Eine Busse ist ärgerlich, aber kein Desaster

Wer wegen überhöhter Geschwindigkeit geblitzt wird, ärgert sich. Wenn es nach subjektivem Ermessen auch noch unfair war, neigen Autofahrer verständlicherweise dazu, alle Heiligen vom Himmel herunter zu fluchen. Denn Bussen können eine schmerzhafte Lücke im Portemonnaie hinterlassen.

Elisabeth Reisp
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Wer wegen überhöhter Geschwindigkeit geblitzt wird, ärgert sich. Wenn es nach subjektivem Ermessen auch noch unfair war, neigen Autofahrer verständlicherweise dazu, alle Heiligen vom Himmel herunter zu fluchen. Denn Bussen können eine schmerzhafte Lücke im Portemonnaie hinterlassen.

Dass sich die Polizei manchmal wie mittelalterliche Wegelagerer gebare, wird ihr immer wieder vorgeworfen. Ein Beispiel waren die Geschwindigkeitskontrollen der Kantonspolizei im Frühling 2014 auf der Stadtautobahn. Autofahrer beschwerten sich, dass in ungewöhnlicher Häufigkeit die Höchstgeschwindigkeit von 100 auf 80 Stundenkilometer gedrosselt worden war und dabei noch eifrig geblitzt wurde. Ist der Blitzer beim Kantonsspital ebenfalls nur eine Schikane für den Autofahrer? Nein. Jedenfalls nicht mehr als jeder andere Blitzkasten.

Wer notfallmässig ins Spital fährt, sei es, weil ein Schwerverletzter auf dem Rücksitz um sein Leben kämpft, oder weil ein Familienmitglied mit Herzstillstand eingeliefert wurde, hat es sehr eilig. Und wer es sehr eilig hat, ist schon auf der Hauptstrasse zu schnell, genauso wie auf der Autobahn. Somit sind alle Radarkästen, die sich zwischen Haustür und Kantonsspital befinden, ärgerlich. Auf den einzelnen Blitzer beim Kantonsspital zu zielen, ist daher müssig. Zumal dieser nicht einmal an einer der Zufahrten zur Notaufnahme steht. Vielmehr sollte das System der Nulltoleranz hinterfragt werden. Etwas mehr Kulanz in nachweisbaren Härtefällen stünde der Polizei und den Richtern gut an.

Dennoch gilt: Wer zu schnell fährt, auch wenn es sich um einen absoluten Notfall handelt, riskiert immer eine Busse, den Verlust des Führerausweises oder gar einen Unfall. Wer mit einer halsbrecherischen Fahrt in die Notaufnahme ein Leben gerettet hat, für den ist der Verlust eines Führerausweises aber bestimmt ein kleines Opfer. Eine läppische Busse sowieso. Unbezahlbar zudem das Glück, niemanden mit seiner Fahrt verletzt zu haben.

elisabeth.reisp@tagblatt.ch