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Ein Zeitzeuge der Schulgeschichte

An der Kirchgasse 15 steht ein Jugendstilgebäude, das vor hundert Jahren, Anfang 1913, bezogen wurde. Es handelt sich um das älteste Gewerbeschulhaus der Stadt St. Gallen. Einst gab es grossartige Pläne für einen Ausbau.
Claudia Schmid
St. Mangen noch ohne Gewerbeschulhaus auf einer Postkarte um 1905. Der Neubau wird erst 1912 auf der Grünfläche rechts vor der Kirche entstehen. (Bild: Sammlung Reto Voneschen)

St. Mangen noch ohne Gewerbeschulhaus auf einer Postkarte um 1905. Der Neubau wird erst 1912 auf der Grünfläche rechts vor der Kirche entstehen. (Bild: Sammlung Reto Voneschen)

Anfang November hat die Gewerbeschule St. Gallen ihr vor 100 Jahren bezogenes «Mutterhaus» mit einem Fest gefeiert. Die Geschichte des imposanten Gebäudes an der Kirchgasse 15 ist wechselvoll. Der Bau gilt als ein Musterbeispiel für ein öffentliches Gebäude aus der Epoche des Jugendstils.

800 Gulden für eine Schule

Die Anfänge der Gewerbeschule und damit auch des ersten Schulhauses auf dem Hügel zu St. Mangen gehen ins 18. Jahrhundert zurück. Damals stiftete Ratsherr Daniel Källi-Specker 800 Gulden für die Schaffung einer Zeichnerschule für arme Schulknaben aus den obersten Klassen der Bürgerschule, für Schulentlassene und vor allem für angehende Handwerker. Der Ratsherr war nicht weniger als Kaufmann, Zunftmeister, Marktvorsteher, Postdirektor und Präsident des Kaufmännischen Directoriums in Personalunion.

Mit 68 Lernenden

Als eigentliches Geburtsjahr der Gewerbeschule St. Gallen gilt 1860. Die Sonntags-Zeichnungs- und -Modellierschule wurde zur Freiwilligen Fortbildungsschule für Lehrlinge und startete mit 68 Lernenden. Sie genoss Gastrecht in der Mädchenschule an der Kugelgasse 19.

Die Industrialisierung führte dazu, dass die Schule stetig an Bedeutung gewann. Die Trägerschaft wechselte von der Ortsbürgergemeinde zur Einwohner-Schulgemeinde. Zwei Jahre später erhielt die Fortbildungsschule neues Gastrecht im Schulhaus Bürgli.

Gemäss Jubiläumsschrift «100 Jahre Gewerbeschule St. Gallen» wurde schliesslich der Wunsch nach einem eigenen Schulhaus immer stärker. «Die Verhältnisse im Bürglischulhaus konnten auf die Dauer nicht mehr befriedigen, musste doch beispielsweise ein Lehrer zur gleichen Zeit den Modellierunterricht im Kellergeschoss und den Zeichnungssaal im Dachgeschoss betreuen.»

Baukredit bewilligt

Im Februar 1911 war es so weit: An einer ausserordentlichen Schulgemeindeversammlung wurde endlich der Bau eines Gewerbeschulhauses beschlossen und der dafür erforderliche Kredit von 880 000 Franken erteilt. Einen Bauplatz hatte man auf dem Hügel neben der Kirche St. Mangen gefunden, wo einige Zeit zuvor ein älterer Friedhof der Stadt aufgehoben worden war. Im November 1912 bezog die Schulverwaltung im Neubau ihre Räume, im Februar 1913 die Gewerbeschule. Zu jener Zeit drückten 343 Schüler im Sommer- und 456 im Wintersemester die Schulbank.

Drei Jahrzehnte später, also Anfang der 1940er-Jahre, platzte die Schule mit 1700 Schülern bereits wieder aus allen Nähten. «Aus der Geschichte ist überliefert, dass Schülergruppen zeitweise ins ehemalige Restaurant Maieriesli ausweichen mussten. Es befand sich in der Nachbarschaft des Gewerbeschulhauses», erzählt Roland Gehrig, Leiter der Abteilung Bauberufe im heutigen GBS St. Gallen. «Im Winter schickten die Lehrer damals vor dem Unterricht Schüler mit Holzscheiten in die leerstehenden Räumlichkeiten, damit sie den Ofen einheizten.»

Ausbaupläne mit Passerelle

Immer wieder eröffnete die Gewerbeschule Filialen. Gleichzeitig diskutierten die Stadtväter intensiv einen Erweiterungsbau. Einige Gemeinderäte reichten eine Motion ein, in der sie den Stadtrat damit beauftragten, den Kauf weiterer Liegenschaften im Umfeld des Gewerbeschulhauses an der Kirchgasse 15 zu prüfen. Eine konkrete Ausbau-Idee war, das Gebäude des heutigen UG24 als Schulhaus zu nutzen und die beiden Häuser mit einer Passerelle über den Unteren Graben zu verbinden. Zu dieser Lösung konnte man sich dann jedoch nicht durchringen. 1971 stimmten Stadt und Kanton schliesslich einem Baukredit von 24,5 Millionen Franken für einen Neubau an der Demutstrasse im Riethüsli zu.

Wichtiger Repräsentant

Das Schulhaus an der Kirchgasse 15 blieb trotz dem neuen Schulzentrum ein wichtiger Standort für das Gewerbliche Berufs- und Weiterbildungszentrum (GBS) St. Gallen. 1999 kam es zu einer umfassenden Sanierung. In der Baudokumentation wurde das Haus damals als bedeutender Jugendstilbau bezeichnet: «Das Gebäude wurde in der Schlussphase der regen Bautätigkeit um die Wende des 19. zum 20. Jahrhundert erstellt und ist stilistisch ein wichtiger Repräsentant der neubarocken Bauweise. Es ist im Inventar der schützenswerten Bauten der Altstadt St. Gallen der Schutzkategorie 2 zugeteilt.»

Das Gewerbeschulhaus am Unteren Graben irgendwann zwischen 1915 und 1925. Die Bäume im Mangenpärklein sind erheblich kleiner als heute und auf der Strasse flutet noch nicht der Motorfahrzeugverkehr. (Bild: Stadtarchiv St. Gallen)

Das Gewerbeschulhaus am Unteren Graben irgendwann zwischen 1915 und 1925. Die Bäume im Mangenpärklein sind erheblich kleiner als heute und auf der Strasse flutet noch nicht der Motorfahrzeugverkehr. (Bild: Stadtarchiv St. Gallen)

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