Eine Prügelei mit Folgen

Ein Mann hat sich mit Erfolg vor Kantonsgericht gegen eine bedingte Freiheitsstrafe gewehrt. Er habe sich nicht an einer Rauferei beteiligt, sondern sie schlichten wollen, führte er zu seiner Entlastung an.

Claudia Schmid
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Der in der Schweiz aufgewachsene Serbe war im August 2011 mit zwei Kollegen in der St. Galler Innenstadt unterwegs. Spät in der Nacht waren sie auf dem Weg zu ihrem Auto, als sie auf eine Gruppe von drei Männern trafen, die von den Freundinnen begleitet wurden. Zwischen je einem Mann aus den beiden Gruppen kam es zunächst zu einem Wortwechsel.

Faustschläge und Fusstritte

Bereits zu jenem Zeitpunkt habe er zwischen den Streithähnen schlichten und Schlimmeres verhindern wollen, erklärte der Beschuldigte an der Berufungsverhandlung am Kantonsgericht St. Gallen. Zuerst schien der Konflikt beendet zu sein, flammte dann aber erneut auf. Es kam zu Faustschlägen und Fusstritten. Wieder habe er schlichten wollen, versicherte der 26-Jährige vor Gericht. Dabei habe er überraschend einen Schlag an den Kopf erhalten, worauf er einen Faustschlag zurückgegeben habe. Dies sei alles gewesen. Es sei allerdings auch nicht einfach gewesen, sich im unübersichtlichen Tumult richtig zu verhalten.

Gemäss Arztzeugnis zogen sich die drei Männer, die von ihren Freundinnen begleitet waren, beim Streit Verletzungen zu. Der erste Mann erlitt einen Nasenbeinbruch, der zweite eine Gehirnerschütterung und der dritte einen kaputten Zahn sowie ein Schädel- und Nasentrauma. Ihre drei Gegner landeten vor Gericht und wurden verurteilt.

Urteil nicht akzeptiert

Der Serbe erhielt wegen Angriffs und falscher Anschuldigung eine bedingte Freiheitsstrafe von 13 Monaten. Während seine Kollegen das Urteil akzeptierten, legte er Berufung ein. Er finde den Entscheid der ersten Instanz nicht gerecht, begründete er den Schritt. Seine Kollegen hätten ihre Urteile akzeptiert, weil sie kein Geld für die Berufung hätten.

Die Einteilung der Gruppen in Opfer und in Täter werde dem Tathergang nicht gerecht, betonte der Verteidiger. Aggressivität und Feindseligkeiten seien von je einem Mitglied der Gruppen ausgegangen. Selbst die Freundinnen der Verletzten hätten zu Protokoll gegeben, dass nur einer des Trios aggressiv gewesen sei und die beiden anderen schlichtend eingegriffen hätten.

Kein aggressiver Schläger

Sein Mandant sei lediglich wegen Raufhandels zu einer angemessenen Geldstrafe mit Probezeit zu verurteilen. Der junge Mann habe einen tadellosen Leumund. Zu ihm passe das Bild eines aggressiven Schlägers keineswegs.

Der Staatsanwalt plädierte auf Abweisung der Berufung. Die drei Männer hätten sich nach der Anzeige abgesprochen und beschlossen, gemeinsam Unwahrheiten über ihre Opfer auszusagen und sie damit zu Tätern zu machen. Damit hätten sie sich des Angriffs und der falschen Anschuldigungen schuldig gemacht.

Mildere Strafe

Das Gericht folgte grossmehrheitlich der Verteidigung und verurteilte den Mann wegen Raufhandels und falscher Anschuldigung zu einer bedingten Geldstrafe von 360 Tagessätzen zu 120 Franken mit einer Probezeit von zwei Jahren. «Entgegen der Ansicht der Vorinstanz ist im konkreten Fall nicht von einem Angriff, sondern von Raufhandel auszugehen», heisst es in der Kurzbegründung des Urteils. So habe einer der Männer in der polizeilichen Befragung angegeben, dass er dem Beschuldigten mit der Faust auf die Backe geschlagen habe, bevor dieser zum Faustschlag ausholte.

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