Eine GBS-Bibliothek bleibt noch

Das Gewerbliche Berufs- und Weiterbildungszentrum St. Gallen (GBS) wandelt gemäss Sparauftrag zwei ihrer drei Mediotheken in unbetreute Online-Filialen um. Nach Protesten bleibt die Bibliothek der BMS aber bestehen.

Marcel Elsener
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Eine Berufsschülerin in der derzeit noch herkömmlich betreuten Bibliothek der GBS im Riethüsli. (Bild: Coralie Wenger)

Eine Berufsschülerin in der derzeit noch herkömmlich betreuten Bibliothek der GBS im Riethüsli. (Bild: Coralie Wenger)

ST. GALLEN. Von den bislang drei betreuten Bibliotheken des GBS bleibt ab März 2012 nur noch jene der Berufsmaturitätsschule (BMS) an der Davidstrasse in der bestehenden Form mit Bibliothekarin bestehen. Den drei weiteren Bibliothekarinnen wird per Ende Februar gekündigt, weil die GBS-Mediotheken in den Schulhäusern an der Demut- und an der Grütlistrasse künftig von den dortigen Fachlehrkräften betreut respektive von der Schülerschaft autonom genutzt werden.

Dies das Ergebnis eines austarierten Sparvorschlags, den die Schulleitung aufgrund anfänglich heftiger Kritik aus der Lehrerschaft sowie Bibliothekskreisen über die Sommermonate besser begründen und kommunizieren musste – mit allen Vor- und Nachteilen sowie der materiellen und finanziellen Auswirkungen, wie das Amt für Berufsbildung gefordert hatte (Ausgabe vom 31. Mai).

Schulkommission entschied

Nun hat sich die Aufregung gelegt und können die meisten Beteiligten mit dem – so der Tenor – «schmerzhaften, aber vertretbaren» Einschnitt leben – mehr oder weniger. Letztlich war der Berufsfachschulkommission unter Präsident Gian Bazzi die undankbare Rolle zugekommen, zwischen den Erwartungen des Bildungsdepartements, den Bedürfnissen der Schule und den Einwänden der Lehrerschaft zu vermitteln und den Sparentscheid zu beschliessen. Das zwölfköpfige Gremium (wovon fünf stimmberechtigt) habe das Mediathekskonzept nach eingehender Prüfung und Diskussion am Ende einstimmig gutgeheissen, sagt Bazzi.

Die jetzt auch vom Amt für Berufsbildung begrüsste Lösung erlaubt eine Einsparung von 140 000 Franken. Mit dem künftigen Budget von 40 000 Franken sollen nebst dem Lohn der Bibliothekarin in der BMS weiterhin Neuanschaffungen bestritten werden, meint GBS-Rektor Lukas Reichle. Von den 150 Stellenprozenten, die sich vier Bibliothekarinnen teilten, bleiben ab März 2012 noch 35 Prozent für die eine Stelle übrig.

Vom PC auf die Digithek

Vornehmlich setzt das neue Konzept nicht auf Bücher und Betreuung, sondern auf die Online-Recherche – gemäss den heutigen Möglichkeiten einer «aktuellen, einfachen, wirkungsvollen und günstigen Informationsbeschaffung», wie es heisst: «Die Mitgliedschaft bei DigiOst sowie der Zugang zur Digithek ermöglicht von allen Computer-Arbeitsstationen des GBS einen direkten Zugriff auf diese Angebote. Damit kann Recherchearbeit und IT-unterstützte Informationsbeschaffung von jedem PC-Zimmer und jeder PC-Arbeitsstation aus erfolgen.»

Die künftige Anzahl Medien – derzeit sind es in den drei Mediotheken 10 000 Sachbücher, Romane, Comics, CDs, Videos, DVDs u. a. – wird nicht beziffert. Ein «gewisser Bestand», so Rektor Reichle, werde weiterhin zur Verfügung stehen und von den Lehrpersonen «ganz pragmatisch» empfohlen. Sowohl im Riethüsli wie auch im Grütli wird es nebst Computerplätzen auch offene Bücherwände und Nischen mit Zeitungen und Magazinen geben. Im Gegensatz zu diesen Schulhäusern, wo auf die systematische Erfassung der Medien verzichtet wird, bleibt in der BMS-Mediothek die Katalogisierung durch die Bibliothekarin gewährleistet.

Mit dem Erhalt der als «unverändert unverzichtbar» bezeichneten Bibliothek an der Davidstrasse werde die Hauptforderung erfüllt, sagt BMS-Fachbereichsleiter Peter Vaterlaus. Man dürfe deshalb «halbwegs zufrieden» sein. Die Sache sei «gegessen», bestätigt ein Lehrer im Riethüsli. Als «verheerend» empfunden hätten Bücherfreunde über die Schule hinaus das Vorhaben, weil im Winter schon die Bibliothek in der Hauptpost «weggespart» worden sei.

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