Eine Museumsnacht voller Klänge

In der Nacht von Samstag auf Sonntag öffnen 35 Museen, Galerien und Institutionen in der Stadt ihre Türen. Die elfte Museumsnacht bietet einiges fürs Ohr – vom klingenden Efeublatt bis zu den Rhythmen im Rohbau des Naturmuseums.

Christina Weder
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Publikumshit: Am alten Standort des Naturmuseums im Stadtpark werden auch dieses Jahr Taschenlampen-Führungen im Depot angeboten. (Bild: pd)

Publikumshit: Am alten Standort des Naturmuseums im Stadtpark werden auch dieses Jahr Taschenlampen-Führungen im Depot angeboten. (Bild: pd)

Kanonendonner, Alphornklänge und das Bellen von Böcken ist man sich nicht unbedingt aus den Museen der Stadt gewöhnt. Am Samstag wird es dort mit der gewohnten Ruhe aber vorbei sein. Die Museumsnacht steht dieses Jahr ganz im Zeichen des Klanges. Besucherinnen und Besucher werden eingeladen, allerhand Klänge und Geräusche zu entdecken.

Altbewährt und überraschend

Rund 5500 Besucher werden zur elften Museumsnacht am Samstag erwartet. 35 Museen, Galerien und andere Institutionen in der Stadt werden von 18 bis 1 Uhr in der Früh ihre Türen öffnen. Das diesjährige Motto «Museumsnacht klingt» sei von den Ausstellungsmachern sehr gut aufgenommen worden, sagt Sabine Bianchi, Geschäftsführerin der Museumsnacht.

Entsprechend vielfältig ist das Programm. Altbewährtes wird weitergeführt. Zu den Publikumsrennern gehören auch dieses Jahr die Taschenlampen-Führungen durchs unterirdische Sammlungsdepot des Naturmuseums und der mitternächtliche Guss in der Kunstgiesserei im Sitterwerk. Das Programm hält aber auch überraschende und ungewöhnliche Klangerlebnisse bereit.

Im Botanischen Garten wird etwa gezeigt, wie man Efeu-Blätter als Musikinstrumente benutzt – passend zur derzeitigen Ausstellung «Immergrün und hoch hinaus – Der Efeu». Im Textilmuseum ist ein musikalischer Rundgang durch die soeben eröffnete Ausstellung Furor Floralis angekündigt. Auch das Historische und Völkerkundemuseum ist den Klängen auf der Spur: In Führungen erfahren die Besucher, wie Indianer Tierstimmen imitierten. Sie lernen Instrumente aus dem Frühmittelalter kennen, Gemshornflöte und Leier. Oder sie bekommen Kanonendonner und Soldatenlieder aus der Zeit des Ersten Weltkriegs zu hören.

Rhythmen im Rohbau

Als Höhepunkt der Museumsnacht besteht dieses Jahr die einmalige Gelegenheit, den Rohbau des neuen Naturmuseums im Neudorf zu besichtigen (siehe Zweittext). Schlagzeuger Orlando Ribar wird die leeren Räume mit Rhythmen füllen und die Möglichkeiten des Schlagzeugs präsentieren. Im Kulturraum am Klosterplatz tritt Manuel Stahlberger auf. Enrico Lenzin trommelt im «Trunk» von Richard Serra, dem stählernen Kunstwerk, das zwischen Kunstmuseum und Stadttheater steht.

Sabine Bianchis persönlicher Tip sind die Elektroklänge in der Kirche St. Laurenzen. Es ist zwar nicht das erste Mal, dass sich die Kirche in eine Disco verwandelt und statt dem Pfarrer zwei DJs am Altar stehen. «Doch dieses Jahr passt es ganz besonders», sagt Sabine Bianchi. Neben Elektrosound wird auch die Orgel erklingen. Dazu gibt es Akrobatik am Seil.

Die Museumsnacht wird dieses Jahr um drei Schauplätze erweitert. Neben dem Rohbau des Naturmuseums sind dies die Bibliothek in der Hauptpost, die vor einem halben Jahr eröffnet wurde, und das Seifenmuseum von Vasco Hebel, dem jüngsten Museumsdirektor der Stadt.

Buhlen um Zuschauerstimmen

Erstmals liefern sich an einer Museumsnacht zwei Kulturinstitutionen einen Kampf um die Gunst der Zuschauer. Das Nextex und das Architekturforum Ostschweiz buhlen um die Stimmen des Publikums. Kurz vor Mitternacht wird das Resultat verkündet und live in die Ausstellungsräume übertragen.

Bouillabaisse und Insekten

Wie immer bietet die Museumsnacht nicht nur etwas für Auge und Ohr. Auch der Gaumen soll verwöhnt werden. Im Seifenmuseum wird Bouillabaisse aufgetischt und im Kunstmuseum Hot-Dogs und Frozen Yogurt. Die laut Programmheft «exotischste und knusprigste» Speise hat die Macelleria d'Arte im Angebot: Insekten. Geradezu einfach hält es da der Kulturraum am Klosterplatz mit Suppe, Brot und Schnaps. Sämtliche Angebote und Ausstellungen finden sich im Programmheft.

Sabine Bianchi Geschäftsführerin Museumsnacht St. Gallen (Bild: pd)

Sabine Bianchi Geschäftsführerin Museumsnacht St. Gallen (Bild: pd)