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Eine Erfolgsgeschichte – geboren im Kantonsspital St. Gallen

Was vor zwanzig Jahren in Hinterzimmern des Kantonsspitals St. Gallen und des Uni-Spitals Zürich begann, hat sich inzwischen zum Erfolgsmodell entwickelt: Über 200 Spitäler berechnen heute den Pflegeaufwand mit diesem System.
Markus Löliger
Der Pflegeaufwand wird vom Personal detailliert erfasst. (Bild: Ralph Ribi)

Der Pflegeaufwand wird vom Personal detailliert erfasst. (Bild: Ralph Ribi)

St. Gallen. Mit seiner erfolgreichen Vermarktung in der Schweiz, in Deutschland und Österreich hat sich das st. gallisch-zürcherische Modell LEP als Standard für die LeistungsErfassung in der Pflege etabliert.

Schon vor 20 Jahren stand die Frage zu Gevatter, die auch heute das Gesundheitswesen am meisten beschäftigt: Pflegepersonalmangel und Kostensteigerungen. Berufsverbände und Spitäler suchten damals intensiv nach Instrumenten, um den Pflegeaufwand in den Griff zu bekommen – ihn berechnen und besser steuern zu können. Dass St. Galler und Zürcher diesen Wettlauf gewonnen haben, mag zum Teil zufällig sein – der Erfolg hängt aber auch mit der besonderen Innovationsfreude und der typisch ostschweizerischen Eigenschaft der Beharrlichkeit zusammen.

Harziger Start

Die Geburtsstunde fiel in eine Zeit, in der noch keine PC in den Pflegestationen standen und vieles kaum vorstellbar war, das heute selbstverständlich ist – beispielsweise die Verarbeitung enormer Datenmengen. «Der Start verlief harzig», sagt Hans Leuenberger, einer der Männer der ersten Stunde und heute Verwaltungsratspräsident der LEP AG, welche das System vermarktet. In St. Gallen und Zürich wurden 1988 Arbeitsgruppen eingesetzt, Abklärungen und Literaturrecherchen geleistet sowie Studien in den USA durchgeführt. Der heutige Geschäftsführer der LEP AG, Ulrich Bamert, leitete damals zusammen mit Professor Ch. Maeder und einer Zürcher Kollegin die ersten Pilotstudien. Rückblickend sagt er: «Es brauchte sehr viel Vorarbeit – gegen fünf Jahre haben wir im <stillen Kämmerlein> gearbeitet.» Dass die Vorarbeiten im stillen geleistet worden sind, hat nicht zuletzt damit zu tun, «dass es allen Beteiligten sehr wohl bewusst war, welche Konsequenzen und Zündstoff ein solches Instrument haben könnte», sagt Ulrich Bamert rückblickend.

Heute macht die Firma mit 160 Spitälern in der Schweiz, 50 in Deutschland und 5 in Österreich 1,3 Mio. Franken Umsatz und bezahlt 5 Prozent Dividende auf das Aktienkapital von 200 000 Franken. Hans Leuenberger – in seiner Hauptfunktion CEO des Kantonsspitals St. Gallen – sagt es nicht ohne Stolz: Für ein öffentliches Spital sei es besonders schwierig, innovativ zu sein. Das Kantonsspital hat allerdings immer wieder Innovationen hervorgebracht und Pilotprojekte umgesetzt. Das Kantonsspital St. Gallen ist Hauptaktionärin der LEP.

Erstaunliche Erkenntnisse

Schon die ersten Erhebungen in mehreren Spitalstationen brachten Erkenntnisse, die Fachleute nicht unbedingt erwartet hatten: Beispielsweise, dass 29 Prozent der Patientinnen und Patienten einen Pflegeaufwand von lediglich einer Stunde oder weniger verursachen oder dass der Belastungsindex der Pflege nicht mit der Bettenbelegung korreliert.

Dafür zeigte sich rasch, dass ein solches Erfassungssystem als Führungsinstrument taugt, weil es die Strukturierung von Pflegeabläufen ebenso ermöglicht wie die Steuerung von Pflegeaufwand, um eine gleichmässigere Arbeitsverteilung zu erreichen, effiziente Stationsgrössen zu bestimmen oder die Zusammenarbeit und Absprachen mit andern Diensten zu verbessern.

Nicole Mösli, Leiterin des Departements Pflege, bestätigt den Wert des LEP für ihre Arbeit: «Das System ermöglicht es uns, das Pflegepersonal und dessen spezifisches Wissen gezielter einzusetzen und die Arbeit gerechter zu verteilen. Darüber hinaus zeigen die monatlichen Auswertungen der Daten, ob alles optimal läuft oder ob es Veränderungen gibt, denen wir auf den Grund gehen müssen, weil auf Anhieb keine Plausibilität erkennbar ist.»

Das System erfasst aber nicht nur alle Arbeitsschritte mit dem entsprechenden Aufwand, sondern auch den sogenannten C-Wert. Unter diesen fallen Tätigkeiten, die nicht direkt dem Patienten verrechnet werden können, die aber unter anderem für das Klima auf einer Station und das Wohlbefinden von Pflegenden und Patienten wichtig sind. Wenn dieser C-Wert zwischen 25 und 35 Prozent der gewichteten Personalzeit ausmacht, ist das ein Hinweis, dass es sich um eine «normal ausgelastete, gut organisierte Bettenstation» handelt.

Für die Zukunft gerüstet

Die von Praktikern der Krankenpflege ausgearbeitete, wissenschaftlich fundierte Methode ist laufend weiterentwickelt worden. Die jüngste Generation ist eine Weiterentwicklung für die elektronische Pflegedokumentation, die immer mehr Länder verlangen.

Auch für die angestrebte Neuerung bei den Spitalabrechnungen mit diagnosebezogenen Fallpauschalen (SwissDRG) ist das LEP-System gut vorbereitet: Im offiziellen Beschluss wird LEP als einer der Standards aufgeführt. Hans Leuenberger: «Mit unserem System können wir künftig die Kosten aufwandgerecht in Rechnung stellen.»

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