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Ein Zuhause für die Bähnler

Zwischen 1911 und 1913 ist die Schorensiedlung von der Eisenbahner-Genossenschaft gebaut worden. Es war ein Akt der Selbsthilfe, die Mieten an anderen Standorten waren zu teuer.
Margrith Widmer
Das ehemalige Eisenbähnler-Quartier ist die einzige Stadtgartensiedlung in dieser Geschlossenheit in der Stadt. (Bild: Ralph Ribi)

Das ehemalige Eisenbähnler-Quartier ist die einzige Stadtgartensiedlung in dieser Geschlossenheit in der Stadt. (Bild: Ralph Ribi)

Um 1900 herrschte rund um den Bahnhof St. Gallen grosse Wohnungsnot. Die Mietpreise waren exorbitant. Das traf vor allem die untersten Bevölkerungsgruppen, zu denen viele Eisenbahner zählten: Kondukteure, Heizer, Rangier- und Gepäckpersonal. Aus diesem Grund entstand die Schorensiedlung.

Arbeiter sollen aus Elend raus

Adolf Messmer (1874–1945), der Gründer der Eisenbahner-Baugenossenschaft St. Gallen, sah in Deutschland Modelle von Eisenbahner-Baugenossenschaften. Der Gehilfe des Betriebschefs der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) in St. Gallen griff 1908 als erster die Idee einer Gartenstadtsiedlung auf. Zur Gründungsversammlung im März 1909 erschienen 300 Personen. 142 Mitarbeiter von SBB, Post, Zoll, Tram und Polizei traten der Genossenschaft bei und zeichneten einen Anteilschein von 300 Franken. «Das war das Rütli vom Schoren», sagte Hans Ulrich Bösch. Zusammen mit Nationalratskandidat Dominik Dietrich sowie Lokalhistoriker und Theologe Walter Frei führte er den SP-Stadtspaziergang durch das Schoren-Quartier.

Die Idee der Gartenstadt stammte vom Briten Ebenezer Howard, der in «A Peathful Path to Real Reform» (ein friedlicher Weg zu wahrer Reform) 1898 Selbsthilfevorstellungen mit den Reformideen der Eigenheim-Bewegung verknüpfte. Arbeiterfamilien sollten aus dem Elend der Spekulantenmietkasernen aus- und in Reiheneinfamilienhäuser mit Garten einziehen.

«Kleinlich und puppenhaft»

Für 150 000 Franken erwarb die Genossenschaft das Gut Rohner am nordwestlichen Rosenberghang. Geplant wurde die Siedlung vom Ulmer Architekten Paul Robert Gerber. Der regierungsrätliche Gutachter, der Architekt Robert Rittmeyer, lehnte das Projekt zunächst ab; er bezeichnete Gerbers Häuschen als «kleinlich und puppenhaft». Arbeiter sollten ihn Wohnblöcken und nicht in Einfamilienhäusern wohnen, war die Ansicht der Regierenden.

Der St. Galler Anwalt und FDP-Bundesrat Arthur Hoffmann setzte sich laut Bösch für die Baugenossenschaft ein. Nach dreieinhalb Baueingaben klappte es; die durch Rittmeyer verbesserten Pläne Gerbers wurden ausgeführt. Im März 1911 erfolgte der Spatenstich, im Oktober der erste Einzug.

Das Türmchen als Wahrzeichen

Im Zentrum der Siedlung befindet sich der Eingang zum Quartier: ein hufeisenförmiges Gebäude mit «Konsum-Verein», Metzgerei, Bäckerei, Kaffeehalle und Merceriegeschäft, das später schliesslich zum Kinderhort und Kindergarten mutierte. Die Kaffeehalle rentierte jedoch nicht; Arbeiter tranken keinen Kaffee.

Das Wahrzeichen des Schoren ist das Glockentürmchen auf dem Eingangsgebäude. Ein Dorf müsse ein Glöckchen haben, fanden die Genossenschafter. Der Stadtuhrmacher bot ihnen das Rösslitor-Glöckchen an; das war ihnen zu gross. Noch heute läutet das Schoren-Glöckchen jede Viertelstunde. Wer das Geläute abschaffen wollte, würde «geteert und gefedert» prophezeite Bösch. Bösch selber ist im Schoren aufgewachsen: «Damals konnten wir noch bis vor die Haustür im <Negerdörfli> skifahren.» 181 Wohneinheiten umfasste die ursprüngliche Siedlung. Es kamen weitere Baulose hinzu: Baulose II: Schorenstrasse 26–62 und III: Sonnenbergstrasse 33/35, 1963–1965 mit 97 Wohnungen; Baulos IV: Dietlistrasse 17–27, 1968–1971 fünf Häuser mit 48 Wohnungen. Man träume auch von einem Baulos V, verriet Bösch, einem «Altersblock», damit ältere Menschen Straubenzell nicht verlassen müssten. Es blieb beim Traum.

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