Eine AG für die Senioren

Die Abstimmung über den Steuerfuss gibt zu reden. Jene über die Gründung der SanaFürstenland AG hingegen kaum. Sie ist aber mindestens ebenso bedeutend.

Rafael Rohner
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Das Regionale Pflegeheim Gossau soll ab 2014 von der gemeinnützigen SanaFürstenland AG geführt werden. (Bild: Coralie Wenger)

Das Regionale Pflegeheim Gossau soll ab 2014 von der gemeinnützigen SanaFürstenland AG geführt werden. (Bild: Coralie Wenger)

GOSSAU. Bis zur Abstimmung über die SanaFürstenland AG am 3. März war es ein weiter Weg. Doch er scheint sich gelohnt zu haben: Nach langwierigen Verhandlungen und einigen Umwegen können Stadtrat und Parlament dem Stimmvolk eine breitabgestützte Vorlage für die künftige Seniorenbetreuung präsentieren. Das Stadtparlament hat die Gründung der gemeinnützigen SanaFürstenland AG einstimmig gutgeheissen. Kritische Stimmen zum Vorhaben sind bislang ausgeblieben.

Neubau geplant

Die neue Aktiengesellschaft soll die Leitung des Altersheims Espel und des Regionalen Pflegeheims übernehmen. Diese beiden Heime sind seit längerem sanierungsbedürftig. Die Kosten einer umfassenden Erneuerung wären aber mindestens so hoch wie bei einem Neubau. Deshalb hat die SanaFürstenland AG den Auftrag, mittelfristig an einem zentralen Standort in Gossau 90 bis 100 neue Betten für die Pflege von Senioren zu schaffen. Für einen Neubau sind bereits fünf Standorte im Gespräch: Das Tipper-Tie-, das Rosenau- und das Buechenwald-Areal. Weiter in Frage kommen gemäss Stadtrat das Andreaszentrum und das Grundstück Koller bei der Migros.

Der Stadtrat schätzt die Kosten des Neubaus auf etwa 34 Millionen Franken. Die Mittel dafür sollen einerseits aus dem Kapitalmarkt beschafft werden, anderseits durch Darlehen der beteiligten Gemeinden. Für Gossau ist für die Gründung und ein Darlehen ein Betrag von neun Millionen Franken vorgesehen. Die Höhe dieses Betrags ist der Grund, weshalb über das Vorhaben abgestimmt werden muss. Gossau muss die geplanten Investitionen jedoch nicht alleine tragen. Beteiligt sind auch die Gemeinden Andwil, Gaiserwald, Niederbüren und Oberbüren. Für die Gründung der AG ist demzufolge später auch die Zustimmung dieser Gemeinden erforderlich.

Private können Aktien zeichnen

Bei der Gründung einer Aktiengesellschaft denken viele zuerst an Profitmaximierung oder Privatisierung. Bei vorliegendem Projekt ist beides nicht der Fall. 90 bis 100 Prozent der Aktien sollen die genannten Gemeinden zeichnen. Bis zu zehn Prozent der Aktien sind für private Personen reserviert. Mit dieser Massnahme will das Parlament die AG besser in der Bevölkerung abstützen. Werden allerdings weniger als fünf Prozent der Aktien durch Private gezeichnet, übernehmen die Gemeinden das gesamte Aktienpaket. Die Aufteilung der Aktien ist wie folgt vorgesehen: Andwil, Gaiserwald, Niederbüren und Oberbüren zeichnen je fünf Prozent der Aktien, Gossau 80 Prozent. 70 Prozent wären es für Gossau, wenn Private zehn Prozent zeichnen würden. Die SanaFürstenland AG wird gemäss Stadtrat ausdrücklich als gemeinnützig AG gegründet. Das heisst, Dividenden dürfen erst dann ausgeschüttet werden, wenn die Darlehen zurückgezahlt sind. Die Vorteile einer AG seien unter anderem flexiblere Strukturen und schnellere Entscheidungswege. Klappt alles wie geplant, kann die SanaFürstenland AG Anfang 2014 starten.

Bild: RAFAEL ROHNER

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