Ein Zeit-Grosi für Zemicael

Orte, wo junge und ältere Menschen Kontakt pflegen, sind rar. Die Stadt Arbon will den Generationendialog fördern. Und propagiert das Caritas-Patenschaftsprojekt «mit mir».

Max Eichenberger
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Zemicael Kibro mit Patin Margrit Lutz, Eltern Kinrtom Ghebremeskel und Eyorsalem Yemane, Bruder Nazrmi. (Bild: Max Eichenberger)

Zemicael Kibro mit Patin Margrit Lutz, Eltern Kinrtom Ghebremeskel und Eyorsalem Yemane, Bruder Nazrmi. (Bild: Max Eichenberger)

ARBON. Die Augen funkeln im Gesicht. Zemicael Kibro schenkt Margrit Lutz ein vertrauensvolles Lächeln. Die 66jährige Götighoferin ist Patin des siebenjährigen Eriträer-Jungen, der mit seinem kleinen Bruder Nazrmi und den Eltern in Arbon lebt.

Entfremdung aufheben

«Mit mir» heisst das Patenschaftsprojekt von Caritas. Es bringt Generationen einander näher. Und im Fall des Emigrantensprosses Zemicael auch Kulturen. Beide profitieren und lernen voneinander. Gut zwei Dutzend solcher Patenschaften gibt es im Thurgau, sagt Caritas-Vertreterin Simone Rutishauser; zumeist sind es Schweizer Kinder. Es sollen noch mehr werden. Das wünscht man sich auch in Arbon, wo Gabriele Eichenberger die städtische Kinder- und Jugendarbeit (KJA) leitet. Sie plante mit ihrem Team lokal ein Projekt «Ersatzgrosseltern» aufzuziehen – und stiess dabei auf das Caritas-Modell. Die Ziele des Generationendialogs seien identisch.

So propagiert Arbon jetzt das Caritas-Projekt «mit mir». «Es funktioniert professionell. Wir bringen unsere Strukturen und Beziehungen ein, um die Idee in Arbon zu verankern», sagt Gabriele Eichenberger. Die Kinder- und Jugendarbeit engagiert sich auf unterschiedlichen Ebenen bereits, den Dialog zwischen der jungen und der älteren Generation zu fördern. «Wir stellen fest, dass es da zu einer Entfremdung gekommen ist und man in eigenen Welten lebt. Was gegenseitiges Unverständnis weckt», sagt Stadtrat Patrick Hug, Präsident des Vereins KJA. Wie Gabriele Eichenberger beobachtet, gehe so auch der Respekt verloren. Bei verschiedenen Veranstaltungen – wie kürzlich etwa bei der Weiher-Putzete – will die KJA-Leiterin Generationen über gemeinsame Erlebnisse zusammenführen.

Auch für Patin bereichernd

«Mit mir» ist ein weiteres Puzzleteil. Für die Caritas sind regionale Vermittlerinnen tätig, die solche Patenschaften einfädeln und begleiten. Bei der Caritas können sich Interessenten für eine Patenschaft ebenso melden wie bei der Kinder- und Jugendarbeit Arbon. Die 66jährige Margrit Lutz hatte sich früher um kranke und betagte Menschen gekümmert. Und weil ihre Grosskinder auch schon flügge sind, hat sie das Patenschaftsprojekt angesprochen. «Es ist auch für mich bereichernd.» Zemicaels Vater Kinrtom Ghebremeskel vernahm über die Peregrina-Stiftung vom Angebot. Die Patin vermittle Zemicael viel: von der Kultur bis zur Sprache, ist der Vater dankbar. Er hilft sogar Margrith Lutz manchmal im Garten.

Kontakt: www.caritas-thurgau.ch; Tel. 071 626 80 06; Arbon: Gabriele Eichenberger Tel. 071 447 61 63

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