Eine Nacht mit Gallus in Peru

Klein ist die Welt und auf Reisen schrumpft sie oft am allermeisten. Schnell kann einen die Heimat wieder einholen, auch Tausende Kilometer und etliche Flugstunden von zu Hause entfernt. Zum Beispiel in Peru.

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Klein ist die Welt und auf Reisen schrumpft sie oft am allermeisten. Schnell kann einen die Heimat wieder einholen, auch Tausende Kilometer und etliche Flugstunden von zu Hause entfernt. Zum Beispiel in Peru. Um präzis zu sein, im Colca-Canyon, der auf den ersten Blick so gar nichts mit dem hiesigen Hochtal der Steinach gemein hat. Ausser dem Namen einer dort befindlichen Oase eben: Sangalle,

Keine Stadt im grünen Ring

Eine karge Felslandschaft, schroff abfallend, kaum Vegetation: Unsere Stadt im grünen Ring würde sich bedanken. Doch weit unten lockt in ebensolchem, gar sattestem Grün und mit einem Fleckchen Pool-Blau Sangalle. Ohne Klostertürme zwar, mit einem Palmenhain stattdessen. Ohne Brücken übers Tobel vor der Stadt, dafür mit abenteuerlichem Pfad hinunter in die Schlucht.

Womöglich hat Stadtgründer Gallus das nachmalige St. Gallen vor bald 1400 Jahren genau so vorgefunden, wie es sich in diesem peruanischen Canyon abgesehen vom Swimmingpool bis heute erhalten hat. Und überhaupt: Wer garantiert uns nach den neuesten historischen Erkenntnissen und im allgemeinen «Wir sind Gallus»-Fieber denn, dass Gallus eben nicht doch auch peruanische Wurzeln gehabt haben könnte?

Doch zurück nach Sangalle. Kein rechter St. Galler jedenfalls, der sich diesen Abstecher hinunter in diese peruanische Oase nicht gönnen würde. Auch wenn die Höhendifferenz bis ins versprochene «Paraiso las Palmeras» flotte 1100 Meter beträgt. Nur, was ist das schon, wenn Sangalle wartet.

Heimatgefühle verspürt

Das sagten sich vergangenen Freitag auch Sandro Reichmuth und dessen Freundin Vera, als sie plötzlich vor dem Schild mit dem vertrauten Namen standen. Baff waren die beiden Stadtsanktgaller Globetrotter, die sich momentan auf einer viermonatigen Südamerika-Reise befinden. Aber auch etwas sentimental ward ihnen zumute, wie sie die Tagblatt-Redaktion in einem Mail wissen lassen: «Als wir den Mundartausdruck für unsere schöne Stadt gesehen haben, sind bei uns gleich Heimatgefühle aufgekommen.»

Hinunter ins Tobel

Keine Frage, sie haben den beschwerlichen Weg auf sich genommen, sind hinunter ins Tal gestiegen und haben eine schöne Nacht in Sangalle verbracht. Tausende Kilometer fernab von ihrem St. Gallen, das sich zurzeit für das Gallus-Jubiläum im kommenden Jahr herausputzt.

Sandro und seine Vera dürften dazu nun eine ganz besondere Beziehung entwickelt haben. So nah wie in Peru ist ihnen Gallus hier wahrscheinlich noch nie gekommen. Andreas Nagel

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