Ein unkonventioneller Rektor

GOSSAU. Ab heute ist Lukas Krejci Rektor am Gymnasium Friedberg in Gossau. Die grosse Leidenschaft des 40-Jährigen ist Kultur: Mit Theater, Literatur, Musik und Kunst kann er seine Familie wie auch die Schüler im «Friedberg» begeistern.

Giulia Satiro
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Lukas Krejci sammelt auch in seinem neuen Rektorbüro Bücher und Bilder – eine Inspirationsquelle für die kulturellen Projekte am Gymnasium. (Bild: Michel Canonica)

Lukas Krejci sammelt auch in seinem neuen Rektorbüro Bücher und Bilder – eine Inspirationsquelle für die kulturellen Projekte am Gymnasium. (Bild: Michel Canonica)

Ist es sein farbenfrohes Büro oder sind es die sportlichen Schuhe, die Lukas Krejci so jugendlich wirken lassen? Auch, aber nicht nur: Vor allem sind es seine lockere Art und die ansteckende Fröhlichkeit. Für den 40jährigen Lockenkopf ist heute der erste Tag als Rektor am Gymnasium Friedberg. So lässig, wie er auf dem Sessel sitzt, scheint es aber, als sei er längst mit seinem neuen Amt vertraut. «Ich muss mich noch in die Finanzen einarbeiten und an die Büroarbeit gewöhnen», sagt Krejci. Doch er könne auf ein gutes Team zählen. Insbesondere auf die Prorektoren Alessandro Bonaria und Sebastian Lamm. Was für Krejci dabei wichtig ist: Er ist nicht auf den Bürostuhl verbannt. «Ich unterrichte noch am Gymnasium und doziere an der PHSG, so stehe ich immer noch in direktem Kontakt zu den Schülern.»

Theater, Kunst und Musik

Als erstes wird er sich mit dem Team an die Einführung des Schwerpunktfaches «Physik und Anwendungen der Mathematik» machen. Auch eine Neugestaltung des Lehrplans ist vorgesehen. Daneben stehen kulturelle Projekte auf dem Programm. «Ein Musical ist in Planung. Auch einen Film wollen wir drehen und eine Schulband gründen», sagt Krejci. Kunst und Kultur sind für den neuen Rektor Grundlagen der Bildung und kein Luxus. Beides pflegt er auch privat: Krejci schreibt Liedertexte, singt und spielt Theater. Er mag Literatur und ist Kunstsammler. Seine kulturelle Ader hat er seiner achtjährigen Tochter vererbt. «Sie spielt Theater und malt. Mein sechsjähriger Sohn ist hingegen <Räuberbandichef> im Kindergarten.»

Krejcis Büro widerspiegelt seine Leidenschaften. Ein geräumiges Bücherregal steht hinter einer lauschigen Sitzecke. Grosse und kleine Bilder zieren die Wände. Eines zeigt die «Verwandlung» von Franz Kafka, der wie Krejci tschechische Wurzeln hat. Ein aussergewöhnliches Büro, das aber Wohlgefühl und Inspiration bietet. «Die Tür zu meinem Büro steht allen offen», sagt er. So sei ein Austausch möglich. «Ich möchte präsent und nicht nur durch das Sekretariat zu erreichen sein.»

Im «Friedberg» zu Hause

Lukas Krejci sprudelt vor Ideen, doch eine Totalreform des «Friedbergs» möchte er deswegen nicht. «Die Tradition des Gymnasiums möchte ich weiterführen. Kontinuität und Vertrauen sind schliesslich wichtige Grundlagen», sagt der Rektor. Das Gymnasium Friedberg sei klein, freundlich und familiär. Jeder kenne jeden. «Eine Schule, ein Geist», sagt Krejci. So sei das Gymnasium auch Lebensraum für die Schüler, nicht nur eine Schule. Das Familiäre gefiel Krejci bereits als Jugendlicher, als er selbst die Schule besuchte. Nach seinem Germanistik- und Geschichtsstudium bekam er Angebote, um in Mexiko oder Marokko zu unterrichten. «Doch im <Friedberg> war gerade eine Stelle frei – meine Traumstelle.» Seither unterrichtet Krejci am Gymnasium – seit 13 Jahren. Vergangenes Jahr wurde er Prorektor und nun Rektor. «Im neuen Amt möchte ich das, was der <Friedberg> ist und was mir so am Herzen liegt, gegen aussen vertreten», sagt Krejci.

Authentischer Glaube

Die christliche Prägung der Schule ist Krejci wichtig: Obwohl er nicht der beste Christ sei, halte er sich an die christliche Basis: Toleranz, Nächstenliebe und Chancengleichheit. «Ich habe früher authentische Christen an dieser Schule kennengelernt.» Ausserdem ist Pallotti, der Heilige am «Friedberg», Krejci sympathisch geworden. «Er handelt und gibt immer sein bestes.» Die christlichen Feste, die die Schule feiere, seien wichtig, sie gehörten zur Tradition. «Wir sind aber nicht konservativ. Am <Friedberg> sind wir auch für andere Konfessionen offen und wollen niemanden missionieren», sagt Krejci. Und diese Haltung entspricht exakt dem lockeren und offenen Rektor.