Eine Ära geht zu Ende

ST.GALLEN. Stadtparlamentarier aus der Baubranche bedauern, dass Bausekretär Fredi Kömme nach 25 Jahren in Pension geht. Sein Nachfolger sei eine gute Lösung. Der Wechsel sei auch eine Chance, frischen Wind in die Bauverwaltung zu bringen.

David Gadze
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Der Noch-Bausekretär und sein Nachfolger: Ende Jahr übergibt Fredi Kömme (links) seinen Posten an Matthias Fuchs. (Bild: David Gadze)

Der Noch-Bausekretär und sein Nachfolger: Ende Jahr übergibt Fredi Kömme (links) seinen Posten an Matthias Fuchs. (Bild: David Gadze)

Ende Jahr geht eine Ära zu Ende: Nach 25 Jahren als Sekretär der Direktion Bau und Planung tritt Fredi Kömme in den Ruhestand. Kömme arbeitet seit 1978 in der Bauverwaltung. Er begann als Praktikant, arbeitete nach dem Abschluss des Studiums in Staatswissenschaft und öffentlichem Recht an der Universität St.Gallen als juristischer Mitarbeiter und danach als Vize-Bausekretär, ehe er 1990 den Posten als «rechte Hand» der jeweiligen Baudirektoren und -direktorinnen übernahm. Sein Nachfolger wird Matthias Fuchs, der seit 2008 Leiter der Abteilung Strassenplanung im Tiefbauamt der Stadt St.Gallen ist. Fuchs hat ein Studium als Bauingenieur abgeschlossen und beendet im kommenden Jahr das Studium in Rechtswissenschaften.

Ein «Archiv» verschwindet

Die Reaktionen der Stadtparlamentarier aus der Baubranche sind einhellig: Mit dem Ausscheiden von Kömme aus der Bauverwaltung geht nicht nur eine Menge Erfahrung, sondern auch viel Wissen verloren. Heini Seger (SVP), Inhaber eines Ingenieurbüros für Hoch- und Tiefbau, spricht davon, dass mit Kömme auch ein «lebendes Archiv der städtischen Baugeschichte» verschwinde. «Er hat nicht nur ein grosses Fachwissen, sondern weiss auch detailliert über Bauvorhaben Bescheid, die selbst Jahre zurückliegen.» Kömme sei immer eine gute Ansprechperson gewesen und stets neutral geblieben. «Er hat nie selber Stellung bezogen, seine Einschätzungen waren aber oft eine wertvolle Hilfe.»

Ähnlich tönt es auch von Doris Königer (SP), Architektin und Präsidentin der Baukommission. Kömme sei «total sattelfest» und verfüge nicht nur über viel Know-how, sondern auch über ein sehr gutes Erinnerungsvermögen, gerade zu Bauprojekten und Verfahren.

Oft Konsens erreicht

Auch Werner Kühne (FDP), Geschäftsführer eines Bauunternehmens, würdigt den abtretenden Bausekretär für seine Kompetenz in Baufragen. Und Architekt Daniel Stauffacher (CVP) betont, Kömme habe oft vermittelnd gewirkt. Dank der «fundierten Kenntnis der Materie» erreiche er auch in schwierigen Situationen einen Konsens.

«In der Erfahrung besteht aber auch die Gefahr stets dieselben Denkmuster und Lösungswege anzuwenden», sagt Stauffacher. Mit Matthias Fuchs bestehe die Chance, frischen Wind und eine andere Denkweise in die Direktion zu bringen. Er sei allenfalls etwas näher bei den Planern als bei den Juristen und könne den Anliegen der Baufachleute besser folgen. Das sieht auch Heini Seger so: Es sei ein Vorteil, dass Fuchs nicht «bloss» Jurist, sondern auch Bauingenieur sei.

Dem Nachfolger Zeit geben

Die befragten Stadtparlamentarier befürchten nicht, dass der 35-Jährige für den Posten als Bausekretär zu unerfahren sei. «Natürlich wird er Zeit brauchen, um sich einzuarbeiten. Aber diese Zeit muss man ihm geben», sagt Seger. Fuchs bringe «den richtigen Rucksack» mit und kenne die Bauverwaltung. Ähnlich argumentiert Werner Kühne: «Aufgrund seiner Ausbildung und seines Hintergrunds wird die Anlaufzeit wohl kurz sein.»

Doris Königer stellt zumindest in Frage, ob eine «stärkere rechte Hand» für Stadträtin Patrizia Adam nicht die bessere Wahl gewesen wäre. Sie sieht es aber ebenfalls als Vorteil an, dass Fuchs die Bauverwaltung kennt und ein Stadtsanktgaller ist. Der Wechsel sei ausserdem die Chance, künftig auch bei Tiefbauprojekten wie beispielsweise dem Kreisel am Spisertor mehr Partizipation zu erreichen. Heini Seger sieht das anders: Über Einbezug der Betroffenen und der Politik müsse der zuständige Stadtrat entscheiden.