Eine Kuh, fast wie ein Hund

Ich bin auf einem Bauernhof in der Weid in Rorschacherberg gross geworden. Ich hatte fünf Schwestern und war somit der einzige Knabe in der Familie. Im Sommer mussten wir oft auf dem Bauernhof helfen: beim Heuen, Misten und Kirschenernten. Das habe ich stets sehr gerne gemacht.

Aufgezeichnet von Stephanie Sonderegger
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Josef Locher, 85 Pensionierter Landwirt Rorschach (Bild: sso)

Josef Locher, 85 Pensionierter Landwirt Rorschach (Bild: sso)

Ich bin auf einem Bauernhof in der Weid in Rorschacherberg gross geworden. Ich hatte fünf Schwestern und war somit der einzige Knabe in der Familie. Im Sommer mussten wir oft auf dem Bauernhof helfen: beim Heuen, Misten und Kirschenernten. Das habe ich stets sehr gerne gemacht. Wir hatten dreissig Kirschbäume, drei davon waren Rotstieler, die ganz kleine Früchte tragen. Die sind zuckersüss, und ich mochte sie immer am liebsten. Heute sind sie ausgestorben, weil die Konsumenten keine kleinen Kirschen mögen. Wir hatten auch Tiere auf unserem Hof: Hühner, Katzen und vier bis fünf Milchkühe. Von Letzteren haben wir auch ab und zu mal eine von Hand aufgezogen. Mit denen war man dann speziell verbunden. Ich selber hatte als Kind eine besondere Beziehung zu einer Kuh namens Strüss. Als ich in der 8. Klasse war, war sie eineinhalb Jahre alt. Damals war ich gegen halb neun Uhr morgens auf dem Weg zur Schule. Strüss ist mir nach dem Tränken einfach hinterhergelaufen. Das war ein sehr spezielles Erlebnis für mich. Ich mochte die Kuh wirklich gerne, das ist wohl der Grund, warum sie mir immer wieder gefolgt ist. Wenn ich morgens Obst aufsammeln musste, habe ich sie aus dem Stall geholt und mitgenommen. Ich habe ihr einen leichteren Sack auf den Rücken geladen, weil ich zu faul war, ihn selber zu tragen. Sie hat das dann für mich übernommen, wenn wir auf dem Weg nach Hause waren. Das war sehr praktisch.

Heute gehe ich jeden Tag zu den Ziegen hier im Pflegeheim PeLago in Rorschach und bringe ihnen Apfelschnitze mit. Ich bin nach wie vor gerne draussen im Garten, und versuche mitzuhelfen, so gut es eben geht.