«Eine Braut, die auf Stütz hofft»

Lukas Reichle von der CVP Rorschach und CVP-Kantonsrätin Monika Lehmann diskutierten am Podium vom Montag über die Plus-Minus-Initiative. Im Rededuell kämpften die beiden nicht nur mit Argumenten, sondern auch mit Emotionen.

Linda Müntener
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Unter der Leitung von Moderatorin Gisela Tobler (Mitte) diskutieren Monika Lehmann und Lukas Reichle über die Plus-Minus-Initiative. (Bild: Linda Müntener)

Unter der Leitung von Moderatorin Gisela Tobler (Mitte) diskutieren Monika Lehmann und Lukas Reichle über die Plus-Minus-Initiative. (Bild: Linda Müntener)

RORSCHACH. Es ist heiss im «Treppenhaus». Und so voll, dass jene, die zuletzt kommen, am Rand und hinten im Raum stehen müssen. Das Interesse an der ersten Podiumsdiskussion zur Grundsatzabstimmung über eine mögliche Fusion von Goldach, Rorschacherberg und Rorschach ist gross: Rund 80 Leute sind am Montagabend in die Café Bar Treppenhaus in Rorschach gekommen. Unter der Leitung der freien Journalistin Gisela Tobler liefern sich Lukas Reichle (CVP Rorschach) als Befürworter und CVP-Kantonsrätin Monika Lehmann als Gegnerin der Plus-Minus-Initiative einen hitzigen Schlagabtausch.

Das Geld im Mittelpunkt

Nach dem Einstiegsreferat von Andwils Gemeindepräsident Dominik Gemperli betont Monika Lehmann, dass sie «keine absolute Fusionsgegnerin» sei. Es gebe jedoch weitaus bessere Formen der Zusammenarbeit. Als Beispiel nennt die Rorschacherbergerin einen Gemeindeverbund. Dieser verpflichte die Gemeinden zwar zur Zusammenarbeit, dennoch behalte jede ihre Verwaltung, ihre Projekte. «Und ihren Steuerfuss?», wirft Moderatorin Gisela Tobler ein und bringt damit die Ängste der Fusionsgegner auf den Punkt. Denn das Geld steht am Montagabend im Zentrum der Diskussion. Rorschach stehe heute im Finanzausgleich, sagt Lehmann. Diese finanzielle Unterstützung des Kantons würde bei einer Fusion wegfallen. Sie geht von einem Steuerfuss von 130 Prozent aus. Allein bei einem Ja zur Grundsatzabstimmung müssen die Räte eine Fusion vollständig vorbereiten. Geschätzter Kostenpunkt: 500 000 Franken. «Geld, das wir lieber in Projekte investieren sollten», findet Lehmann. Reichle entgegnet, dass 240 000 Franken der Kanton übernehmen und der Rest auf die drei Gemeinden aufgeteilt würde. «Es ist eine kleine Rechnung», sagt er und versetzt seiner Kontrahentin einen Seitenhieb: «Aber auch die kann man falsch machen.»

«Offenheit für Erkenntnisse»

Falsch ist es laut Reichle auch, zum jetzigen Zeitpunkt bei Diskussionen um Zahlen hängenzubleiben. «Ich verstehe die Ängste», sagt er. «Doch was wir jetzt tun, ist nichts als Kaffeesatz lesen. Gerade deshalb brauchen wir Fakten.» Spontanapplaus. Der Befürworter der Initiative fordert «Offenheit für viele Erkenntnisse». Diese Erkenntnisse habe man bereits, kontert Lehmann und verweist auf die Abstimmung über die Prüfung einer Vereinigung von Rorschach und Rorschacherberg im Jahr 2008. Rorschacherberg erteilte Rorschach damals eine Absage. «Ich vertrete lediglich, was die Bürger schon damals äusserten», sagt sie und vergleicht Rorschach mit einer Braut, die auf einen reichen Bräutigam «mit Stütz» hofft. «Und ihn nur wegen des Geldes heiraten will.» Dem widerspricht Reichle vehement. Er habe Herzblut für die Region und sehe die Grundsatzabstimmung als grosse Chance, um aus einem gemeinsamen Funktionsraum auch einen gemeinsamen Entscheidungsraum zu machen. «Wir können alle voneinander profitieren.»

«Langfristig als Region sehen»

Nicht nur Reichle spricht sich positiv für eine Fusion aus. Auch die Mehrheit der Leute, die sich nach der Podiumsdiskussion zu Wort melden, befürworten eine «Stadt am See». «Es scheint so, als stimmte man am 18. Mai bereits über die Fusion ab», fasst Moderatorin Gisela Tobler die Emotionen zusammen. Ein Votant aus dem Publikum entgegnet: «Langfristig müssen wir uns als Region sehen. Und diese ist eben nur so stark wie das schwächste Glied.»

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