Einblicke in die Arbeitswelt

Sechs Firmen an der Säntisstrasse in Rorschach führten gestern gemeinsam einen Lehrlingstag durch. Rund 80 Schüler der Oberstufe konnten einen Blick in die verschiedenen Betriebe werfen.

Perrine Woodtli
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Die Lernende zeigt den Schülerinnen und Schülern, wie die Geräte in der Fuchs und Co. AG funktionieren. (Bild: Perrine Woodtli)

Die Lernende zeigt den Schülerinnen und Schülern, wie die Geräte in der Fuchs und Co. AG funktionieren. (Bild: Perrine Woodtli)

RORSCHACH. Für rund 80 Schüler der Oberstufe Rorschach wird es allmählich Zeit, sich für eine Berufsrichtung zu entscheiden. Um den zukünftigen Schulabgängern der Schulen Kreuzacker und Burghalde zu zeigen, welche Lehrberufe in Rorschach an der Säntisstrasse angeboten werden, brachte die Hagmann AG den Vorschlag, erstmals einen Lehrlingstag durchzuführen. Die anderen Betriebe schlossen sich der Idee an. Mit dabei sind nebst der Hagmann AG auch die Carl Franke AG, das Business House, die Fuchs und Co. AG, die Malerei Guerini und die Carl Franke Haustechnik AG. Auffällig war, dass die Berufe überwiegend für Knaben interessant waren.

Mit Pinsel, Spachtel und Kleber

In der Malerei Guerini herrscht am Freitagmorgen reger Betrieb. Von 8 bis 14 Uhr betritt jede Stunde eine neue Klasse die Werkstatt. Danilo Guerini von der Malerei Guerini und Farbenhaus informiert die Klasse über die Malerlehre. Währenddessen stehen die Jugendlichen verträumt herum, betrachten die vielen Farben und wechseln unruhig von einem Bein auf das andere. Dies bemerkt auch die Klassenlehrerin Elisabeth Krömler. «Die Schüler hören bereits den ganzen Morgen zu. Hinzu kommt, dass sie ausschliesslich stehen müssen. Das sind sie sich nicht gewohnt», sagt Krömler. «Die Konzentration lässt allmählich nach. Nach dem Mittag werden sie noch unruhiger sein.» Als Guerini von den vielfältigen Projekten der Firma erzählt und Vorher-Nachher-Bilder von heruntergekommenen Häusern zeigt, kehrt die Konzentration zurück. Die Schüler sind beeindruckt von den Veränderungen, welche das Team vollbracht hat. Erstaunlich, was ein wenig Farbe bewirken kann. Nach einem anschliessenden Rundgang dürfen die Schüler auch selbst Hand anlegen. Es wird konzentriert gespachtelt, mit dem Klebeband hantiert und natürlich auch gepinselt. Eine gerade Linie zu ziehen, ist gar nicht so einfach, wie sich herausstellt. Mit Tips und Tricks vom Meister funktioniert jedoch auch das.

Der Beruf Maler ist der einzige, der am Lehrlingstag vorwiegend Mädchen anspricht. Die anderen Berufe – Spengler, Mechanikpraktiker, Milchtechnologe, Sanitär und Heizungsinstallateur – sprechen wohl mehr die Knaben an. «Der Beruf Maler ist mit den Jahren immer mehr zum Frauenberuf worden. Heute ist es nicht selten, dass in den Berufsschulen 80 Prozent Frauen sind», bestätigt Danilo Guerini.

20 Prozent sind Frauen

Durchaus auch ein Beruf für Frauen ist Milchtechnologin. Trotzdem liege der Frauenanteil in den Betrieben bei etwa 20 Prozent. Die Klasse von Elisabeth Lüchinger wartet gespannt vor der Firma Fuchs und Co. AG. Markus Trachsel, der für die Lernenden verantwortlich ist, und eine Lernende, die sich im dritten Lehrjahr befindet, führen je eine Klassenhälfte durch die Fabrik. In den Hallen riecht es eigenartig. Aus den Rohren an den Wänden tropft Wasser. Gut, dass jeder einen weissen Umhang mit zugehöriger Haube erhalten hat. So mancher wäre jetzt wohl auch froh um ein solides Schuhwerk, denn der Boden ist nass und lässt so manche herumrutschen. Die Schüler lernen, wie die Milch vom Bauernhof schliesslich in die Tetrapackung gelangt und welche Schritte es dazu benötigt. Ebenso wird ihnen erklärt, wie Rahm, Butter, Quark und Joghurts hergestellt werden. Die Tatsache, dass pro Jahr rund fünf Millionen Liter und pro Tag 15 000 Liter Milch die Fabrik verlassen, erstaunt viele. Nach einer Stunde schlüpfen die Schüler wieder aus ihren Umhängen. Sie sind sichtlich müde, immerhin haben sie heute sechs Berufe näher kennengelernt.

Frauenberufe sind erwünscht

Ob der Lehrlingstag erneut durchgeführt wird, steht noch in den Sternen. «Ziel wäre es aber definitiv», sagt Elisabeth Lüchinger. Viele Schüler entdeckten einen Beruf, in dem sie gerne schnuppern würden. «Ob dies dann wirklich das Wahre ist, weiss man meistens noch nicht. Das ändert sich bei den Jungen sowieso jeden Tag», sagt Lüchinger. Sie findet es jedoch wichtig, dass im kommenden Jahr auch andere Berufe mit einbezogen werden. «Die Berufe waren im allgemeinen eher für die Knaben interessant.» Sie könne sich zum Beispiel vorstellen, nächstes Mal den HPV zu besuchen.

Der Lehrlingstag an der Säntisstrasse war mit Sicherheit nicht umsonst. Auch wenn nicht alle Schüler gleich ihren Traumberuf gefunden haben, weckte der eine oder andere Beruf das Interesse in einigen.

In der Malerei Guerini durften die Jugendlichen selber ausprobieren. (Bild: Perrine Woodtli)

In der Malerei Guerini durften die Jugendlichen selber ausprobieren. (Bild: Perrine Woodtli)