Eindrückliche Ausstellung: Gerahmte Kunst der armen Leute

Die Wohnung mit Bildern zu verschönern hat eine lange Tradition. Kleinbauern, Seidenweber, Taglöhner und Fabrikarbeiter hatten sich als arme Leute mit gerahmten Drucken zu begnügen. Das Museum Wolfhalden zeigt derzeit solche Exponate in der aktuellen Ausstellung.

Peter Eggenberger
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Jedes Bild mit eigener Geschichte, die Ernst Züst gerne erläutert (hier das Schloss Chillon). (Bild: Peter Eggenberger)

Jedes Bild mit eigener Geschichte, die Ernst Züst gerne erläutert (hier das Schloss Chillon). (Bild: Peter Eggenberger)

wolfhalden. «Als Hochzeitsgeschenk erhielten meine Eltern eine sorgfältig eingerahmte Darstellung des Rheinfalls mit dem Schloss Laufen, die wahrscheinlich weniger als zehn Franken gekostet hat», erinnert sich eine alte Besucherin der Ausstellung im Museum Wolfhalden. Als Verkäufer von Bildern war Glaser Hans Züst in Heiden weit bekannt. «Aus seiner Werkstatt stammen einige der Exponate», erklärt Ernst Züst als Gründer und Betreuer des Museums Wolfhalden.

«Beliebt waren etwa die Tellskapelle, das Schloss Chillon am Genfersee, die Montblanc-Kette und der Staubbachfall im Lauterbrunnental.»

Rütlischwur aus Ravensburg

Ein heute zweifellos wertvolles Bild aus dem Jahre 1850 zeigt den Schwur der drei Eidgenossen auf dem Rütli. Es stammt aus dem Verlag «Merkel und Tobler» in Ravensburg.

«Wahrscheinlich war Tobler ein ausgewanderter Appenzeller, der seine Verwandten und Bekannten hin und wieder mit Bildern belieferte», vermutet Züst. Während und unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg kamen auch Porträts von General Guisan in Mode. Viele der heute über hundert Jahre alten Bilder wurden später als Kitsch belächelt und landeten auf Estrichen und später in Brockenhäusern oder auf Flohmärkten. Gekauft wurden sie meist wegen der kunstvoll verzierten Rahmen.

Dank der Sammlung von Ernst Züst konnte die Ausstellung realisiert werden, die in die bescheidene Welt unserer Vorfahren entführt.

Jeden Sonntag geöffnet

Das Museum Wolfhalden – mitten im Dorfzentrum – ist jeden Sonntag von 10 bis 12 Uhr offen. Für Gruppen sind jederzeit Besichtigungen der aktuellen Ausstellung und des Museums möglich. Anmeldungen an Ernst Züst unter der Telefonnummer 071 891 21 42. Der Eintritt kostet zwei Franken für Einzelpersonen. Eine Führung 50 Franken.

Weitere Informationen: www.museumwolfhalden.ch