Eine Pfarrerin mit Weltsicht

Die Jurassierin Simone Brandt-Bessire ist seit knapp einem Jahr Pfarrerin der «Eglise française» von St. Gallen. Sie ist damit die erste Frau in diesem Amt und bringt kirchliches Engagement, Reisen und Familie unter einen Hut.

Simone Buff
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Pfarrerin Simone Brandt-Bessire in der Kirche St. Mangen. (Bild: Stefan Beusch)

Pfarrerin Simone Brandt-Bessire in der Kirche St. Mangen. (Bild: Stefan Beusch)

Seit der Pensionierung des langjährigen Pastors Marc Bridel ist die Jurassierin Simone Brandt-Bessire die neue Pfarrerin der französischen Kirche St. Gallen (Kasten). Nach 28 Pastoren ist sie die erste Frau in diesem Dienst. An der Arbeit auf der anderen Seite des Röstigrabens findet die Welsche Gefallen: «Die pastorale Arbeit sagt mir zu, die Leute sind freundlich», wie sie sagt.

Theologie in Südamerika

Die 59-Jährige war ursprünglich Lehrerin. «1987 bin ich mit meinen vier Kindern und meinem Mann, der ebenfalls Pfarrer war, nach Uruguay gezogen», sagt sie. Das geschah im Rahmen eines Austauschprogramms für Kirchenarbeit mit der waadtländischen Immigranten-Kirche «Valdense del Rio de la Plata». Sieben Jahre lang habe sie dort gelebt. «Ich wollte die Realität anderer Kirchen erfahren.» Im argentinischen Buenos Aires habe sie Theologie studiert und sei dann in der Waldenser-Kirche zur evangelisch-reformierten Pfarrerin geweiht worden. «Vor St. Gallen habe ich aber als Seelsorgerin im <Hospital du Jura> in Porrentruy gearbeitet und dort am Gymnasium Religionswissenschaft unterrichtet», sagt Brandt-Bessire.

Bei anderen Reisen habe sie auch einige Zeit in den Ländern des Mittleren Ostens sowie Afrika und Kanada verbracht und sei so auch mit anderen Religionen in Kontakt gekommen. Entsprechend wichtig ist für die Pfarrerin deshalb eine offene Weltsicht: «Ich möchte Dynamik in die Kirche bringen und sie mehr öffnen. Es gefällt mir, auch mit Kirchen anderer Glaubensrichtungen zu arbeiten und die Leute zusammenzubringen.» Künftig wolle sie sich auch bei der st. gallischen Integrationsarbeit engagieren.

«Evangelium soll gelebt werden»

Eine besondere Bedeutung habe die Bibel für sie. «Ein faszinierendes Buch», meint die Pfarrerin. «Aber es sollte keines mit sieben Siegeln sein.» Darum seien Textstudien wichtig, damit der biblische Inhalt auch weniger intellektuellen Leuten zugänglich gemacht werden könne. «Das Evangelium soll auch gelebt und im Alltagsleben angewendet werden.» Die Gottesdienste der französischen Kirche finden jeweils am Sonntagmorgen um 9.30 Uhr in der St. Mangen-Kirche statt. Einmal im Monat hält Brandt-Bessire zudem einen Abendgottesdienst in Rorschach, Glarus und Rapperswil. Daneben gibt es Treffen zum gemeinsamen Lesen und Diskutieren der Bibel. Auch werden von der französischen Kirche Reisen an Orte religiöser Relevanz organisiert.

Dazu kommen für die Pfarrerin seelsorgerische Tätigkeiten wie Hausbesuche oder das Arbeiten mit Kindern. Auch das Kirchenblatt «Trait d'Union», das an knapp 350 Adressen geht, verfasst sie. Ein vielseitiger Job, der «mehr Zeit als die festgesetzten 60 Prozent in Anspruch nimmt», wie Brandt-Bessire sagt. Aber Pfarrerin sein bedeute nun mal nicht nur Gottesdienste feiern, sondern vor allem auch die Beziehungen zu den Menschen und das religiöse Leben zu pflegen. Die theologische Arbeit ist aber nicht das einzig Wichtige im Leben der Pfarrerin. Sehr am Herzen liegt ihr ihre Familie: «Sie ist das grösste Geschenk meines Lebens.»