Eine Bratwurst für Veganer

Veganes Essen liegt im Trend. Auch in der Stadt St. Gallen steigt die Zahl der Lokale langsam an, die vegane Gerichte anbieten: Vom Burger über die Bratwurst bis zum Apfelstrudel und Schoggi-Glace – alles ohne tierische Produkte.

Christina Weder
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Die Piadineria und Cafeteria Rimini am Spisertor.

Die Piadineria und Cafeteria Rimini am Spisertor.

In der Rondelle auf dem Marktplatz bestellt Véronique Glauser Falafel: «Vegan, bitte.» Seit fünf Jahren verzichtet sie auf tierische Produkte. Ethische Gründe hätten sie dazu bewogen, sagt sie. «Für mich ist das kein Verzicht.» Schwierig wird es allerdings, wenn sie auswärts essen will. Dann steht meist kaum etwas auf der Speisekarte, was sie essen kann. In vielen gutbürgerlichen Restaurants bleibe ihr nichts anderes übrig, als Kartoffeln zu bestellen. «In St. Gallen hinkt das Angebot für Veganer hinterher», sagt Glauser, die Mitglied der Veganen Gesellschaft und Swissveg ist. «Aber es wird langsam besser.»

Veganes Angebot wird grösser

Tatsächlich liegt Veganismus im Trend, auch wenn es sich um eine Minderheit handelt, die strikt vegan lebt (siehe Box). In der Buchhandlung Rösslitor füllen Kochbücher zum Thema ganze Regale. Und die Zahl der Lokale in der Stadt, die veganes Essen anbieten, steigt langsam an.

Eines der ersten war das Restaurant «Schwarzer Engel» in der Engelgasse. Seit einem Jahr haben die Gäste jeweils am Freitag die Wahl zwischen einem vegetarischen und einem veganen Gericht. Vergangene Woche kam etwa «Basmatireis mit süss-saurer Erdnusssauce und dreifarbigem Mangold» auf den Tisch. «Früher kochten wir freitags Bodenseefische», sagt Vincent Heeb vom «Schwarzen Engel». Als am Bodensee ein Fischnotstand drohte, habe man das Fischmenu durch das vegane Gericht ersetzt. «Der Wechsel kam nicht bei allen Gästen gut an.» Mittlerweile trifft sich der Vegan-Stammtisch im «Schwarzen Engel» – und alternierend im Restaurant Dreilinden.

Dort, an bester Aussichtslage über der Stadt, serviert Geschäftsführer Peter Inauen nicht nur Steaks, Schnitzel und Entrecôte, sondern auch eine «Bratwurst für Veganer», die sich als würzig gekochtes Rüebli an Zwiebel-Gemüsesauce mit Rösti entpuppt. Seit Mai stehen fix sieben vegane Gerichte auf der Sommerkarte. Die steigende Nachfrage habe ihn dazu gebracht, sagt Inauen, selbst Fleischesser: «Es läuft besser, als wir es uns erträumt hatten.» Besonders beliebt seien der Quinoa-Salat und der Kohlrabibraten. Inauen tüftelt gerne an neuen Rezepten und stöbert Alternativprodukte auf. Vegan zu kochen, sei für ihn Neuland gewesen.

Beim Inder, Ägypter, Italiener

Seit zwei Monaten bietet auch das «Lokal» in der Lokremise ein wöchentlich wechselndes Mittagsmenü für Veganer an. Einen veganen Burger isst Veganerin Véronique Glauser im Restaurant Stickerei am Oberen Graben. Gerne kehrt sie auch beim Inder an der Engelgasse ein oder isst Falafel beim «Nilimbiss» in der Rondelle am Marktplatz. Dort bietet Ägypter Ismail Hamdy seit Januar ausschliesslich vegetarisches und veganes Essen an – unter anderem einen eigens erfundenen «St. Gallen-Knödel».

Eine Selbstverständlichkeit ist das vegane Angebot für Mirjana von Flotow. Sie führt seit vier Jahren die italienische Piadineria und Cafeteria Rimini am Spisertor. Dort füllt und belegt sie Piadine, dünnes italienisches Fladenbrot. Vegane Kombinationen seien oft die besten, sagt sie: «In Italien ist es ganz normal, Brot mit Olivenpaste und grilliertem Gemüse aufzutischen.» Seit zwei Jahren kennzeichnet sie die veganen Gerichte auf der Speisekarte. Das kommt bei den Gästen gut an. Sie bäckt auch veganen Apfelstrudel, Guezli und Kuchen. Und schäumt auf Wunsch Sojamilch für den Cappuccino.

Glace auch für Allergiker

Vegane Dessertliebhaber werden auch im Eiscafé Gekko an der Engelgasse fündig. Dort besteht fast die Hälfte des Sortiments aus veganen Glace-Sorten. Neu steht ein veganes Schokoladeneis zur Auswahl. Inhaberin Daniela Springer hat Rezept für Rezept umgestellt, nachdem sie festgestellt hat, dass veganes Essen immer aktueller wird. Und dass viele ihrer Kunden Allergiker sind. «Wir zielen auch auf Gäste mit Laktose-Intoleranz.»

Eines sei auf jeden Fall zukunftsträchtig, sagt sie: «Dass man weiss, was im Essen drin ist, und das auch deklarieren kann.»

Das Restaurant Dreilinden über der Stadt.

Das Restaurant Dreilinden über der Stadt.

Das Eiscafé Gekko an der Engelgasse.

Das Eiscafé Gekko an der Engelgasse.

Der Nilimbiss von Ismail Hamdy auf dem Marktplatz. (Bilder: Christina Weder)

Der Nilimbiss von Ismail Hamdy auf dem Marktplatz. (Bilder: Christina Weder)

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