Ein wertvolles Stück Mauer

Der Rundturm des St. Galler Befestigungssystems ist der älteste Bestandteil des Stiftsbezirks. Vor 492 Jahren wurde er gebaut und seither nie renoviert. Nun arbeiten zwei Restauratoren daran, die historisch wertvolle Fassade zu erhalten.

Mirjam Bächtold
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Zentimeter für Zentimeter bringen Oskar Emmenegger (vorne) und Tobias Hotz die Fassade des alten Rundturms wieder auf Vordermann. (Bild: Reto Martin)

Zentimeter für Zentimeter bringen Oskar Emmenegger (vorne) und Tobias Hotz die Fassade des alten Rundturms wieder auf Vordermann. (Bild: Reto Martin)

Eigentlich sieht sie aus, wie eine normale Steinmauer. Doch der erste Blick trügt: Die Mauer an der die Restauratoren Oskar Emmenegger und Tobias Hotz arbeiten, ist für die Stadtgeschichte sehr wertvoll. Der Rundturm an der Moosbruggstrasse stammt aus dem frühen 16. Jahrhundert und war Bestandteil des Befestigungssystems. «Es ist erstaunlich, dass er noch steht», sagt Hotz, denn von der alten Stadtmauer sei sonst nicht mehr viel übrig.

Bisher nie renoviert

Der ehemalige Wehrturm ist in die Jahre gekommen. Untersuchungen haben gezeigt, dass das Holz für die Balken 1518 gefällt worden ist. Seither wurde der Turm nie renoviert – was ihn umso wertvoller macht. Doch über die Jahre sind einzelne Schäden entstanden, die nun behoben werden. Unter der Bauherrschaft des kantonalen Hochbauamts werden die rund 160 Quadratmeter Fassade nun konserviert und restauriert. Der Turm wird nicht neu verputzt. «Wir wollen möglichst die Originalsubstanz belassen», sagt Emmenegger.

Der Rundturm gehört zum Stiftsbezirk und ist somit der älteste Bestandteil des Unesco-Weltkulturerbes. Da er unter Denkmalschutz steht, wird das ganze Projekt von Pierre Hatz von der kantonalen Denkmalpflege begleitet. «Der Turm ist von grosser Bedeutung. Deshalb unterstützt der Bund die Restaurierung finanziell», sagt der zuständige Architekt Rolf Berger. Wie hoch die Kosten ausfallen werden, möchten die Verantwortlichen vorläufig nicht bekanntgeben. Der geplante Kostenrahmen werde laut Architekt aber eingehalten.

Die Arbeiten werden voraussichtlich Anfang Oktober abgeschlossen.

Injektion für eine Mauer

Eingerüstet ist der Turm bereits seit 2008. Damals habe eine Analyse stattgefunden, sagt Emmenegger. 2009 wurde das Dach mit den Originalziegeln neu gedeckt. Erst 2010 haben aber die eigentlichen Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten begonnen. «Als erstes musste der Turm vom Efeu befreit und gereinigt werden», sagt Emmenegger. Die Pflanzen hätten die Mauer beschädigt, da ihre Triebe in die Risse hineingewachsen sind.

Der bestehende Putz sowie Steine, die sich von der Wand abgelöst haben, müssen gefestigt werden. Dies geschieht mittels Injektion. Durch einen kleinen Schlauch wird ein Gemisch aus Sumpfkalk und Weisszement hinter den Stein gespritzt. Als nächstes werden Risse geflickt. Dazu verwenden die Restauratoren einen Mörtel wie zu Cäsars Zeiten, gemischt nach historischem Rezept. Dieser Mörtel ist heller als der alte Verputz, der über die Jahre von einer Patina überzogen wurde. Deshalb müssen Oskar Emmenegger und Tobias Hotz den neuen Verputz noch retuschieren.

Der Turm, der zwischen 1810 bis 1980 als Gefängnis gedient hatte, soll auch nach Beendigung der Arbeiten gewartet werden, damit keine neuen Schäden entstehen. Und das Stück St. Galler Geschichte noch lange erhalten bleibt.

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