Ein Unterländer ganz oben

Der Gossauer Skifahrer Ralph Weber wurde Junioren-Schweizer-Meister in der Super-Kombination. Und qualifizierte sich so für die Junioren-WM in Crans-Montana. Ein Besuch bei ihm zu Hause.

Rafael Rohner
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Ralph Weber im Schopf seiner Eltern: Er präpariert die Skier für die Abfahrt an der Junioren-WM in Crans-Montana. (Bild: Coralie Wenger)

Ralph Weber im Schopf seiner Eltern: Er präpariert die Skier für die Abfahrt an der Junioren-WM in Crans-Montana. (Bild: Coralie Wenger)

gossau. Ralph Webers Statur gleicht eher der von Didier Cuche als der von Carlo Janka: Kräftige Oberarme, breite Schultern, stämmiger Hals. Der 17-Jährige wirkt älter und spricht bedacht und fokussiert. Vergangene Woche wurde der Gossauer in seiner Alterskategorie als jüngster Teilnehmer Schweizer Meister in der Super-Kombination. Dieser Sieg bedeutete gleichzeitig die Qualifikation für die Junioren-Ski-WM in Crans-Montana. Morgen Donnerstag wird er dort starten.

Acht Schweizer in der Alterskategorie 1991 bis 1993 haben sich für die WM qualifiziert. Er sei der einzige von ihnen aus dem Unterland, sagt Ralph Weber. Klar sei es ein Nachteil, wenn man nicht schnell ein paar Abfahrten vor der Haustüre machen könne. Mit der Unterstützung anderer gehe es trotzdem. Vor allem seine Eltern, der Skiverband und früher auch der Skiclub Gossau hätten ihn stark unterstützt.

Der Vater, ein findiger Tüftler

In einem kleinen Schopf präpariert Ralph Weber seine Skier für die Junioren-WM. Eng und kalt ist es dort im Winter. Eng wie das bewaldete Tal zwischen Herisau und Gossau, in dem sich der Weiler Neurüdlen, Ralphs Elternhaus, befindet. Früher habe hier meist sein Vater für ihn die Skier präpariert, sagt Weber. Jetzt übernehme das meist er selbst oder ein Servicefachmann von Swiss Ski. Dies, obwohl der Vater von Ralph eigens für seinen Sohn eine Maschine erfunden hat, um mittels Infrarot den Skiwachs aufzutragen. Die Erfindung habe sich trotzdem gelohnt, sagt Vater Daniel Weber, denn die Einnahmen durch Patentrechte auf die Maschine würden ihm helfen, die Ausbildung seines Sohns an der renommierten Sportschule in Davos zu finanzieren.

Im Sommer heisst es schwitzen

«Die Schweizer Meisterschaft war eigentlich ein ganz gewöhnliches Rennen», sagt Ralph Weber, während er seine Skier poliert. Vor dem Start habe es dann einfach geheissen: «Das ist jetzt die Schweizer Meisterschaft.» Innerlich habe er sich dann aber riesig über den Sieg gefreut. Ausgelassen gefeiert habe er indessen nicht. «Das würde mich im Training zu weit zurückwerfen.»

Feiern oder mit Freunden ausgehen könne er, wenn überhaupt, im Frühling, dann wenn die Saison vorbei ist. Alkohol oder gar Rauchen lägen aber auch dann nicht drin. Denn nach den Ferien beginnt die Schule und gleichzeitig wieder die Vorbereitung auf die nächste Saison. Im Sommer müsse er vor allem Kraft- und Balanceübungen machen und dabei «viel schwitzen», sagt er. Doch auch dann bereue er den Weg nicht, den er eingeschlagen hat. Das Skifahren im Winter entschädige ihn für das Schwitzen im Sommer. Und er komme durch den Sport in Kontakt mit Persönlichkeiten. So kenne er beispielsweise die Skifahrer Carlo Janka oder Justin Murisier persönlich.

Zuversicht und «Coolness» nötig

Das nächste Ziel von Ralph Weber ist wie Justin Murisier ins Schweizer B-Kader zu kommen. Dafür müsse es vor allem im Kopf stimmen, sagt er. Denn Skifahren könne auch frustrierend sein. Vor allem dann, wenn er gut fahre, der Abstand zu den Spitzenfahrern aber immer gleich gross bleibt. Es sei dann schwierig, ruhig zu bleiben und herauszufinden, woran es liegt. Man stelle sich dann Fragen: Ist es das Material, der Fahrstil oder sind es viele kleine Fahrfehler? Um aus solchen Situationen wieder herauszukommen, brauche es ein gutes Umfeld und viel Zuversicht, «Coolness», wie Ralph Weber sagt. Ein Sieg, wie der an der Schweizer Meisterschaft tue in solchen Situationen besonders gut. Und falls es mit dem Skifahren doch nicht klappen sollte, habe er immer noch die Matura, die er in Davos macht.

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