Einen dritten Sitz im Visier

Die Juso verstehen sich als Speerspitze für ein linkes St. Gallen. In den Wahlkampf um Sitze im 63köpfigen Stadtparlament sind sie mit einer vollen Liste gestiegen. Ziel ist ein drittes Mandat.

Reto Voneschen
Drucken
Teilen

In St. Gallen ist es schon so etwas wie eine Tradition: Die Juso treten zu den Stadtparlamentswahlen jeweils mit einer eigenen, mit derjenigen der SP verbundenen Liste an. Auch in diesem Herbst ist dies der Fall: Die Juso präsentieren 31 Kandidaturen, 16 junge Männer und 15 junge Frauen. Darunter sind mit Tim Rüdiger und Andrea Scheck auch zwei Bisherige.

In Hochform sind die Juso im Vergleich zum Herbst 2012 diesmal allerdings nicht. So ist es ihnen offensichtlich schwerer gefallen als auch schon, eine volle Liste zusammenzubekommen. Auf dem Juso-Wahlvorschlag finden sich immerhin neun Auswärtige von Gossau und Engelburg über Goldach, Degersheim und Flawil bis Wil, Stein und Ettenhausen. Solche Kandidaturen sind rechtlich zulässig. Sollte jemand von diesen Kandidierenden gewählt werden, müsste sie oder er allerdings vor einem Amtsantritt den Wohnsitz in die Stadt St. Gallen verlegen.

Auch Doppelkandidaturen sind rechtlich zulässig

Ebenfalls aufgefallen ist in diesem Zusammenhang, dass die beiden Gossauerinnen sowie eine Wilerin auf der Juso-Liste nicht nur in der Gallusstadt, sondern jeweils auch an ihren Wohnorten für die dortigen Stadtparlamente kandidieren. Ältere Wählerinnen und Wähler könnten mit der Doppelkandidatur Mühe haben. Sollte eine der drei jungen Frauen in St. Gallen und gleichzeitig an ihrem Wohnort gewählt werden, müsste sie sich entscheiden, wo sie im Parlament Einsitz nehmen und wo sie auf die Annahme der Wahl verzichten wollte.

Im Wahlkampf setzen die Juso diesmal auf konventionelle Strassenaktionen; Provokationen, wie sie 2012 mit Monika Simmler an der Spitze noch typisch waren, fehlen diesmal. Stark präsent sind die Jungsozialistinnen und Jungsozialisten dafür allerdings in den sozialen Medien.

Juso wollen mehr «Miteinander» in der Stadt

Die Wahlziele der Juso sind klar: Sie wollen ihre beiden Sitze halten und einen dritten dazugewinnen. Zusammen mit Reststimmen der SP ist das auf Basis des Trends aus National- und Kantonsratswahlen eine durchaus realistisch Zielsetzung. Die Juso-Liste alleine wird aber kaum zulegen können. Im Gegenteil: Nimmt man das Resultat der Kantonsratswahlen in der Stadt als Basis, muss die Jungpartei froh sein, ihre bisherigen Sitze halten zu können.

Ihren Wahlkampf stellen die Juso unters Stichwort «Miteinander». Sie fordern etwa das Stimm- und Wahlrecht für alle Städterinnen und Städter «ab 16 Jahren, auch ohne Schweizer Pass». Sie wollen mehr Anlässe zum kulturellen Austausch und die vermehrte finanzielle Unterstützung von Bildungs- und Kulturprojekten für Flüchtlinge. Die von der Internet-Wahlhilfe Vimentis errechnete politische Position der Juso-Liste zeigt: Die Jungpartei gibt sich im Wahlkampf genauso pointiert links wie die SP.