Eine Tote macht Schlagzeilen

Was bisher geschah: Sabrina Schmitt wird vergiftet, ihr Geliebter Gerhard Moser erschossen. Beide Morde geschahen auf Mosers Yacht. Irina Smirnova, Mosers Lebensgefährtin, hat ein wasserdichtes Alibi.

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Krimi_am_See

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Was bisher geschah: Sabrina Schmitt wird vergiftet, ihr Geliebter Gerhard Moser erschossen. Beide Morde geschahen auf Mosers Yacht. Irina Smirnova, Mosers Lebensgefährtin, hat ein wasserdichtes Alibi. Die Ermittler Sommer und Simonelli erfahren, dass Sabrina Schmitt einen heftigen Streit mit ihrem Vater hatte.

Karl Sommer betrachtete den Schaum in seinem Bierglas. Seine Gedanken kreisten um den Vater des Opfers. Worüber hatte er sich mit seiner Tochter gestritten? Und warum hatte Sabrina daraufhin ihr Zuhause verlassen? Er beschloss, sich diesen autoritär auftretenden Mann noch einmal vorzunehmen. «Kari, schau Dir das mal an. Ist das nicht das tote Mädchen?», fragte ihn die Wirtin der Münzhofbar und beugte sich über den Bartresen. Sie hielt ihm die neuste Ausgabe der Lokalzeitung «Bodensee Tagblatt» unter die Nase. In grossen roten Lettern stand da: «War die Tote im Hörnlibuck eine Edelprostituierte?» Unter der Schlagzeile war ein Bild von Sabrina Schmitt zu sehen, wie sie leicht bekleidet im Babaloo tanzte. Sommer überflog den reisserisch geschriebenen Text und liess ärgerlich die Faust auf den Bartresen knallen. Die Presse war der Polizei einen Schritt voraus: Sabrina Schmitt hatte offenbar für eine Escort-Agentur gearbeitet. «Ärger?», fragte die Wirtin mitfühlend. Doch bevor Sommer antworten konnte, klingelte sein Handy. Er hörte zu, brummte etwas Unverständliches und legte wieder auf. Dann leerte er sein Bierglas in einem Zug und stand auf. «Ich muss los.»

*

Polizeichef Widmer wartete bereits vor dem Rorschacher Rathaus, als Sommer mit seiner roten Vespa vorfuhr. Bevor er seinen Helm abnehmen konnte, fuhr er ihn an: «Das hat uns gerade noch gefehlt. Wie kommt die Presse zu Informationen, die wir nicht haben? Sag mal, schläft ihr eigentlich?» Sommer antwortete nicht, sah seinem Chef nur lange in die Augen. Diesem stieg die Zornesröte ins Gesicht, dann drehte er sich abrupt um. «Stadtpräsidentin Müggler erwartet uns. Sie ist ausser sich.» Die beiden stiegen die Treppe hoch und klingelten an Mügglers Bürotüre. Ein junger Mann begrüsste sie. «Patrick Looser, ich bin der neue Assistent der Stadtpräsidentin.» Sommer registrierte, dass seine Hände feucht waren. «Bitte warten Sie einen Moment, die Stadtpräsidentin führt gerade ein wichtiges Telefonat.» Sommer und Widmer nahmen an einem runden Tisch Platz und schwiegen sich an. Looser ging unruhig im Büro auf und ab, zog den Knopf seiner Krawatte enger und fuhr sich prüfend über die kurzen, mit Gel frisierten blonden Haare. Als Ingrid Müggler ins Zimmer rauschte, schob er ihr hastig den Stuhl zurecht. «Ein Wunder, dass er sich nicht verbeugt», dachte Sommer und konnte sich ein leichtes Grinsen nicht verkneifen. Doch dieses verging ihm sogleich. Ingrid Müggler ergriff mit lauter, viel zu hoher Stimme das Wort: «Meine Herren, ich bin empört. Seit ich Stadtpräsidentin bin, bekämpfe ich das Sexgewerbe in meiner Stadt und habe auch schon erfolgreich die Eröffnung eines Bordells verhindert. Und jetzt diese Negativschlagzeilen über dieses junge Mädchen. Es ist zum Haareraufen.» Erwartungsvoll schaute sie zu Widmer und fuhr fort: «Solche Skandale verunsichern unsere Investoren und schaden somit dem Aufschwung. Und denken Sie daran, in wenigen Wochen sind Wahlen!» Sommer zuckte mit den Schultern und übersah Widmers warnenden Blick geflissentlich: «Warum erzählen Sie uns das?» Müggler schnaubte hörbar: «Sie sollen die Ermittlungen vorantreiben und den Fall endlich lösen. Damit unsere schöne Hafenstadt endlich wieder aus den Negativschlagzeilen ist!» – «Wir tun unser Möglichstes», versicherte Widmer und nickte Sommer zu. Dieser rührte sich nicht. «Ich hätte gerne, dass Sie uns auf dem laufenden halten», sagte Müggler mit sanfterer Stimme. «Mein Assistent Patrick Looser wird regelmässig Kontakt mit Ihnen aufnehmen.» Der Besagte nickte eifrig und öffnete sein Notizbuch. «Unter welcher Nummer erreiche ich Sie am besten?»

*

Karl Sommer und Elena Simonelli trafen sich am nächsten Morgen vor Arbeitsbeginn zu einem Spaziergang auf der Seepromenade. «Widmer frisst Müggler aus der Hand», berichtete Sommer. «Und mach dich auf diesen Looser gefasst. Der könnte eine ziemliche Nervensäge werden.» Elena Simonelli verdrehte die Augen. «Warum darf sich die Stadt in unsere Angelegenheiten einmischen?» Sommer winkte ab: «Frag Widmer.» Er blickte auf den See hinaus und sagte nach einer Weile: «Der Vater von Sabrina Schmitt hat gestern ausweichend auf meine Frage nach dem Streit reagiert. Ich habe über seine Vergangenheit recherchiert.» – «Und was hast Du herausgefunden?», fragte Elena ungeduldig. «Er kommt ursprünglich nicht aus Deutschland, sondern aus Goldach.» Lea Müller

Wollen Sie mitbestimmen, wie es weitergeht? Das nächste Krimi-Treffen findet statt am Montag, 1. Oktober, 10.30 Uhr im Münzhof