Eine Chefin, zwei Kulturen

Die Altersheime Espel und Schwalbe gehören auf dem Papier längst zusammen. Wegen Startschwierigkeiten war die gemeinsame Leitung aber bisher nur Übergangslösung. Dies soll sich ändern.

Noemi Heule
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Die Bewohner des Altersheims Espel ziehen voraussichtlich 2020 vom Stadtrand ins Gossauer Zentrum. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die Bewohner des Altersheims Espel ziehen voraussichtlich 2020 vom Stadtrand ins Gossauer Zentrum. (Bild: Hanspeter Schiess)

Noemi Heule

noemi.heule

@tagblatt.ch

Nein, es war keine Liebesheirat zwischen dem Espel und der Schwalbe, den beiden Alterszentren der Sana Fürstenland. Kathrin Hilber, Verwaltungsratspräsidentin der Sana Fürstenland, spricht im Geschäftsbericht 2016 denn auch von einem «Jahr, das Gelingen und Scheitern vereint». Gelungen seien insbesondere die Vorarbeiten zum Gestaltungsplan, der im Mai öffentlich auflag (siehe unten). Noch nicht am Ziel sei man hingegen damit, die beiden Unternehmenskulturen zu vereinen.

Kathrin Hilber möchte den Blick aber nicht auf Startschwierigkeiten richten, sondern auf die Zukunft. Sie sagt: «Wir nehmen nun einen neuen Anlauf.» Dieser Anlauf hat einen Namen: Ursina Girsberger. Die 38-Jährige soll die Verbindung mit einem Jahr Verspätung in eine intakte Beziehung überführen. Der Verwaltungsrat der Sana Fürstenland AG hat sie zur neuen Geschäftsleiterin ernannt. Sie tritt ihre Stelle im Oktober an. Von Stand Null muss Ursina Girsberger nicht starten. «Es wurde bereits viel Vorarbeit geleistet», sagt Kathrin Hilber. Interimistisch übernahm Verwaltungsrätin Monika Wohler im vergangenen Herbst die Unternehmensleitung. Diese Doppelrolle kann sie nun aufgeben. Dennoch: «Die beiden Kulturen zu vereinen ist eine Herausforderung», sagt Hilber.

Schulterschluss am ­Schreibtisch beschlossen

Ein politischer Entscheid führte die beiden Heime am Schreibtisch zusammen. «Ein Entscheid, der richtig war», sagt Hilber. Nun gelte es, auch die beiden Unternehmenskulturen zu vereinen – jene des Espels, einem städtischen Heim und jene der Schwalbe, die aus einem Zweckverband aus fünf Gemeinden entstand.Vorerst bleiben die Heime räumlich auf Distanz, ab 2020 sollen sie im neuen Alterszentrum auf dem Andreasareal im Zentrum von Gossau unter ein Dach zusammenziehen. Die beiden Atersheime Espel und Schwalbe werden geschlossen.

Auf die neue Führungsperson der beiden Altersheime warteten nicht nur Herausforderungen, sondern auch viel Gestaltungsspielraum und eine spannende Aufgabe, sagt Kathrin Hilber. Sie ist sich sicher: «Wäre ich jünger, ich hätte mich sofort beworben.» Ursina Girsberger bringe alle nötigen Erfahrungen mit: «Sie hat bereits saniert und fusioniert.» Girsberger selbst sagt: «Ich bringe einen grossen Rucksack mit.» Sie sei bereit, diesen schwierigen und emotionalen Prozess zu begleiten.

Heimkehr in die Ostschweiz

Für sie persönlich, die momentan ein Alterszentrum in Winterthur leitet, bedeutet die neue Aufgabe auch eine Heimkehr. Ursprünglich aus Heiden, wohnt sie seit längerem wieder in ihrem Heimatort. Nun übersiedelt sie auch beruflich in die Ostschweiz.

Einsprache gegen Altersheim

Bis Ende Mai lag der Gestaltungsplan für das Alterszentrum der Sana Fürstenland im Zentrum von Gossau auf. Während der einmonatigen Frist ging eine Einsprache ein. Verwaltungsratspräsidentin Kathrin Hilber hofft, dass die Stadt Gossau diese so schnell als möglich behandelt. Es liege auch im Interesse der Stadt, dass die Planung voranschreitet, sagt sie und fügt an: «Wir stehen bereit.» Gespräche mit möglichen privaten Investoren für das Millionenprojekt seien derzeit «lauwarm». «Um Verträge zu fixieren, müssen wir wissen, wie es weitergeht.»

Der grobe Zeitplan sieht vor, dass die Bauphase noch 2018 startet. Zwei Jahre später soll das neue Alterszentrum auf dem Andreasareal Eröffnung feiern. Der zweigeteilte Bau umfasst nebst einem Pflegetrakt mit rund 100 Betten auch einen Gebäudeteil mit 25 betreuten Alterswohnungen. (nh)