Ein zahmes Duell

Benedikt Würth und Herbert Huser wollen in den Regierungsrat. Am einzigen gemeinsamen Podiumsgespräch im Wahlkreis St. Gallen sprachen sie über Bildung, Spitäler und den FC St. Gallen.

Martina Kaiser
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Buhlen um Stimmen: SVP-Kantonsrat Herbert Huser (l.) und CVP-Kantonsrat Benedikt Würth (r.) mit TVO-Moderator Michael Bachmann. (Bild: Ralph Ribi)

Buhlen um Stimmen: SVP-Kantonsrat Herbert Huser (l.) und CVP-Kantonsrat Benedikt Würth (r.) mit TVO-Moderator Michael Bachmann. (Bild: Ralph Ribi)

Waldkirch. Herbert Huser, wohin das Auge blickt. Der Architekt und SVP-Kantonsrat strahlt von den Wänden des Oberstufenzentrums Bünt in Waldkirch, «schafft Sicherheit und Vertrauen». So steht es zumindest auf den Plakaten, welche die SVP Waldkirch-Bernhardzell aufgehängt hat. Herbert Huser gilt als Aussenseiter im Kampf um den vakanten Sitz im St. Galler Regierungsrat. Er sitzt in der Aula des Oberstufenzentrums, schaut ernst.

Eine Persönlichkeitswahl

Kronfavorit Benedikt Würth erscheint wenige Minuten vor Beginn der Podiumsdiskussion, schüttelt seinem Kontrahenten die Hand, begrüsst TVO-Moderator Michael Bachmann. Siegessicher tritt der Stadtpräsident von Rapperswil-Jona auf. Siegessicher sei er aber nicht, antwortet er auf die Frage des Moderators. «Ein Wahlkampf ist wie ein Fussballmatch – erst wenn alle Stimmen ausgezählt sind, ist das Spiel entschieden.» Aber klar werde er enttäuscht sein, wenn er es nicht schaffe.

Während Würth spricht, sitzt Herbert Huser ruhig da, die Hände vor sich auf dem Tisch gefaltet, die Beine ineinander verschlungen. Ja, er sei der Aussenseiter, aber das sei nicht schlimm: «Ich bin überzeugt, dass es einen knappen Entscheid geben wird.» Auch wenn sich der Gewerbeverband hinter Benedikt Würth stellt? «Es ist eine Persönlichkeitswahl. Dass der Gewerbeverband Beni Würth unterstützt, überrascht mich nicht. Denn nur 4 von 37 Mitgliedern sind in der SVP.

» Natürlich sei es eine Persönlichkeitswahl, sagt Benedikt Würth. «Dass der Gewerbeverband nur aus Parteisoldaten besteht, glaube ich allerdings nicht.»

Warum sollten die Leute denn Herbert Huser wählen und nicht Benedikt Würth? «Ich habe zehn Jahre mehr Lebenserfahrung als Beni», sagt Huser und lacht. Das Publikum auch. Sein Mitstreiter lächelt. Ein höfliches Lächeln, die Arme sind vor der Brust verschränkt.

«Ich bin seit 14 Jahren im Kantonsrat und seit zehn Jahren Stadtpräsident, habe also die besten Voraussetzungen für das Amt», sagt Benedikt Würth. Das möge ja sein, entgegnet Herbert Huser, «aber das Amt des Regierungsrates kann man nicht lernen. Ausserdem sind in der Regierung Führungsqualitäten gefordert, und dafür bringe ich als selbständiger Architekt sehr gute Voraussetzungen mit.»

Was sagen die beiden zu den acht sanierungsbedürftigen Spitälern im Kanton? Für Herbert Huser stehen die Kosten im Vordergrund, für Benedikt Würth hingegen braucht es weniger eine Spital- denn eine Gesundheitsstrategie. Auch als Bildungsdirektor wären den beiden Kandidaten unterschiedliche Dinge wichtig. Das Bildungsdepartement praktiziere «reine Kuschelpädagogik», die Schüler müssten wieder lesen und schreiben lernen, findet Herbert Huser. Für Benedikt Würth sind nur motivierte Lehrer gute Lehrer.

Und: «Ob die Einführung von Frühfranzösisch sinnvoll war, daran zweifle ich.»

FCSG: Vorlage zurückweisen

Das Publikum interessierte vor allem eines: Wie stehen die Regierungsratskandidaten zur Rettung des FC St. Gallen? «Ich würde die Vorlage mit Auflagen zurückweisen. Anscheinend bringen Private das Geld zusammen – warum geht man dann erst beim Staat betteln?», sagt Würth. Gleicher Meinung ist Huser.

Nach zwei Stunden ist die Podiumsdiskussion vorbei. Die 42 Gäste strömen zum Ausgang. Es fallen Sätze wie: «Jetzt wissen wir es.» Oder: «Jetzt ist alles klar.» Was ist klar? «Wen wir wählen», heisst es. Und wer macht am 28. November das Rennen? «Keine Ahnung.»

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