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Eine Frau täte Wittenbach gut

Analyse zu den Gemeindepräsidentenwahlen vom September 2018
Corinne Allenspach
Wie das Zentrum von Teufen künftig aussieht, ist noch unklar. Die Züge der Appenzeller Bahnen werden aber als Strassenbahn durch das Dorf verkehren. (Bild: Visualisierung: PD)

Wie das Zentrum von Teufen künftig aussieht, ist noch unklar. Die Züge der Appenzeller Bahnen werden aber als Strassenbahn durch das Dorf verkehren. (Bild: Visualisierung: PD)

Wer wird Nachfolger von Fredi Widmer? Diese Frage wird die Wittenbacherinnen und Wittenbacher dieses Jahr beschäftigen. Vor knapp zwei Wochen gab Widmer, der die Gemeinde seit Juli 2011 führt, seinen Rücktritt auf Ende 2018 bekannt («Tagblatt» vom 9. Februar). Für viele Wittenbacher, auch solche, die sich aktiv mit dem Politgeschehen auseinandersetzen, kam der Rücktritt mitten in der Amtsdauer eher überraschend. Andere hatten damit gerechnet, schliesslich wird Widmer Ende Jahr 65, zudem konnte er auf 2018 hin erstmals in seiner Amtszeit die Steuern senken. Ein guter Zeitpunkt also für einen Rücktritt.

Während sich in früheren Jahren bei derlei Ankündigungen nach wenigen Tagen das Kandidatenkarussell zu drehen begann, oder bereits ein Kandidat feststand, ist es bisher erstaunlich ruhig. Nein, es würden offiziell keine Namen gehandelt und die Wahl sei noch kein Thema, bestätigen mehrere Parteivertreter. Erstaunen mag dies kaum: Geeignete Kandidaten fürs Gemeindepräsidium sind in Wittenbach derzeit rar gesät. Politisch haben sich in jüngster Zeit nur wenige Personen im Dorf über Massen profiliert. Und jene, die es taten, sind entweder bereits über 60, oder so jung, dass ihnen ihre berufliche Karriere abseits des Politparketts noch wichtiger ist.

Namen drängen sich denn im Moment auch keine auf, mit einer Ausnahme: Ruth Keller. Sie wird von verschiedenen Seiten als mögliche Nachfolgerin genannt. Mit 51 Jahren hat sie nicht nur das ideale Alter, nach 18 Jahren im Primarschulrat, davon mehr als zehn Jahre als Präsidentin, hat sie sich auch über die FDP-Parteigrenze hinaus grossen Respekt verschafft, wie zahlreiche Wittenbacher bestätigen. Ihre besonnene, wertschätzende und initiative Art wird ebenso geschätzt wie ihre Sachkenntnis. Auch Beharrlichkeit und Durchsetzungsvermögen zeichnen sie aus. Einige mögen es als Sturheit auslegen, Stichwort Schulhaus Sonnenrain, Ruth Keller geht es aber stets um die Sache. Sprich, im Zentrum steht das Wohl der Kinder. Ob sie wirklich kandidieren würde, ist eine andere Frage.

Sicher ist: Dem Wittenbacher Gemeinderat täte eine Frau gut. Bis auf wenige Jahre war seit 1985 immer eine Frau vertreten. Seit dem Rücktritt von Marlies Lorenz (CVP) Ende 2016, ist der Rat wieder ein reines Männergremium. Wohin das führt, zeigte sich rasch: Wittenbach hat vor einem Jahr neu eine Kommunikationsbeauftragte angestellt. Sie übernimmt auch operative Aufgaben aus den Bereichen Jugend, Familien, Vereine, Gesundheit und Kultur. Etwas, das Gemeinderätin Marlies Lorenz 16 Jahre getan hatte – einen Grossteil davon unbezahlt und in der Freizeit.

Nicht, dass nur eine Frau ein Chinderhus, einen Ferienspass, Adventssingen, Dorffeste oder Wittenbach-bewegt-Anlässe initiieren könnte. Aber vielleicht liegen einer Frau solche «Soft»-Themen etwas näher. Gerade in einer Gemeinde, die stark gewachsen ist, sind sie ebenso wichtig wie ein breiter Rücken und ein Flair für Zahlen. Spätestens, wenn die Überbauung Oedenhof bezugsbereit ist, dürfte die 10 000-Einwohner-Grenze überschritten werden. Damit sich die Wittenbacher trotz Grösse noch daheim fühlen, braucht es jemanden, der Identität stiftet. Jemanden mit Herz und Emotionen. Aber auch jemanden, der sein Dorf zu verkaufen, sprich, dessen Vorzüge anzupreisen weiss. Denn eine Gemeinde will heutzutage nicht mehr nur verwaltet, sondern gestaltet werden.

Mann oder Frau, Einheimische oder Auswärtiger, Jugend oder Erfahrung. Diese Fragen werden sich die Parteien in den nächsten Wochen stellen müssen. Auf Vorschlag der CVP soll sich eine überparteiliche Findungsgruppe auf Kandidatensuche machen. Das wäre eine Premiere in Wittenbach, und eine gute Voraussetzung für eine knatschfreie Wahl. Aber auch Ausdruck dafür, dass geeignete Kandidaten bei den Parteien tatsächlich rar sind.

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