EINDRINGLICH: Meisterin der Rekonstruktion

Die Multiinstrumentalistin Emily Wells kehrt morgen für ein Konzert in die Grabenhalle zurück. Auf der Bühne setzt die US-Musikerin ihre Songs neu zusammen.

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Sieht man Emily Wells live spielen, kann man kaum glauben, dass sie tatsächlich allein auf der Bühne steht. Die Sängerin, Performerin, Komponistin und Produzentin ist ein Einfrau-Orchester. Sie ist klassisch an der Violine ausgebildet, spielt aber zahl­reiche weitere Instrumente wie Gitarre, Schlagzeug, Beat-Maschine, Keyboards oder Glockenspiel. Nach ihren zwei fantas­tischen Auftritten im Jahr 2013 – das «Bullaugenkonzert» vor einer Handvoll Zuschauer war ihr erster Auftritt in der Schweiz überhaupt – kehrt sie morgen Abend in die Grabenhalle zurück. Inzwischen hat sie ein neues ­Studioalbum «Promise» sowie die EP «In The Hot» veröffentlicht, auf denen sie ihre Vielseitigkeit weiter perfektioniert hat.

Die Auftritte der 35-jährigen Musikerin aus Texas sind vor allem auch deshalb ein Erlebnis, weil sie eine Meisterin der Rekonstruktion ist. Auf der Bühne seziert sie ihre Songs bis in ihre Einzelteile und setzt sie dann Stück für Stück wieder zusammen. Sie jagt ein Instrument nach dem anderen durch die Loop-Maschine, fügt ihre eindringliche, mitunter geisterhafte Stimme sowie verschiedene Samples hinzu und kreiert so eine wunderbare Mischung aus Klängen und ­Geräuschen. Im Zentrum ihrer ­Stücke steht dabei immer die ­Melodie. So entsteht eine permanente Spannung, die live geradezu greifbar wird. Langeweile ist an ihren Konzerten jedenfalls ausgeschlossen.

David Gadze

david.gadze@tagblatt.ch

Emily Wells

morgen Do, 20.45, Grabenhalle;

Support: Gina Été