Ein Umzug mit Nebengeräuschen

ST.GALLEN. Der Stadtrat hat einen Vorstoss zum Umzug von St.Gallen-Bodensee-Tourismus ins Klosterviertel beantwortet. CVP-Parlamentarier Martin Würmli kritisierte, dadurch würden Steuergelder «verlocht». Er will die GPK einschalten.

David Gadze
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St. Gallen-Bodensee-Tourismus verlegt seinen Hauptsitz nächstes Jahr vom Bahnhofplatz ins «Siegle-Haus» im Klosterviertel. (Bild: Mareycke Frehner)

St. Gallen-Bodensee-Tourismus verlegt seinen Hauptsitz nächstes Jahr vom Bahnhofplatz ins «Siegle-Haus» im Klosterviertel. (Bild: Mareycke Frehner)

Das Informationszentrum von St.Gallen-Bodensee-Tourismus soll vom Bahnhofplatz ins Klosterviertel verlegt werden. In den neuen Standort an der Bankgasse 9 soll auch das vor knapp zwei Jahren eröffnete Besucherzentrum an der Gallusstrasse integriert werden. Dazu reichte CVP-Stadtparlamentarier eine Einfache Anfrage ein. Diese hat der Stadtrat nun beantwortet.

Stadtrat versteht Umzugspläne

Würmli wollte wissen, wann St.Gallen-Bodensee-Tourismus den Stadtrat über die neue Strategie informierte und wie die Stadt als einer der wesentlichen Träger in den Entscheid involviert war. Ausserdem fragte er, wie sich der Stadtrat zur Verlegung des Standorts stellt. Der Stadtrat schreibt, er könne die Überlegungen nachvollziehen. Der Standortentscheid sei eine Angelegenheit des Vereins. «Mit dem Stadtpräsidenten als Vizepräsident des Vorstands von St.Gallen-Bodensee-Tourismus war der Stadtrat stets über die Absichten informiert.»

Die Anforderungen an eine Tourist Information befänden sich in einem starken Wandel, schreibt der Stadtrat weiter. Touristen würden sich zunehmend über das Internet und Apps informieren. Dieser Trend werde weiter zunehmen, weshalb mit einem Rückgang der persönlichen Kundeninformation am traditionellen Informationsschalter zu rechnen sei. «Die bestehenden Schalterflächen sind dann zu gross und nicht mehr am richtigen Ort.»

Keine Rückzahlung

Weiter wollte Martin Würmli wissen, ob aufgrund der Aufgabe des Besucherzentrums, das im Rahmen des Gallusjubiläums im April 2012 eröffnet worden war, eine Rückzahlung des städtischen Investitionsbetrags vorgesehen sei. Der Stadtrat schreibt, bei einem Umzug sei ein Besucherzentrum, das knapp 100 Meter neben dem neuen Standort der Tourist Information liege, «nicht vermittelbar». Es soll deshalb in die Tourist Information integriert werden. «Daraus ergeben sich Kosteneinsparungen, von denen auch die Stadt St.Gallen profitieren wird.» Die Investitionen seien ins Gebäude getätigt worden und gingen nicht verloren. Sie könnten von einem Nachmieter genutzt werden und seien Teil der Miete.

Würmli fragte auch, ob der jährliche Beitrag an St.Gallen-Bodensee-Tourismus, der wegen des neuen Besucherzentrums vom 395 000 auf 495 000 Franken im Jahr erhöht wurde, nun wieder gesenkt werde. Der Stadtrat antwortet, dass die Personalkosten nach der Integration in die Tourist Information weitestgehend bestehen blieben. «Wegfallen werden 30 000 Franken Miete und Nebenkosten am bisherigen Standort.» Um so viel soll «zu gegebener Zeit» die Subvention reduziert werden.

«Ganz und gar nicht zufrieden»

Martin Würmli zeigt sich «ganz und gar nicht zufrieden» mit den Antworten des Stadtrats. Es würden wichtige Details verschwiegen. Gerade der heiklen Frage, wann der Stadtrat über die neue Strategie informiert wurde, werde ausgewichen. «Aus der Antwort geht nicht hervor, ob der Stadtrat bereits vor oder erst nach der Diskussion im Parlament über die Beitragserhöhung von den Umzugsplänen wusste.» Dieses hätte darüber orientiert werden müssen, dass nachträgliche Änderungen möglich seien.

Der CVP-Parlamentarier kritisiert auch die Antwort auf die Frage nach der Senkung des jährlichen Beitrags. «Die Subventionserhöhung von 100 000 Franken wurde mit dem neuen Besucherzentrum begründet. Warum nach dessen Aufgabe nur 30 000 Franken wegfallen sollen, ist unverständlich.»

Dass der Stadtrat in diesem Zusammenhang auch von einem «sehr umsichtigen» Umgang mit Steuergeldern spricht, missfällt Würmli ebenfalls. Das Ziel der Einfachen Anfrage sei gewesen, diesen Posten in der nächsten Budgetdebatte aufs Tapet zu bringen. Dass er wegen seines Rücktritts aus dem Stadtparlament auf Ende Mai nicht selber dafür sorgen kann, sei bedauerlich. Er habe aber viele Rückmeldungen von Parlamentskollegen bekommen, auch aus anderen Parteien. «Sie alle wollen auch, dass die Geschäftsprüfungskommission schaut, wohin das Geld fliesst und warum.»

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