EINKEHREN: Alleine für die Vereine

Nach der vorübergehenden Schliessung der «Sonne» zieht es Abtwiler Vereine fürs Feierabendbier vermehrt in den «Adler» oder ins «da Teresa». Die Wirte beider Restaurants erbringen für diese Gäste gerne Opfer.

Sebastian Schneider
Drucken
Teilen
«Vereine liegen uns am Herzen»: Uschi und Kurt Walser im Säli des Restaurants Adler in St. Josefen. (Bild: Urs Bucher (16. Dezember 2016))

«Vereine liegen uns am Herzen»: Uschi und Kurt Walser im Säli des Restaurants Adler in St. Josefen. (Bild: Urs Bucher (16. Dezember 2016))

Sebastian Schneider

sebastian.schneider

@tagblatt.ch

Nach dem Tschutten, Jassen, Turnen, Singen oder Musizieren noch gemütlich zusammensitzen, plaudern und auf die langjährige Bekanntschaft anstossen. Ein gemeinsames Bier ist für viele Vereinsmitglieder fast – oder gar ebenso? – wichtig wie das gemeinsame Hobby selber. Doch mit dem Beizensterben wird die Suche nach der passenden Beiz immer schwieriger. Spätestens seit der Schliessung des Restaurants Sonne im Frühling hat das Problem auch die Vereine in Abtwil erfasst. Da eine Nachfolge in der «Sonne» noch nicht in Sicht ist (Tagblatt vom 7. Dezember), müssen Vereine Alternativen suchen. Und die gibt es im 5200-Seelen-Dorf noch.

Letztes klassisches Säli und kein Fumoir

In St. Josefen wirten beispielsweise Uschi und Kurt Walser im Restaurant Adler. «Vom Zentrum her sind wir fast gleich schnell zu erreichen wie der Säntispark», sagt das Wirtepaar bei einem Kaffee. Die Dorfvereine hätten ihnen schon immer am Herzen gelegen. Alleine für sie hätten sie beispielsweise das Säli neben der Gaststube belassen. «Wir haben es eigentlich in ein Fumoir umbauen wollen», sagt Kurt Walser. Doch für Feste, Vereinssitzungen und Versammlungen sei das Säli unerlässlich. Schliesslich wolle man doch nicht an einer Bar, sondern im Stillen am Tisch etwa über Vereinsstatuten diskutieren. Dank des damaligen Entscheids gibt es im «Adler» das derzeit einzige klassische Säli in Abtwil. «Obschon», sagt Kurt Walser, «wir hätten das Geld, das wir in ein Fumoir investiert hätten, rasch wieder eingenommen.» Das Nichtrauchergesetz habe dem Geschäft beträchtlichen Schaden zugefügt, 40 Prozent des Umsatzes hätten sich damit in Luft aufgelöst.

Trotz der erschwerten Umstände – «seit zehn bis zwanzig hat sich halt enorm viel verändert» – haben Uschi und Kurt Walser weitergemacht. Und sie bleiben auch noch Gastgeber, solange sie «zwäg» seien. In der Familie ist das Restaurant seit 13 Jahren, vor 7 Jahren hat das Wirtepaar den Betrieb vom Schwiegersohn übernommen. Seit die «Sonne» nicht mehr offen ist, würden mehr Vereine im «Adler» einkehren. Freude bereitet den Walsers auch, dass der ehemalige Sonnenwirt, Martin Falk, immer wieder als Gast auftaucht. «Gerade wenn wir etwas Spezielles machen.» Speziell heisst im «Adler» unter anderem Metzgete, Racletteabend, Spielabend, Oktoberfest oder auch die Hexennacht während der Fasnacht.

Pizzeria wird zum neuen Treffpunkt

Das gastronomische Angebot ist in Abtwil nicht einmal so schmal. Im «Säntisblick» und im «Sonnenberg» sind gutes Essen bei schöner Aussicht Programm, die Riesen-Wienerschnitzel der «Spisegg» sind in der ganzen Region bekannt. Im «Säntispark» kann man sich im Hotel oder im Migros-Restaurant verpflegen. Cinedome und McDonald’s sowie die Gastrobetriebe in Winkeln sind auch nicht allzu weit weg. Kaffee trinken und etwas essen lässt sich zudem im Café Gschwend. Doch keines dieser Angebote entspricht dem Bedürfnis der Vereine, die abends möglichst im Zentrum noch «eis go zieh» gehen wollen.

In die Bresche springen Teresa und Urim Idrizi im zentral gelegenen «da Teresa». Das Paar betreibt die Pizzeria, die bis vor kurzem noch den alten Namen «Sternen» trug, bereits seit 14 Jahren. In den vergangenen Monaten hat sich aber einiges geändert. «Wir haben schon gespürt, dass die ‹Sonne› geschlossen ist», sagt Teresa Idrizi. Nun würden sie nicht nur am Mittag mehr Gäste bewirten, auch Vereine kehrten vermehrt ein. Eigentlich ist das «da Teresa» ja als Speiserestaurant konzipiert. Entsprechend hat die Pizzeria abends nur bis 22 Uhr offen. Doch die Vereine lägen natürlich auch ihr am Herzen, sagt Teresa Idrizi. Man sei nun flexibel, für die Vereine behalte man das Lokal auch gerne länger offen.