«Einer ist immer der erste»

St. Gallen ist schweizweit der erste Kanton, der den Schulen ein Kopftuchverbot empfiehlt (Tagblatt vom 6. August). Ist eine solche Vorreiterrolle wünschenswert? Von vielen Passanten wird das Vorgehen der Regierung begrüsst.

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Stephan Keller, 51, KV-Angestellter, St. Gallen

Ich würde es in Ordnung finden, überhaupt keine Kopfbedeckungen zu erlauben. Allgemein ist es üblich, in einem geschlossenen Raum den Kopf nicht zu bedecken. In einem Restaurant nimmt man ja schliesslich auch den Hut ab. Nur das Kopftuch zu verbieten ist schlecht, so ist eine Gruppe stärker betroffen als eine andere.

Anny Bischof, 58, Hausfrau, Grub AR

Ein Verbot bringt nichts, so ist kein Problem gelöst. Niemand ist besser integriert, nur weil kein Tuch auf dem Kopf ist. Ich habe sowieso das Gefühl, dass diese Empfehlung vor allem der SVP als Stimmungsmache für die Wahlen vom nächsten Jahr dient.

Sascha Scheiwe, 35, Isoleur, Neudorf

Das Thema beschäftigt mich schon eine Weile.

Ich finde ganz einfach, man sollte niemanden zu etwas zwingen – weder Moslems dazu, das Kopftuch abzunehmen, noch christliche Kinder, den Religionsunterricht zu besuchen. Man muss einen Konsens finden, der allen Seiten etwas bringt. Am wichtigsten ist es doch, jedem seine Freiheit, sein Leben und seine Religion zu lassen.

Kathrin Kammerer, 47, Kassierin, St. Gallen

Vor allem den Kindern zuliebe bin ich für ein Kopftuchverbot. Wenn sie dieses nicht tragen müssen, haben es die Mädchen sicher einfacher. Es ist eine grössere Diskriminierung, dass sie den Kopf bedecken müssen, als dass das Tuch verboten wird. Dass St. Gallen der erste Kanton ist, in dem das Verbot empfohlen wird, stört mich nicht. Irgend jemand ist immer erster.

Désirée Baldegger, 23, Bankkauffrau, Gossau

Das Kopftuch ist ganz klar ein religiöses Symbol. Und die Schule ist nicht der Ort, wo Religion stark ausgelebt werden sollte, das kann zu Problemen führen. Deshalb finde ich es gut, dass diese Frage in St. Gallen jetzt restriktiv gehandhabt wird. Wir sind damit halt der erste Kanton, aber ich hoffe, dass es so zu einer gesamtschweizerischen Diskussion kommt. Es wäre nicht gut, wenn unser Kanton alleine bleibt.

Albert Länzlinger, 54, Berater, St. Gallen

Es handelt sich hier doch bloss um einen politisch motivierten Entscheid, gewisse Politiker möchten damit ihre Klientel beruhigen. Klar, einige Schulen sind vielleicht froh, wenn sie sich jetzt auf eine Empfehlung von oben berufen können, um das Kopftuch zu verbieten. Andere, wie Wil zum Beispiel, wollen aber gar nichts unternehmen. Das zeigt, dass das Thema für die meisten doch gar nicht wichtig ist.

Dario Cavelti, 23, Techniker, Maienfeld

Man muss sicher eine Grenze setzen, es ist nie gut, wenn etwas zu extrem wird. Deshalb bin ich dafür, dass es verboten ist, sich ganz zu verhüllen. Ob aber jemand ein Kopftuch trägt oder nicht, spielt mir keine Rolle. Vermutlich werden jetzt andere Kantone aufspringen und ähnlich vorgehen wie St. Gallen. Das kann sicher zu Reibereien führen, aber ich denke, die werden eher auf politischer Ebene bleiben.

Ursula Schwendener, 47, Personalwesen, St. Gallen

Dieses Verbot wird meiner Meinung nach genauso wenig bringen wie das Rauchverbot. Man sollte sich besser genauer mit dem Islam beschäftigen und sich erkundigen, was dieser Glaube eigentlich beinhaltet. Viele Moslems leben ihre Religion extremer, als es der Koran vorschreiben würde. Es wäre also wichtig, mit Islam-Wissenschaftern zusammenzuarbeiten und dann gemeinsam mit den Eltern eine Lösung zu suchen.

Stefan Huber, 18, Automechaniker, St. Gallen

Es ist gut, dass St. Gallen durchgreift, auch wenn man dabei der erste ist. Irgend jemand muss das ja sein. Wichtig wäre es aber, dass eine Lösung für die ganze Schweiz gefunden wird. Aber ein Verbot kann natürlich auch Probleme mit sich bringen. Gut integrierte Moslems fühlen sich bestimmt vor den Kopf gestossen.

Text: Mirjam Grob

Bilder: Urs Jaudas

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