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Eine Band im Bau

Seit zehn Jahren sind Herr Bitter aktiv und spielen ihren «Splatter-Pop». Die St. Galler Band gibt sich mit ihren Songs nur selten zufrieden und entwickelt sie ständig weiter. Ihr neues Album taufen Herr Bitter am Kulturfestival.
Roger Berhalter
Seit zehn Jahren im Proberaum, seit kurzem zu fünft: Die St. Galler Band Herr Bitter mit Sänger Sascha Tittmann (mit Glatze). (Bild: pd)

Seit zehn Jahren im Proberaum, seit kurzem zu fünft: Die St. Galler Band Herr Bitter mit Sänger Sascha Tittmann (mit Glatze). (Bild: pd)

«Herr Bitter is under construction.» So heisst es derzeit auf der Webseite der St. Galler Band, und es könnte auch ihr Leitspruch sein. Denn Herr Bitter sind nie fertig, nie zufrieden, immer «under construction», also noch «im Bau». Vor zehn Jahren begannen sie als Duo und sind seither ständig gewachsen. Heute spielen sie zu fünft: Jan Geiger am Schlagzeug, Benjamin Müller am Keyboard, Thomas Peruzzetto am Bass, Fabian Müller an Gitarre und Keyboard. «Alle sind zu hundert Prozent gleichberechtigt», betont Sascha Tittmann, der Fünfte im Bunde, der singt, Gitarre spielt und die Texte schreibt.

Die Songs der Band befinden sich ebenfalls ständig «im Bau». Das zeigt exemplarisch die Entstehungsgeschichte des neuen Albums «The Tide». «Wir waren vor zwei Jahren schon einmal parat, die Songs waren fertig», erzählt Tittmann. «Doch beim Hören des Albums war ich nicht zufrieden.» Also gingen Herr Bitter noch einmal über die Bücher, löschten fixfertig Klangspuren, bauten Refrains um, nahmen Gitarren neu auf. Manche Songs gab es schliesslich in 15 Versionen. «Man könnte ewig weitermachen», sagt Tittmann.

Synthesizer als sicherer Wert

Doch nun sind die Songs fertig. Von insgesamt 30 haben es 16 auf das neue, dritte Album von Herr Bitter geschafft. «The Tide» heisst es, und die Band treibt darauf ihren «Splatter-Pop» weiter, stets in der Tradition der frühen 80er-Jahre, der «Zeit der grossen Melodien», wie es Sascha Tittmann nennt. Er ist ein Kind der 80er, deshalb überrascht es nicht, dass «The Tide» stellenweise an die Talking Heads erinnert und dass man um die nächste Ecke The Cure zu hören meint.

Sänger Tittmann raunt tief und sonor, kann aber auch in den höchsten Tönen jammern. Nie weiss man bei den vertrackten, oft sprunghaften Arrangements, was als nächstes passiert. Nur die Synthesizer sind bei Herr Bitter ein sicherer Wert; das Quintett spielt auch live mit bis zu vier Keyboards. «Wir bekommen deswegen oft zu hören: Das könnt ihr doch nicht machen!», sagt Tittmann und lacht.

Die Regeln kennen und brechen

Genre-Konventionen kümmern ihn wenig. Der 41-Jährige liebt es, Regeln zu brechen, davon handelt auch der Song «Know The Rule». Herr Bitter liebäugeln auch weder mit Radio noch Hitparade, dafür sind ihre Songs zu düster und zu sperrig. «Wir bedienen uns beim Pop, wollen aber für das Publikum nicht allzu anschmiegsam sein», sagt Tittmann und holt zu einem Monolog über die Zugänglichkeit von Musik aus. «Was bedeutet das schon? Das neue Album von The Knife kann man kaum hören, aber ich liebe es! Umgekehrt klingt das neue von Blur sehr zugänglich, da ist aber auch sehr viel Unbehagen drin.»

Wie ein Goldfisch im Glas

Viel Unbehagen steckt auch in den Texten von Herr Bitter, darauf verweist nicht zuletzt der Bandname. Das Leben ist bitter, und die Texte handeln von den Konflikten, die jeder aus dem Alltag kennt: global versus lokal, kommerziell versus idealistisch, einsam versus vernetzt. «Wir vertreten eine kritische Haltung, wenn auch nicht im politischen Sinn», sagt Tittmann. Wobei man einiges durchaus politisch verstehen kann. Der Song «Small Bowl» zum Beispiel handelt von einem Goldfisch im Glas. «Ein schönes Bild von der Schweiz: Abgegrenzt, wohlbehütet, mit schönem Ausblick – aber wehe, jemand streckt den Finger hinein und wirbelt das Wasser auf.»

Herr Bitter ist kein Studioprojekt, sondern eine Band, die probt. «Wir spielen das Zeug live!», sagt Tittmann und verweist stolz auf die 120 Konzerte der letzten Jahre. Auf der Bühne würden sich auch die Songs verändern – selbst wenn sie schon fertig aufgenommen seien. «Reif wird ein Song nach etwa vier Auftritten. Erst dann sieht man, was wirklich funktioniert.»

So gesehen, sind Herr Bitter auch am Kulturfestival wieder «under construction»: Dort wird das Quintett mit Gastmusikern die neuen Stücke zum ersten Mal live spielen. Und auch die Webseite wird in den nächsten Tagen fertig werden – vorläufig.

Albumtaufe «The Tide» Sa, 4.7., 20.00 Kulturfestival im Stadtpark (Innenhof Historisches und Völkerkundemuseum).

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