EINBLICK: Nächster Halt: Führerstand

Seit fast 40 Jahren ist Lokführer Thomas Ruprecht auf den Schienen unterwegs. Anfangs als Zugbegleiter, hat er sich später doch noch seinen «Bubentraum» verwirklicht und sitzt heute ganz vorne im Führerstand.

Christina Vaccaro
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Mit dem «Joystick» beschleunigt und bremst der Lokführer den Zug elektrisch. (Bild: Christina Vaccaro)

Mit dem «Joystick» beschleunigt und bremst der Lokführer den Zug elektrisch. (Bild: Christina Vaccaro)

Christina Vaccaro

christina.vaccaro@tagblatt.ch

Es ist schon etwas freudvolle Aufregung dabei, wenn man zum ersten Mal vorne beim Lokführer mitfahren darf. In zwei Minuten wird die S3 Thurbo-Regionalbahn von St.Gallen nach St.Margrethen am Bahnhof Rorschach Stadt halten. Die Bahn kommt, schnell noch ein Foto. Im ersten Waggon eingestiegen, öffnet Lokführer Ruprecht die Tür zum Führerstand. Dort ist es ganz schön eng, vielleicht sind es drei Quadratmeter. Zentral sitzt der 53-Jährige aus Lengwil im Kanton Thurgau am «Steuer». Mit seinem «Joystick» gibt er Gas – natürlich kein echtes, beschleunigt wird nämlich mit Strom – und der Zug bewegt sich.

Ruprecht erzählt von seinem «Bubentraum», Lokführer zu werden: «Ich war zuerst Zugbegleiter bei den SBB. Das war 1980. Mitte der 1990er-Jahre hatte ich die Möglichkeit, eine Umschulung zu machen, und mein Kindheitswunsch ging in Erfüllung.»

Wir bleiben im Rorschacher Hauptbahnhof stehen. Gebremst werden kann entweder mit dem elektrischen «Joystick» auf seiner rechten Seite oder mit dem «Lufthebel» linkerhand. Was ist das Schöne am Beruf Lokführer? «Das selbstständige Arbeiten», antwortet Ruprecht und ergänzt, «die Verantwortung

Thomas Ruprecht hat sich seinen Traum verwirklicht. Er ist seit 20 Jahren Lokführer. (Bild: Christina Vaccaro)

Thomas Ruprecht hat sich seinen Traum verwirklicht. Er ist seit 20 Jahren Lokführer. (Bild: Christina Vaccaro)

und auch der sporadische Kontakt mit der Kundschaft.» Letzterer beinhaltet vor allem die Hilfeleistung beim Zu- und Ausstieg von Menschen mit eingeschränkter Mobilität, aber auch eine ­gelegentliche Information, die Fahrgäste vom Lokführer holen.

«Der Lokführer ist unverzichtbar»

Weiter geht es Richtung Staad. Die Geschwindigkeitsanzeige erreicht 140 Kilometer pro Stunde. Darunter läuft immer eine Zahl mit, das ist die anzustrebende Geschwindigkeit. Als wir uns dem Bahnhof nähern, fällt diese Zahl auf Null. «Würde ich nicht abbremsen, würde irgendwann die Technik eingreifen und den Zug selbst zum Stillstand bringen», erklärt Ruprecht. Die Technik arbeite dauernd im Hintergrund. Deshalb sei das Fahren an sich relativ entspannt für den Lokführer, die Hauptarbeit liege im Beschleunigen und Abbremsen sowie der Bedienung der Ein- und Ausstiegssignale. Natürlich gehört auch das Rangieren und Wechseln der Gleise im Bahnhofsbereich dazu. Doch wofür der Lokführer unersetzlich ist, ist die Gewährleistung der Sicherheit. «In geschlossenen U-Bahn-Systemen wie in Paris oder in London mag eine Vollautomatisierung des öffentlichen Verkehrs ohne Fahrpersonal funktionieren, doch bei uns wird es kaum möglich sein, auf den Lokführer zu verzichten. Es kann jederzeit sein, dass ein Mensch oder ein Wildtier die Bahngleise überquert», zeigt Ruprecht auf.

Er selbst musste in seinen rund 20 Jahren als Lokführer bereits Vollbremsungen machen. «Diese Situationen sind immer sehr unangenehm. Es kommt leider immer wieder vor, dass Leute, vor allem im Bahnhofsbereich, meinen, sie können schnell über die Gleise springen, anstatt die Unterführung zu benutzen», bedauert Ruprecht. Passiert sei zum Glück noch nie etwas.

Wir sind in St.Margrethen angekommen. Der Führerstand wird nun gewechselt – es geht zurück Richtung St.Gallen.

Blick aus dem Führerstand im Bahnhof St.Margrethen. (Bild: Christina Vaccaro)

Blick aus dem Führerstand im Bahnhof St.Margrethen. (Bild: Christina Vaccaro)

Rückentraining als Ausgleich zum Sitzen

Im Zentrum des Führerstandpults steht «LEA». LEA ist ein iPad, die Abkürzung steht für «Lokpersonal Electronic Assistant». Dieses Gerät zeigt neben Fahrplan, Zeiten, Streckenverlauf und Geschwindigkeiten bei Bedarf auch sämtliche Vorschriften auf. Letztere waren früher in Handbüchern nachzublättern. «Die Arbeitsmittel, die wir haben, sind modern. Wir fahren papierlos», sagt Ruprecht.

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Es geht zurück nach Rorschach Stadt. Ruprechts Frühdienst begann heute um 04.15 Uhr. 24 Stunden täglich sind die Lokführer im Einsatz – natürlich in Arbeitsschichten. Die Arbeits- und Pausenzeit sind genau geregelt und entsprechen den gesetzlichen Regelungen des Arbeitszeitgesetzes. Und wie sieht es mit Rückenproblemen aus? «Ich persönlich habe keine Rückenprobleme. Ich schaue aber auch, dass ich in meiner Freizeit möglichst einen Ausgleich zum Sitzen finde, dazu gehört auch Fitnesstraining, das speziell die Rückenmuskulatur trainiert. Präventive Massnahmen setzen ist immer besser als im Nachhinein behandeln zu müssen», sagt Ruprecht und lächelt zufrieden.

Wir erreichen Rorschach Stadt und die gemeinsame Fahrt endet hier. Lokführer Rupprecht winkt noch einmal über den Seitenspiegel des Zugs und fährt weiter.