Eine Schildkröte auf Drei Weieren

ST.GALLEN. Auf Drei Weieren in St.Gallen erfreut eine Schildkröte die Badegäste. Wenig erbaut ist hingegen ein Fachmann: Das Tier wurde ausgesetzt und dürfte den nächsten Winter kaum überleben.

Daniel Walt
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Schildkröte Turtle schwimmt gemütlich auf Drei Weieren in St.Gallen. (Bild: Manuel Herzog)

Schildkröte Turtle schwimmt gemütlich auf Drei Weieren in St.Gallen. (Bild: Manuel Herzog)

"Es macht den Anschein, als dass die Schildkröte den Frieden hätte", sagt Manuel Herzog, der das Milchhüsli auf Drei Weieren führt. Er hat am Dienstagmittag auf dem Facebook-Profil seines Kiosks ein Foto eines ungewohnten Badegastes veröffentlicht. Zu sehen ist eine Schildkröte, die im Bubenweiher schwimmt. "Wir haben sie vorerst einmal auf den Namen Turtle getauft", sagt Herzog.

Attraktion in der Frauenbadi
Teils habe die Schildkröte die wärmenden Sonnenstrahlen genossen, dann sei sie wieder abgetaucht, sagt Manuel Herzog, der von einem Gast auf das Tier im Bubenweiher aufmerksam gemacht wurde. Wie er weiss, wurde bereits zuvor in der Frauenbadi eine Schildkröte gesichtet – "ob es die gleiche war, wissen wir natürlich nicht. Aber sie war bei den Badegästen dort die Attraktion", sagt Herzog. Er erinnert sich, dass vor einigen Jahren bereits einmal im Mannenweiher eine Schildkröte lebte.

Überleben Besitzer teilweise
Weniger Freude an der Schildkröten-Sichtung auf Drei Weieren hat Jonas Barandun, Mitarbeiter des Naturmuseums St.Gallen und Beauftragter für Amphibien und Reptilien im Kanton. Für ihn steht fest: Das Tier wurde ausgesetzt. "Solche Vorfälle kommen mir praktisch jedes Jahr zu Ohren", hält er fest. Schildkröten seien in der Anschaffung günstig und überlebten ihre Besitzer manchmal; teils Menschen setzen die Tiere dann einfach aus, wenn sie ihnen lästig geworden sind.

Winter zu rau und zu lang
Aufgrund des Fotos, das Manuel Herzog von der Schildkröte im Bubenweiher gemacht hat, kann Jonas Barandun einzig feststellen, dass Turtle eine Wasserschildkröte ist. Um welche Unterart es sich handelt, bleibt vorderhand unklar. So oder so stellt Barandun dem Tier eine schlechte Prognose: "Über den Sommer kann die Schildkröte sicherlich überleben", sagt er. Der Winter auf Drei Weieren sei aber vermutlich zu rau und dauere zu lange, als dass das Tier ihn überstehen könnte. Barandun begrüsst das sogar: Ausgesetzte Tiere könnten Träger von Krankheitserregern sein und diese in der Natur weiter verbreiten, begründet er.

Einfangen und abgeben
Günstigere Aussichten hätte Turtle laut Jonas Barandun, wenn sie im Rheintal ausgesetzt worden wäre: "Dort ist das Klima milder – es gab schon ausgesetzte Schildkröten, die im Rheintal während zehn Jahren überlebt haben", so Barandun. Wäre es somit nicht angezeigt, die Schildkröte auf Drei Weieren einzufangen und sie an einen guten Platz zu geben? "Das ist weder Sache der Polizei noch der Wildhut – niemand kann dazu verpflichtet werden", sagt Jonas Barandun. Er fände es allerdings verdienstvoll, wenn es jemandem gelänge, das Tier einzufangen, was aber gar nicht so einfach sei. Manuel Herzog vom Milchhüsli hält fest, er werde diese Information auf Drei Weieren verbreiten – "wir werden versuchen, die Schildkröte zu fangen", sagt er. Dann könnte Turtle der Polizei oder der Wildhut übergeben und von dort einer Auffangstation anvertraut werden.

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