Einsatz für den Nebengraben

Seit hundert Jahren setzt sich der Einwohnerverein Nebengraben für seinen Dorfteil ein. Er verbuchte viele Erfolge, musste aber auch einige Niederlagen einstecken. Mit der ganzen Gemeinde feierte der Verein sein Jubiläumsfest.

Seraina Hess
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Denise und Martin Müller mit Nico (l.), Loris und Yarina.

Denise und Martin Müller mit Nico (l.), Loris und Yarina.

ST. MARGRETHEN. Das Waldfest im Weiler, der geographisch näher bei Rheineck liegt und politisch zu St. Margrethen gehört, wurde seinem Namen gerecht: Versteckt zwischen den Bäumen des Naturschutzgebiets Eselschwanz stand das Festzelt, umgeben von Lichterketten und Feuerschalen. Der Anblick des Tipis liess vergessen, dass sich der Einwohnerverein Nebengraben normalerweise mit Dorfpolitik beschäftigt und nicht mit der Organisation romantischer Events. An vergangene Zeiten, in denen sich der Einwohnerverein Nebengraben in der Gemeinde St. Margrethen immer wieder aufs Neue für seine Anliegen einsetzen musste, wurde nur erinnert, wer die Festzeitungen aufschlug, die auflagen. Der Verein, der an seinen Hauptversammlungen jeweils über 60 Mitglieder zählt, berichtet darin chronologisch und eindrücklich von Erfolgen und Niederlagen im Laufe des vergangenen Jahrhunderts.

Wasser, Strom und Bänke

Die Beispiele machen die zeitliche Dimension von hundert Jahren greifbar. Das erste Anliegen des Vereins war die Anschaffung von drei Ruhebänken. Später, im Jahre 1917, forderte der Einwohnerverein elektrisches Licht in seinem Dorfteil. Die Gemeinde lehnte jedoch ab: Grund dafür war der damals zu teure Kupferdraht, weshalb keine Hochspannungsleitung aufgestellt wurde. Während des Ersten Weltkriegs stand zur Diskussion, die Rationierungskarten für die Nebengräbler im Quartierschulhaus zu verteilen und nicht auf der Gemeinde – damit blieb den Vereinsmitgliedern der lange Fussmarsch ins Dorf erspart.

Bis heute macht sich der Verein stark für das westliche Gebiet St. Margrethens zwischen Romenschwanden und Rheineck. Mit der Schliessung des Schulhauses Nebengraben erlitt er im Jahr 2007 eine Niederlage, mit der Einführung der ersten Busverbindung in den Nebengraben ging dafür 2008 ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Und weitere Erfolge werden angestrebt. Carmen Risch, Präsidentin des Einwohnervereins, sagt: «Derzeit verhandelt der Verein mit der Gemeinde darüber, die Strassenübergänge auf dem langen Schulweg der Nebengraben-Kinder sicherer zu gestalten.»

Politik für einmal vergessen

So viel Dorfpolitik der Einwohnerverein im vergangenen Jahrhundert auch gemacht hat – am Waldfest war diese kein Thema. Die Nebengräbler feierten sich selbst, und Einwohner aus der ganzen übrigen Gemeinde mit ihnen.

Toni Vorburger und Ursula Kessler, beide im Einwohnerverein. (Bilder: Seraina Hess)

Toni Vorburger und Ursula Kessler, beide im Einwohnerverein. (Bilder: Seraina Hess)