Eine Tour am und im längsten Wasserlauf

Wasser prägt unsere Gegend, nebst dem See auch mit weniger auffälligen Fliessgewässern. Unter diesen bilden die Goldach und der Landgraben, der in sie mündet, den längsten zusammenhängenden Wasserlauf in der Region. Er bietet sich an für eine Tour durch unberührte Natur vor der Haustüre.

Fritz Bichsel
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Am und im Landgraben geht's von Stein zu Stein statt über Wege. (Bild: Fritz Bichsel)

Am und im Landgraben geht's von Stein zu Stein statt über Wege. (Bild: Fritz Bichsel)

REGION RORSCHACH. Für Wanderer beginnt jetzt die Hauptsaison. Da bietet sich ein kleines Abenteuer nahe unseres Siedlungsgebietes an: Diesem Wasserlauf – der etwas länger ist als das Seeufer in unserer Region – zu folgen. Wanderung wäre hier aber eine unpassende Bezeichnung.

Wilde Natur vor der Haustüre

Am Landgraben ganz und an der Goldach abschnittsweise ohne Weg geht's langsam durch unberührte Natur, muss man öfter balancieren oder kraxeln. Mit Kindern empfiehlt sich nur der Teil an der Goldach und dieser ohne das Martinstobel. Die Tour lässt eine urtümliche Landschaft mit Tobeln, Aue und Schlucht erleben – und einen Kontrast: Wie die Goldach zuletzt flach und bei Industrie dem See zufliesst.

An den Ausgangspunkt Riemen in Grub AR bringt uns das Postauto. Wenige Schritte entfernt erreicht der Landgraben Eggersrieter Gebiet und beginnt sein Tobel. Ohne Weg ist der Einstieg von einer der hier verzweigenden Strassen nach Eggersriet oder Rehetobel möglich. Bereits zu Beginn gilt wie noch oft: Wer nicht vom Bach weg will, muss auch ins Wasser. Barfuss, in Stiefeln oder bei wenig Wasser in Wanderschuhen kommt man so an Dickicht, geknickten Bäumen und steilen Uferwänden vorbei.

Am oder im Landgraben, der die Grenze von Region und Kanton bildet und durchgehend von Wald gesäumt ist, geht's von Stein zu Stein oder um kleine Wasserfälle und Tümpel auf Rehwegen zur Aachmühle. Hier steht eines von zwei Restaurants am Wasser und weiten sich die Ufer ins bekannte Goldachtobel.

Vielfältige Flora, tiefe Schlucht

Durch diese lichte Auenlandschaft mit vielfältiger Flora geht's zum Teil auf Trampelpfaden. Wer dann nicht die Schlucht im Martinstobel durchsteigen will, kann sie rechts auf der Strasse oder links über den Weg beim Schaugenbad umgehen. Nach dem wilden Tobel – über das sich hoch oben die Strassenbrücke spannt – gibt es Wege im wieder geschlossenen Wald. Sie führen weit vom Fluss weg, auf der linken Seite zudem an die Autobahn. Schöner geht's wieder über Steine am und im Wasser, mindestens bis vor die Lochmühle in Untereggen.

Genutzter Flussabschnitt

Kraftwerk der Stadt St. Gallen und Kiesstrasse nach Mörschwil zeigen an: Ab hier wird der Fluss genutzt. Etwas erhöht führt ein Weg zum Rantelwald in Goldach und ab dort der Raiffeisen-Wasserweg weitgehend an der Goldach zum See. Mit Technologiepark, Autobahn- und Eisenbahnbrücke, Mühlen und den Sportanlagen Kellen – mit dem zweiten Restaurant am Wasserlauf – hat uns die Zivilisation wieder.

Die Tour voll geniessen kann, wer einen ganzen Tag reserviert. Es sind auch Teilstrecken möglich mit einer Rückfahrt im Postauto ab Eggersriet, Martinsbrücke oder Anfang Goldach. Nach der ganzen Tour fährt ab Goldach-Rietli das Postauto (noch diese Saison) oder ab Horn die Bahn.