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EINSATZ FÜR KINDER: Nach Schwächeanfall: Die Sprayer-Oma von Wittenbach muss aufgeben

Mit voller Kraft setzt sich Anneliese Adolph gegen das Fussballverbot im Obstgarten-Quartier in Wittenbach ein. Nun ist die Situation aus den Fugen geraten: Vor wenigen Tagen erlitt die 85-Jährige einen Schwächeanfall.
Angelina Donati
Die Oma und ihr Werk: Anneliese Adolph und die Fussballverbots-Tafel, welche sie besprayt hatte. (Bild: Benjamin Manser/Angelina Donati)

Die Oma und ihr Werk: Anneliese Adolph und die Fussballverbots-Tafel, welche sie besprayt hatte. (Bild: Benjamin Manser/Angelina Donati)

Bislang war die Sprayer-Oma, auch bekannt als "Frosch-Oma", immer zu einem Spässchen aufgelegt. Ihr, so der Eindruck, kann nichts und niemand etwas anhaben. Mit viel Energie setzt sie sich dafür ein, dass in ihrem Wohnquartier die Kinder wieder auf der Wiese Fussballspielen dürfen.

Alles hat damit begonnen, dass Anneliese Adolph eine Fussballverbotstafel auf einer der Wiesen im Obstgarten-Quartier in Wittenbach mit roter Sprayfarbe übermalt hat. Daraufhin wurde sie von einer Anwohnerin angezeigt. Die 85-Jährige liess sich davon nicht beirren und gab an, dass sie sich sogar auf eine Begegnung mit der Staatsanwaltschaft freue. "Und auch in den Knast würde ich gehen. Dann habe ich wenigstens eine neue Erfahrung gemacht", sagte sie Anfang Oktober gegenüber dem "Tagblatt".

Allerdings hat sich die rüstige Seniorin wohl zu viel zugemutet, wie sich jetzt zeigt. Vor ein paar Tagen erlitt die kämpferische Wittenbacherin einen Schwächeanfall. "Ich lief in meiner Wohnung herum, als mir plötzlich schwindlig wurde. Ich fiel hin", sagt Anneliese Adolph. "In der ganzen Sache rund um das Fussballverbot habe ich mich wohl übernommen."

Von der Verwaltung gab es keine Antwort

Die Sprayer-Oma, die sich eine riesige Fangemeinde im Internet wie auch in Wittenbach aufgebaut hat, liess nichts unversucht, um sich für die Kinder einzusetzen. "Kinder bedeuten mir einfach alles." Und für sie habe sie ihr Möglichstes getan. So verfasste sie erst neulich einen Brief an die Verwaltung und hoffte, dass dadurch die Verbotstafeln abmontiert würden. "Eine Idee wäre zum Beispiel, die Schilder abzuschrauben, die Rahmen aber zu belassen. So könnten die Kinder versuchen, Bälle hindurchzukicken", so der Vorschlag der Sprayer-Oma.

Allerdings habe der Herr von der Verwaltung "ein Herz aus Stein", wie sie aus der Reaktion schliessen müsse. Denn eine Antwort habe sie nie bekommen. "Das aber wäre eigentlich das Minimum und hat mit Anstand zu tun. So wurde mir das zumindest in meiner Kindheit beigebracht", entrüstet sich die gebürtige Deutsche. Weiter möchte sich dazu gar nicht mehr äussern. "Ich bin einfach nur traurig."

Sprayer-Oma will für Bussen aufkommen

Sichtlich geschwächt von der ganzen Situation, will sich Anneliese Adolph nun schonen. "Ich muss sogar." Es fehle ihr momentan schlicht die Kraft, für "die Tragödie", wie sie sagt, weiter Energie aufzubringen. Selbst kleine Termine, wie etwa die Kontrolle beim Augenarzt in St.Gallen, habe sie nun vorerst abgesagt. Jetzt heisst es für die 85-Jährige, sich selbst Sorge zu tragen. Und die ganze Sache mit dem Fussballverbot ruhen zu lassen. Auch ihre eigenen Kinder hätten ihr geraten, aufzuhören - ja sogar verboten, weiter zu machen, sagt die dreifache Mutter, fünffache Grossmutter und Urgrossmutter. "Sie sind sehr in Sorge um mich."

Eine letzte Bemerkung kann sich die Sprayer-Oma aber doch nicht verkneifen: "Die Kinder, die hier im Quartier wohnen, sollen sich nicht an das Fussballverbot halten. Sie sollen ruhig weiterspielen", sagt die Seniorin ermutigend und fügt hinzu: "Wenn es Bussen geben sollte, dürfen sie die mir bringen." Und für einen Augenblick ist ihre gewohnt unerschrockene Art wieder zurück.

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