Einmal Ja, einmal Nein

Nie hätte man sich vor rund 20 Jahren vorstellen können, dass die digitale Entwicklung dermassen rasant zunehmen würde; fast jeder hat ein Handy, in nahezu jedem Haus steht ein Computer oder Laptop und die gesamte Geschäftswelt ist digital vernetzt.

Merken
Drucken
Teilen
Die Vorlage «Glasfasernetz in Gossau» ist umstritten. (Archivbild: Ralph Ribi)

Die Vorlage «Glasfasernetz in Gossau» ist umstritten. (Archivbild: Ralph Ribi)

Nie hätte man sich vor rund 20 Jahren vorstellen können, dass die digitale Entwicklung dermassen rasant zunehmen würde; fast jeder hat ein Handy, in nahezu jedem Haus steht ein Computer oder Laptop und die gesamte Geschäftswelt ist digital vernetzt. Dieser Trend geht weiter, die Neuerungen auf diesem Gebiet reissen nicht ab. Dass ein gut ausgebautes Glasfasernetz zu dieser Zukunft gehört, ist auch in Gossau kaum umstritten. Die Frage ist nur, ob wir diese wichtige und irgendwann gewinnbringende Grundinfrastruktur Privaten überlassen wollen.

Das Glasfasernetz bauen die Gossauer Stadtwerke. Wird es nicht gebaut, sind trotzdem keine Gelder frei für Bildung, Alterswohnen, Vereine oder Kultur. All diese Ausgaben gehen zu Lasten des Stadthaushaltes, nicht der Stadtwerke.

Für den Bau dieses Glasfasernetzes werden nicht sofort flächendeckend die Strassen aufgerissen. Die Glasfasern werden mehrheitlich sukzessiv bei Sanierungsarbeiten der anderen Versorgungsbereiche wie Elektrizität, Trinkwasser und Erdgas eingebaut. Die ganze Aufrüstung dauert dadurch zwar länger, ist aber sinnvoll und effizient.

Wer soll oder muss nun bauen? Eines muss allen Wählern klar sein: Solch wichtige Infrastrukturen wie Strom, Gas und Elektrizität gehören immer in die öffentliche Hand. Es darf nicht sein, dass das Monopol für ein flächendeckendes Glasfasernetz von privater Seite gebaut und betrieben wird, da deren Interesse naturgemäss nur der Rentabilität gilt. Die digitale Versorgung für Bewohner in abgelegenen Orten und Tälern sowie in Randgebieten ist kaum rentabel, würde somit also kaum ausgebaut werden. Oder, falls gewünscht, nur mit grösseren Eigenkosten. Ein mehrheitlich staatlicher Betrieb wird sicherstellen, dass sämtliche Bürger den gleichen Zugang zur Technologie haben, wo immer sie dies wünschen. Und dies ohne Mehrkosten für Mieter oder Vermieter. Gossau macht keine Hauruck-Glasfaser-Aktion, sondern plant schrittweise einen sinnvollen Ausbau des Glasfasernetzes, der bis 2020 abgeschlossen sein wird.

Ich unterstütze deshalb das Vorhaben, unsere Nachkommen werden es uns danken.

Trudi Weibel

Rehburgstrasse 14, 9200 Gossau

Weitere Geldverschwendung

Die Schulen und die städtischen Liegenschaften in Gossau sind bereits bestens an ein eigenes Glasfasernetz angeschlossen. Einzelne Gewerbe- oder Industriebetriebe sind dies ebenfalls oder können dies problemlos heute schon machen, wenn sie es möchten und brauchen.

Die Swisscom inseriert, dass sie bis 2020 alle grösseren Städte und Gemeinden mit Glasfaser auf ihre eigenen Kosten erschliessen will. Deshalb verstehe ich nicht, weshalb der Stadtrat zusätzlich in ein Netz rund 16 Millionen Franken einschiessen will.

Einnahmen generieren, wie der Stadtrat dies in Aussicht stellt, ist nach Meinung aller angefragten Fachleute vielleicht in 20 bis 30 Jahren möglich. Aber wie ist dann der Stand der Technologie?

Der Stadtrat soll sich endlich auf seine Kernaufgaben besinnen und die finanzielle Realität der Stadt ernst nehmen. Unser Geld ist in Hallenbad, Sportplatz, Schulen et cetera zu investieren und nicht in ein flächendeckendes Netz, welches wir in naher Zukunft so oder so, und zwar kostenlos, erhalten werden.

Deshalb sage ich am 22. September Nein zum Projekt Glasfasernetz.

Roland Seiler

Stadtparlamentarier SVP

Jägerstrasse 7, 9200 Gossau