als Spieler übernahm er die legendäre Nummer 17 – für die Zeit, da Zellweger bei Köln und in Wil spielte. Rietmann musste erklären, weshalb der FC St.

Gallen im Espenmoos viel stärker war: «Weil die Zuschauer sehr nahe am Spielfeld standen und den Gegnern die Knie zitterten.» Für Zellweger war dessen Abschied nach Köln emotionaler als nun in der Arena. «Aber sie ist das schönste Stadion der Schweiz», schlug er doch einen versöhnlichen Bogen.

Besucher besichtigen eine der Garderoben unterhalb der Haupttribüne.

Besucher besichtigen eine der Garderoben unterhalb der Haupttribüne.

Espenmoos, so weit das Auge reicht: Die Sportanlage ist offener geworden – die Nebentribünen haben dem Kunstrasen (hinten) Platz gemacht. (Bilder: Reto Martin)

Espenmoos, so weit das Auge reicht: Die Sportanlage ist offener geworden – die Nebentribünen haben dem Kunstrasen (hinten) Platz gemacht. (Bilder: Reto Martin)