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Eine heisse Feierabendparty

Blues, Jazz, Dixieland; Raclette, Bratwürste, Nasi Goreng; Bier, Most, Prosecco: Das «New Orleans meets St. Gallen» ging bei seiner 30. Austragung über die Bühne wie immer. Fast. Etwas heisser als sonst ging’s zu und her am Feierabendfest.
Daniel Wirth
Bei strahlendem Sonnenschein nehmen die Musikanten auf dem Bohl den Marsch auf zur lauten Strassenparade. (Bilder: Benjamin Manser)

Bei strahlendem Sonnenschein nehmen die Musikanten auf dem Bohl den Marsch auf zur lauten Strassenparade. (Bilder: Benjamin Manser)

Daniel Wirth

daniel.wirth@tagblatt.ch

Dem Jungvolk treibt’s kurz vor 18 Uhr den Schweiss ins Gesicht, während der Klarinettist auf der Strassenparade kräftig in seine «Schwarzwurzel» stösst. Zum Glück gibt’s Abkühlung in Form ­gekühlter Tranksame. Eine junge Frau in Denim-Shorts steht auf dem Bohl. Sie trägt ein weisses T-Shirt und darunter ein nasses Bikini-Oberteil. Neben ihr winkt ein Banker mit Schuppen auf dem dunkelblauen Anzug seinem Arbeits­kollegen. Junge Frau und Banker – beide wippen zur Musik aus den Südstaaten. Beide haben einen Plastikbecher Bier in der Hand. Beide sind in Vorfreude auf ­einen herrlich warmen Sommerabend in den Gassen der St. Galler Altstadt. Das vereint, das bindet. Auf der Bühne im unteren Teil der Neugasse bei der Bank Acrevis spielen Jérôme Etcheberry and his Swingberries. Sie spielen «Happy Birthday». Stadtpräsident Thomas Scheitlin hat Geburtstag. Dank dieses Ständchens muss er jetzt noch mehr Hände schütteln als an einem gewöhnlichen «New Orleans meets St. Gallen».

Das Taschentuch erlebt eine Renaissance

Die Gassen füllen sich. Der Duft von Nasi Goreng und Bratwürsten schwängert die Luft in den Gassen. Das ­Taschentuch erlebt eine Renaissance. Immer wieder wird eine Stirn damit ­getrocknet. New Orleans, die Stadt, die dem Festival in der Gallusstadt seinen Namen gibt, liegt im Bundesstaat Louisiana im Süden der USA. Gestern hatte es am Mississippi 24 Grad bei Regen. In der Gallusstadt war es gestern Abend deutlich wärmer. Bruno Bischof, 1986 einer der Männer der ersten Stunde des «New Orleans meets St. Gallen» und heute Präsident des Organisationskomitees, hat warm und ist zufrieden mit dem Publikumsaufmarsch, wie er im Gespräch mit dem «Tagblatt» sagt. Das Festival in den Gassen der Altstadt, mit seinen vier Bühnen und rund 50 Verpflegungsständen, hat ein Budget von rund 100 000 Franken, sagt Bischof. Der OK-Präsident sagt, es werde je länger, je schwieriger diesen finanziellen Aufwand zu stemmen. Er arbeitet mit 30 Freelancern zusammen. Gestern Morgen war vom Gassenfest noch nichts spürbar, und heute Morgen wird nur noch ganz wenig an die Feierabendparty erinnern. «Das muss so sein», sagt Festivalchef Bischof.

Pausenlos wird Bier gezapft. Die Männer mit den Grillzangen in der Hand sind bachnass. Die Bands auf den vier Bühnen spielen Dixieland, Jazz, Blues. In den Gassen tanzen Männer und Frauen jeden Alters; die Stimmung ist ausgelassen. Die just gestern bekannt gewordene drohende Schliessung einzelner Poststellen in der Stadt ist ausgeblendet.

Es läuft etwas im Zentrum der Stadt

«Endlich läuft etwas in der Stadt», sagt Erol Tolukan. Der 35-jährige Zürcher ist nicht wegen der Musik gekommen. «Die Stimmung macht’s aus». Rebecca Rutz spaziert mit zwei Freundinnen durch die Marktgasse. Die 25-jährige St. Gallerin ist Stammgast am «New Orleans meets St. Gallen». Heute passe einfach alles, sagt sie. «Das herrliche Sommerwetter, die Musik, das Essen – alles».

Die brummenden Klänge der Tenorsaxofone wechseln sich im Zusammenspiel ab mit hellen Trompetenstössen. Ein leichter Wind lässt die farbigen Sommerkleider tanzen. Die Feierabendparty ist in vollem Gang. Sommerabende wie dieser sind selten in der Gallusstadt.

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