Eine Reise zum Ursprung

Morgen Mittwoch feiert die Untere Waid ihre Gründung vor 90 Jahren. Wurde hier zunächst der Nachwuchs für den Salettinerorden ausgebildet, ist die Schule heute ein modernes Gymnasium. Auch wenn noch dieselben Werte gelten.

Nina Rudnicki
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Die Salettinerpatres mit den ersten Schülern der Unteren Waid. (Bild: pd)

Die Salettinerpatres mit den ersten Schülern der Unteren Waid. (Bild: pd)

MÖRSCHWIL. Ein zerfallenes ehemaliges Kurhaus und Patres des Salettinerordens, die gewillt waren, hier Schüler auszubilden, die nach und nach aus der ganzen Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein nach Mörschwil kamen. So beginnt die Geschichte des Gymnasiums Untere Waid, das morgen Mittwoch vor 90 Jahren gegründet wurde. Wer die Fotos der Schule betrachtet, sieht die Veränderungen auf einen Blick. Wo in den 1920er-Jahren 15 Schüler mit Krawatte und Jackett zwischen zwei strengen Patres für den Fotografen posieren, da versammelt sich gut 90 Jahre später eine Gruppe lachender Maturanden und Maturandinnen im Schulhof.

Ottmar Hitzfeld hatte Heimweh

Vieles hat sich an der Unteren Waid unterdessen grundlegend verändert. War die Schule am Anfang vor allem auf die Erziehung, Bildung und Förderung des eigenen Nachwuchses des Salettinerordens ausgerichtet, so ist sie mittlerweile ein Gymnasium für Mädchen und Knaben aller Konfessionen. Auch ist sie seit rund zwölf Jahren kein Internat mehr, sondern eine Tagesschule. Was sich auch in der Herkunft der Schüler zeige. «Früher kamen sie aus der ganzen Schweiz nach Mörschwil», sagt Rektorin Jeannette Wick. Einer der bekanntesten Schüler sei der Trainer der Schweizer Fussballnationalmannschaft, Ottmar Hitzfeld, gewesen, der aber nur sehr kurze Zeit blieb. Er hatte so grosses Heimweh, dass ihn die Eltern wieder abholen mussten.

Erscheinung in den Alpen

Heute stammen die Schüler vorwiegend aus der weiteren Umgebung von St. Gallen. Die ehemaligen Internatsräume werden als Lernateliers und Gruppenräume genutzt. «Damals wie heute gelten aber dieselben Werte», sagt Jeannette Wick. Diese seien die christliche Ausrichtung, gegenseitiger Respekt, Solidarität und allgemein ethisches Verhalten.

Aus Mangel an eigenem Nachwuchs übergaben die Salettiner das Gymnasium 2007 einer Stiftung, die seither die Schule führt. Zur Tradition gehören aber noch immer die alljährlich stattfindenden Besinnungstage. Alle sechs Jahre reisen alle nach La Salette in Frankreich, damit jeder Schüler der sechs Klassen einmal den Ursprungsort der Salettinerpatres kennenlernt. In La Salette erschien am 19. September 1846 Maria zwei Hirtenkindern. Die Kirche anerkannte das Ereignis, worauf einige Priester eine Gemeinschaft gründeten, welche die zahlreichen Pilger betreute. Später suchten sie einen Ort, wo sich eine deutschsprachige Schule gründen liess, und stiessen auf die Untere Waid. «Dieses Ereignis feiern wir jedes Jahr am 19. März, dem Gründungstag der Schule, mit einem Gottesdienst», sagt Jeannette Wick.

Missionsschule wird Gymi

Man könnte annehmen, dass das Jahr 1966 den grössten Einschnitt in der Geschichte der Unteren Waid bedeutet, als die Missionsschule in ein Gymnasium umgewandelt wurde. Das wichtigste Ereignis brachte aber das Jahr 1998 mit sich, als die «Hausmatura» kantonal und eidgenössisch anerkannt wurde, sagt die Rektorin. Zuvor mussten die Schüler die letzten zwei Schuljahre im Haus Gutenberg in Balzers und dann am Gymnasium Friedberg in Gossau absolvieren, um mit der Matura abschliessen zu können. Heute zählt das Gymnasium Untere Waid 130 Schüler. Hinzu kommen 40 Schüler der privaten Pegasusschule, also die Fünft- und Sechstklässler plus jene der Oberstufe. Jeannette Wick sagt: «Das zeigt, dass Mörschwil eine moderne Bildungsstätte geworden ist.»