Einsamer Tribünengast und Besetzer

Die Geschäfte des Stadtparlaments im Waaghaussaal sind nicht immer spannend. Zugegeben. Doch in der Regel finden sich auf der Zuschauertribüne immer ein paar Frauen und Männer ein, die an Kommunalpolitik interessiert sind.

Merken
Drucken
Teilen
Ralf Eigenmann, VBSG-Unternehmensleiter (Foto aus dem Jahr 2008) (Bild: (zVG))

Ralf Eigenmann, VBSG-Unternehmensleiter (Foto aus dem Jahr 2008) (Bild: (zVG))

Die Geschäfte des Stadtparlaments im Waaghaussaal sind nicht immer spannend. Zugegeben. Doch in der Regel finden sich auf der Zuschauertribüne immer ein paar Frauen und Männer ein, die an Kommunalpolitik interessiert sind. Sie werden von den Sprechern der Fraktionen jeweils begrüsst mit den Worten: «Liebe Gäste auf der Tribüne…» Nicht so am Dienstag. Gleich zwei Redner verzichteten auf den Plural, nachdem sie auf die Zuschauertribüne geschielt hatten: «Lieber Gast auf der Tribüne…» Mit dem lieben Gast, der mutterseelenallein oben sass, meinten sie Ralf Eigenmann, den Unternehmensleiter der Verkehrsbetriebe St. Gallen (VBSG). Die Tribüne war für einmal seine Privatloge. Entspannt konnte er sitzen und der Debatte zuhören. Und das Parlament winkte dann auch einen 390 000-Franken-Kredit für eine Studie zur Erweiterung des VBSG-Depots sec durch. (dwi)

*

Wer für (oder gegen) irgendetwas kämpft, besetzt am besten irgendetwas. Zum Beispiel ein Haus für mehr Freiraum. Oder Gleise gegen den Transport von Atommüll. Oder Parkplätze am Oberen Graben vor dem Haus Union, wie Hansueli Stettler am Donnerstag. Seiner Aktion lag allerdings sowohl ein Für als auch ein Wider zugrunde: Stettler demonstrierte öffentlich gegen ein neues Parkhaus am Schibenertor und für den Erhalt der Platanen, unter denen er seine «Stadt-Stubete» durchführte. Kaum war die Veranstaltung eröffnet, breitete sie sich von den zwei bewilligten Parkplätzen am Ende der Reihe auf die nächsten frei werdenden Parkplätze aus. Es dauerte nicht lange, bis sich auch zwei Polizisten unter die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Polit-Festchens mischten. Nicht etwa, um ihrerseits ihre Unterstützung für Stettlers Anliegen kundzutun. Sondern um die Parkplatz-Besetzer darauf hinzuweisen, dass sie sich gefälligst im ihnen zugewiesenen Rayon aufzuhalten hätten. Worauf diese brav ihre Sachen wieder zusammenpackten. So wenig Widerstand würde sich die Polizei wohl jeweils auch bei Atommülltransporten und Hausbesetzungen wünschen. (dag)