Eine Erinnerung, die ihren Preis hat

Ein 50jähriger Schweizer musste sich wegen unerlaubten Waffenbesitzes vor dem Richter rechtfertigen. Der Dolch vom Flohmarkt habe ihn an seine Zeit bei der Pfadi erinnert, erklärte der Beschuldigte.

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Die 900 Franken seien für ihn, der mit einer bescheidenen IV-Rente lebe, eine astronomisch hohe Summe, begründete der Schweizer dem Einzelrichter seine Einsprache gegen den Strafbefehl. Auch habe er nicht gewusst, dass das gekaufte Messer unter das Waffengesetz falle. Er habe sich riesig gefreut, als er es auf dem Flohmarkt entdeckt habe. «Zwei meiner Pfadikollegen und ich hatten bei den Wölfen ähnliche Messer, auf die wir unglaublich stolz waren», betonte er. Nicht im Traum sei es ihm in den Sinn gekommen, dass er für den Kauf einen Waffenerwerbsschein brauche. Die Klinge sei nicht einmal scharf, sondern stumpf gewesen.

Der Mann erzählte, wie ein Polizeibeamter ihn wenige Tage nach dem Kauf kontrolliert hatte und das Messer entdeckte. Er habe ihm gesagt, er solle doch jetzt nicht die «Null-Toleranz-Schiene» fahren, das Messer vernichten und die Sache vergessen. Polizei, Staatsanwalt und Gericht hätten keine Wahl, sondern seien im Gegenteil verpflichtet, die Gesetze anzuwenden, erklärte ihm darauf der Richter.

Beim auf dem Flohmarkt gekauften Gegenstand handle es sich nicht um ein Wurfmesser, argumentierte der Beschuldigte. Dies wisse er genau, weil er in einer Schwertschmiede gearbeitet habe und Dolche sammle. Sie seien im Übrigen für nichts Böses bestimmt, sondern einzig Sammlerobjekte. Er sei noch nie ein gewaltbereiter Mensch gewesen.

Zwei Hunde und keine Wohnung

Im Weiteren wehrte sich der Mann gegen die Verlängerung der Probezeit für die Vorstrafe. Er habe nicht einmal gewusst, dass er im Juli 2015 einen «Bedingten» kassiert habe. Er sei im Gegenteil sehr stolz darauf gewesen, dass er seit 17 Jahren vor keinem Richter mehr gestanden sei. Eine Verlängerung der Probezeit verbaue ihm die Zukunftspläne. Nachdem ihm die Ärzte vor fünf Jahren wegen mehrfachen Organversagens kaum eine Überlebenschance gegeben hätten, habe er sich wieder aufgerappelt. Er habe wegen starker Schmerzen eine Zeit lang Heroin geraucht, doch trinke er seit Jahren keinen Tropfen Alkohol mehr. Seit geraumer Zeit habe er keinen festen Wohnsitz, weil er mit seinen beiden Hunden keinen Mietvertrag erhalte.

Der Einzelrichter bestätigte den Schuldspruch im Strafbefehl, milderte aber die Sanktion. Beim gekauften Gegenstand handle es sich möglicherweise nicht um ein Wurfmesser, aber um einen Dolch mit symmetrischer Klinge, erklärte er bei der Urteilsbegründung. Als Sammler habe er wissen müssen, dass dieser ebenfalls unter das Waffengesetz falle. Er verurteilte den Beschuldigten zu einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen à 30 Franken mit einer Probezeit von zwei Jahren. Von der Verlängerung der Probezeit für die Vorstrafe sah er ab. Bezahlen muss der 50-Jährige hingegen die Verfahrenskosten von 1130 Franken. (cis)