Einen Comic für Rorschach

Der Grafiker Silvan Zurbriggen lässt Mani Matters Lieder in Comics neu aufleben. Für seine Masterarbeit hat der Berner fünf Plakate gestaltet. Darunter findet sich das Werk «Ir Ysebahn», auf dem die Rorschacher Ortstafel zu sehen ist.

Alexandra Pavlovic
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Im Comic «Ir Ysebahn» geben die Sandwiches die Leserichtung an. (Bild: zVg)

Im Comic «Ir Ysebahn» geben die Sandwiches die Leserichtung an. (Bild: zVg)

RORSCHACH. Die Stadt Rorschach hat er vorher weder gekannt noch einen Bezug zu ihr gehabt. Trotzdem hat der Berner Grafiker Silvan Zurbriggen die Hafenstadt in einem seiner Comics in Szene gesetzt. Seine Inspiration: Mani Matters Lied «Ir Ysebahn». Neben diesem hat Zurbriggen vier weitere Liedtexte des Schweizer Chansonniers als Vorlage für seine Werke verwendet. Von heute bis Sonntag sind diese an der «Grafik 14», der Schweizer Werkschau für Grafik und Junge Kunst, in Zürich zu sehen.

Frühe Leidenschaften

Der Berner, der in San Diego geboren wurde und amerikanisch-schweizerischer Doppelbürger ist, hegte seit seiner Kindheit eine Leidenschaft fürs Illustrieren. Mit seiner Mutter, einer Hobbykünstlerin, habe er viel gezeichnet und etliche Stunden im Atelier verbracht. Plakate waren neben dem Zeichnen seine weitere Passion – bis heute. «Ich habe alles, was irgendwie speziell war, gesammelt. So hat schon mal das eine oder andere entwendete Konzertplakat meine Zimmerwand geschmückt», erinnert sich Zurbriggen und lacht. Anders als früher, muss er die Plakate heute nicht mehr entwenden, sondern entwirft sie selber.

Dass der Berner seine Leidenschaft eines Tages zum Beruf machen würde, war vorhersehbar. Auf ein Bachelorstudium der Visuellen Kommunikation folgte ein Masterabschluss mit Spezialisierung für Siebdruck und Illustrationen sowie Grafiken.

Mani Matter als Inspiration

Für seine Masterarbeit hat sich Silvan Zurbriggen etwas Spezielles ausgedacht. Mit Liedtexten des Schweizer Chansonniers Mani Matter als Vorlage hat er fünf einseitige Comics entworfen. «Die Illustrationen erzählen die Geschichte der Liedstrophe auf einer Seite und stützen sich dabei auf die Comic-Vorlage alter amerikanischer Sonntagszeitungen.» Dass der 27jährige Grafiker überhaupt an der «Grafik 14» ausstellen darf, sei eine Ausnahme. «Da die Illustrationen Teil meiner Masterarbeit sind, hätten sie erst im Sommer der Öffentlichkeit an der Hochschule Luzern für Design und Kunst zugängig sein sollen.» Besucher der Werkschau dürfen schon heute die Werke «Ds Zundhölzli», «Dr Alpeflug», «Är isch vom Amt ufbote gsy», sowie «Dr Eskimo» begutachten. Und auch der Comic «Ir Ysebahn», in dem Rorschachs Ortstafel zu sehen ist, stellt der Berner aus.

Neues Projekt dank Rorschach

Silvan Zurbriggens Ziel ist es, in ferner Zukunft als selbständiger Grafiker zu arbeiten. Ob ihm sein Name dabei behilflich sein wird, wagt der Berner zu bezweifeln. «Verwandt mit meinem berühmten Namensvetter Silvan Zurbriggen bin ich nämlich nicht.»

Bevor sich der 27-Jährige seinen Traum der Selbständigkeit erfüllen kann, will er zuerst ein anderes Projekt realisieren. Denn die Tatsache, dass der Berner vor seiner Masterarbeit nicht wusste, wo Rorschach liegt, hat ihn auf die Idee für ein neues Projekt gebracht. Im Sommer werde er sich ein Generalabonnement kaufen und die ihm bis anhin unbekannten Schweizer Städte bereisen. «Ein Ausflug nach Rorschach an den Bodensee muss doch schön sein», sagt Zurbriggen. So wird ihm künftig neben Gesprächen mit seinen Freunden und Mani Matters Liedtexten wohl auch die eine oder andere Schweizer Stadt Inspirationen für neue Motive liefern.

Infos auf www.silvan-zurbriggen.ch

Silvan Zurbriggen Illustrator und Grafiker (Bild: pd)

Silvan Zurbriggen Illustrator und Grafiker (Bild: pd)