Eine versteckte Lohnerhöhung für die St. Galler Lehrer?

Die St. Galler Regierung hat sich auf einen Kompromiss eingelassen: Alle Lehrer, die mehr als ein halbes Pensum ausüben, sollen entlastet werden. Das kostet Geld. Der Vorschlag wird daher heftig kritisiert.

Regula Weik
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Die St. Galler Kinder haben künftig weniger Schulstunden. (Bild: Reto Martin)

Die St. Galler Kinder haben künftig weniger Schulstunden. (Bild: Reto Martin)

ST. GALLEN. Die Regierung habe dem Druck der Gewerkschaften nachgegeben, ärgert sich die SVP. Die Entlastung der Lehrpersonen im Kanton bedeute nichts anderes als «eine reale Lohnerhöhung» für die Lehrerinnen und Lehrer – und stehe damit «in krassem Widerspruch» zur Ankündigung der Regierung, die Löhne des Staatspersonals 2013 um 1,5 Prozent zu kürzen.

Was ist der Auslöser für die Verärgerung der SVP? Die Regierung hat vor einer Woche einen Kompromissvorschlag auf den Tisch gelegt, um den seit Monaten ungelösten «Lehrerstreit» zu beenden. Ab kommendem Schuljahr werden alle Lehrerinnen und Lehrer im Kanton, die mindestens ein halbes Pensum ausüben, entlastet. Ursprünglich sollten nur jene mit einem vollen Pensum davon profitieren. Das wöchentliche Unterrichtspensum wird um eine Lektion auf künftig 27 Lektionen gesenkt – bei gleichem Lohn (Ausgabe vom 25. August).

Reformen notwendig

Die SVP ist nicht die einzige Partei, die sich über den Kompromissvorschlag der Regierung ärgert. Auch die Grünliberalen reden von «versteckter Lohnerhöhung» – und gleichzeitig von einem «Feigenblatt der Regierung», um die notwendigen Reformen im Bildungsbereich nicht anpacken zu müssen. Das eigentliche Problem der Lehrerinnen und Lehrer sei nicht die Anzahl Unterrichtsstunden, sondern das Übermass an administrativer Belastung, der sie tagtäglich ausgesetzt seien.

«Ziel klar verfehlt»

Auch CVP und FDP hinterfragen die Vorlage – zumal die Regierung stets von einer kostenneutralen Übung gesprochen habe. «Dieses Ziel wurde klar verfehlt», hält die CVP fest. Mehrausgaben zugunsten der Lehrerinnen und Lehrer stünden derzeit «quer in der Landschaft».

Die Reduktion der Lehrerpensen kommt die Gemeinden auf 4,8 Millionen Franken zu stehen. Die Kinder und Jugendlichen haben künftig wohl weniger Schulstunden; ihr Pensum wird um acht Lektionen pro Jahr gekürzt. Doch damit kann die Entlastung der Lehrerinnen und Lehrer nicht vollumfänglich kompensiert werden; es sind auch zusätzliche Stellen nötig. Die Regierung müsse da noch einmal «deutlich nachbessern», so die CVP. Die Partei hat einige Ideen, die sie allenfalls der Regierung zur Prüfung geben will – etwa jene, «analog zum Staatspersonal auch für Lehrpersonen Jahresarbeitszeiten zu prüfen».

Verkraftbar und vertretbar

Die BDP findet die Vorlage «finanziell verkraftbar». Einen Wermutstropfen gebe es allerdings: Der Kanton St. Gallen gebe mit dem Lektionenabbau für die Schülerinnen und Schüler «einen seiner wenigen Standortvorteile» auf. «Angemessen und realistisch» ist der Vorschlag der Regierung auch für die EVP.

Die SP spricht von einem «zufriedenstellenden» Kompromiss. «Gerade bei den Teilpensen ist die Belastung im Vergleich zu den Vollpensen hoch.» Eine Entlastung der Teilzeitarbeitenden sei daher wichtig. Die zusätzliche finanzielle Belastung der Gemeinden sei «vertretbar».

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