Einmal um die ganze Welt - mit dem Velo

Der Kasache Magzhan Sagimbayev hat vor vier Monaten sein Velo genommen und ist von zu Hause losgefahren. Der 26-Jährige hat sich zum Ziel gesetzt, einmal um die ganze Welt zu fahren. Gegenwärtig weilt er in St. Gallen. Er spricht neben Kasachisch fliessend Russisch, Türkisch und Englisch.

Benjamin Schlegel
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Ist stolz auf sein Heimatland Kasachstan: Maghzan Sagimbayev bei einem Zwischenhalt in der Region St. Gallen. (Bild: Benjamin Schlegel)

Ist stolz auf sein Heimatland Kasachstan: Maghzan Sagimbayev bei einem Zwischenhalt in der Region St. Gallen. (Bild: Benjamin Schlegel)

Herr Sagimbayev, warum haben Sie sich entschieden, mit dem Velo einmal um die Welt zu fahren?

Magzhan Sagimbayev: Im letzten Jahr bin ich per Autostopp durch Kasachstan, Russland, Usbekistan, Georgien, Armenien, die Türkei, die Ukraine und Moldawien gereist. Die vier Monate waren eine unglaubliche Zeit. Dann habe ich mir überlegt, was ich dieses Jahr machen soll. Da man beim Reisen mit dem Auto zu wenig sieht und man zu Fuss nicht weit genug kommt in einem Tag, habe ich mich entschieden, mit dem Velo einmal um die Welt zu fahren.

Was haben Sie vor Ihrer Veloreise in Kasachstan gemacht?

Sagimbayev: Ich war am Studieren und habe zuletzt als Touristenführer gearbeitet. In unsere ehemalige Hauptstadt Almaty kommen viele Touristen. Ich zeigte ihnen die wunderschönen Orte in der Region und führte sie auf die Berge.

Wie hoch ist Ihr Reisebudget?

Sagimbayev: Ich möchte nicht über Geld reden. Das könnte Leute abschrecken, etwas Ähnliches zu machen, weil ihr Budget nicht so hoch ist. Ich kenne jedoch eine Person, welche gerade einmal mit 300 Franken während drei Jahren gereist ist. Das Budget spielt keine Rolle. Wenn man etwas im Leben will, sollte man es auch machen.

Was war bisher das eindrücklichste Reiseerlebnis?

Sagimbayev: Es gab so viele super Erlebnisse. Zum Beispiel habe ich viel über Iran gelesen. Ich war nun zum ersten Mal dort. Dieses Land ist unglaublich. Die Leute sind sehr nett. Ich habe mich in dieses Land verliebt.

Haben Sie auch schlechte Erfahrungen gemacht?

Sagimbayev: Nicht wirklich. In Usbekistan hat jemand aus einem Auto eine leere Flasche nach mir geworfen. Doch habe ich auch anderes erlebt: In der Wüste in Turkmenistan hatte ich mein ganzes Wasser verbraucht. Daraufhin habe ich einem vorbeifahrenden Lastwagenfahrer mit Gesten gezeigt, dass ich nichts mehr zu trinken habe. Nach zwanzig Metern hat er eine volle Flasche aus dem Fenster in meine Richtung geworfen. So unterschiedlich kann es sein, wenn jemand eine Flasche nach dir wirft. Das eine Mal ist es eine schlechte, das andere Mal eine sehr gute Erfahrung.

Wo verbringen Sie die Nächte?

Sagimbayev: Ich zelte oft in Wäldern. Manchmal lerne ich auf der Reise auch Leute kennen, die mich zu sich nach Hause einladen. Wenn keine andere Möglichkeit besteht, übernachte ich auch in Hotels. Vor allem in Westeuropa sind solche Übernachtungen mit über 30 Franken pro Nacht aber sehr teuer. Da bin ich schon froh, wenn ich auf einem Sofa schlafen kann.

Nehmen Sie auf Ihrer Reise Mentalitätsunterschiede wahr, beispielsweise bei der Gastfreundlichkeit?

Sagimbayev: Die Europäer haben schon eine andere Mentalität als die Asiaten. Gastfreundlich sind jedoch alle, da gibt es keine Unterschiede zwischen den Kulturen.

Was gefällt Ihnen an der Stadt St. Gallen am besten? Was an der Schweiz allgemein?

Sagimbayev: Die St. Galler Kathedrale ist traumhaft. Die Malereien haben mich fast umgehauen. Und die ganze Landschaft ist einfach ein Traum. Und alles ist so perfekt, die Strassen und Wege, einfach unglaublich. Super geschmeckt haben mir Zopf und Birchermüesli. Ich freue mich, jetzt mehr von der Schweiz zu sehen.

Gibt es auch etwas, das Ihnen an der Schweiz weniger gefällt?

Sagimbayev: Es gibt zu viele Regeln. Etwa, dass du an einer Kreuzung vor einem roten Lichtsignal warten musst, obwohl man fünf Kilometer rechts und links kein Auto sieht. Aber das ist in ganz Europa so.

Was sind Ihre nächsten Pläne auf Ihrer Reise?

Sagimbayev: Als nächstes werde ich nach Frankreich und Spanien fahren. Von dort werde ich nach Kolumbien fliegen, um über Ecuador und Peru nach Chile zu fahren. Nach Südamerika plane ich, Australien zu bereisen, um am Schluss über Malaysia, Thailand, Kambodscha, Vietnam und China zurück nach Kasachstan zu gelangen.

Wie lange sind Sie noch unterwegs?

Sagimbayev: Ich werde vermutlich noch mindestens ein Jahr mit dem Velo unterwegs sein. Mein Ziel ist nicht, möglichst schnell vorwärtszukommen, sondern möglichst viele Leute aus unterschiedlichen Kulturen kennenzulernen und neue Freundschaften zu schliessen.

Haben Sie Pläne für die Zeit nach der Reise?

Sagimbayev: Ich habe keine konkreten Pläne, ich möchte aber im Tourismus arbeiten. Ich will den Leuten das schöne Kasachstan zeigen. Wir haben wunderschöne Berge wie die Alpen, über 7000 Meter hohe Bergspitzen, viele Seen, Wüsten und Canyons.

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