Eine Frage des Preises

GOSSAU. Eine Einsprache verzögert die Neugestaltung des Strassenraums im Gossauer Zentrum. Erst wenn diese bereinigt ist, kann der Kanton mit den notwendigen Landerwerben und Preisverhandlungen mit den Grundeigentümern beginnen.

Rita Bolt
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Im Gossauer Stadtzentrum läuft's rund am Ochsenkreisel. Die Planung für die Strassenraumgestaltung stockt hingegen. (Bild: Coralie Wenger)

Im Gossauer Stadtzentrum läuft's rund am Ochsenkreisel. Die Planung für die Strassenraumgestaltung stockt hingegen. (Bild: Coralie Wenger)

Ursprünglich geplant war die Strassenraumgestaltung auf der St. Galler- und Herisauerstrasse in diesem Jahr. Das Zentrum hätte auch einen neuen Anstrich erhalten – bunte Farben und eine neue Möblierung mit Bänkli hätten es attraktiver gemacht. Es kam alles ganz anders: Im Januar dieses Jahres informierte Urs Dahinden vom kantonalen Tiefbauamt, dass das Projekt auf 2011 verschoben sei.

Ein halbes Jahr später erneut eine Hiobsbotschaft aus der Pfalz: Baubeginn ist frühestens im Frühjahr 2012. Denn beim Kanton sind 16 Einsprachen eingegangen und eine davon konnte bis heute nicht erledigt werden. Der Einsprecher hat die Beschwerde ans Verwaltungsgericht weitergezogen. «Das Projekt ist damit nicht rechtskräftig», sagt Dahinden. Ein einziger Gossauer schafft es also, das ganze Projekt zu blockieren. Dieser schöpfe seine Rechtsmittel aus, sagt Dahinden. Dem Kanton seien die Hände gebunden. Der Entscheid des Verwaltungsgerichts werde Ende 2010 erwartet.

Landerwerbsverfahren starten

Wenn die hängige Einsprache erledigt sei, könne die Umsetzung des Projektes nicht mehr verhindert werden, erklärt Dahinden. Aber sie kann weiter verzögert werden. Dann, wenn Grundeigentümer ihr Land nicht verkaufen wollen. Der Kanton wird mit etwa 60 Grundeigentümern verhandeln und sich einigen müssen.

Der Kanton brauche das Land neben den Fahrbahnen für die Neugestaltung des Strassenraumes, und die örtlichen Anpassungen müssen mit den Grundeigentümern vertraglich festgehalten werden, sagt Dahinden.

Bei Kantonsstrassen gilt die Regel, dass die Fahrbahn und ein Gehwegbereich von mindestens zwei Metern Breite im Eigentum des Kantons sind. Dies ist heute im Zentrum von Gossau nicht überall der Fall. Noch grosse Teile der Gehwege gehören Privaten.

Sofern sich der Kanton nicht mit den Grundeigentümern einigen könne, werde eine gewählte Schätzungskommission den Quadratmeterpreis für den Landerwerb festlegen. «Wir werden allen Grundeigentümern zonen- und situationsgerecht den gleichen Quadratmeterpreis offerieren», sagt Dahinden. Bis jetzt seien noch keine Gespräche geführt worden. Wie lange sich dieses Landerwerbsverfahren hinziehe, hänge davon ab, ob die Grundeigentümer mit den Preisen und den Anpassungen einverstanden seien oder nicht.

Zu Enteignungen komme es nur in seltenen Fällen, antwortet Dahinden auf eine entsprechende Frage.

Sanierung auch verschoben

Die Verzögerungen betreffen aber nicht nur die neue und farbige Gestaltung des Zentrums. Die St. Gallerstrasse soll zwischen Gröbli- und Säntisstrasse auch saniert werden. Ebenso die Herisauerstrasse zwischen Dorfbach und Ochsenkreisel. Beide Strassenabschnitte sind in einem schlechten Zustand.

Der Kanton will die Erneuerung des Strassenkörpers und der darin eingelegten Werkleitungen gleichzeitig mit der Neugestaltung des Stadtkerns erledigen – es soll nur einmal eine grosse Baustelle geben. Mit der Einsprache gegen die Neugestaltung verzögert sich aber auch die Sanierung. Wie lange kann diese noch hinausgeschoben werden? «Die Sanierung wäre fällig und war geplant. Nach Aussage des Strassenkreisinspektors kann noch ein Jahr zugewartet werden.

Möglicherweise müssen aber nach dem nächsten Winter Flick- oder kleine Sanierungen an den Strassen ausgeführt werden», antwortet Dahinden.

An den Kosten hat sich hingegen nichts geändert: Das Facelifting des Zentrums und die Sanierung der Strassen beläuft sich auf 5,5 Millionen Franken. Davon entfallen 2,9 Millionen auf die Stadt Gossau.

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